(de) fda-ifa: Let‘s take the Streets, Let‘s take the Night! - Feministische Nachttanzdemo am 14. Juni

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So Jun 11 09:14:49 CEST 2017


DEMONSTRATION für Mädchen*, Frauen*, Lesben*, Trans*- und Inter*-Personen (FLTI*) am 
14.06.17, 22 Uhr Rathausplatz Freiburg. ---- Offensiv statt defensiv! ---- Selbstbestimmt 
statt ohnmächtig! ---- Ob laut oder leise! ---- Wütend - Wollen wir die Nacht erobern! 
---- Am 14.06.17 wird sich ein feiernder Zug aus FLTI*-Personen die Freiburger Innenstadt 
nehmen und damit ein Zeichen gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt, Homo- und Transphobie 
und Rassismus setzen. ---- Denn viele Mädchen*, Frauen*, Lesben*, Trans*- und 
Inter*-Personen werden groß mit der Angst vor sexualisierter Gewalt und dem Ratschlag 
Nachts nicht ohne Begleitung an dunkle Orte und Straßen zu gehen. Auch in Clubs sind wir 
vor dummen Anmachen und Belästigungen nicht sicher. ---- Um dem allgegenwärtigen Sexismus 
dieser Gesellschaft standzuhalten und entgegenzuwirken, brauchen wir Solidarität unter 
FLTI*-Personen.

Lasst uns deshalb gemeinsam die Straße und die Nacht erobern.
Lasst uns Spaß haben, solidarisch feiern und uns den öffentlichen Raum nehmen.
Feiert und erhebt eure Stimme mit uns am 14.06.17 um 22.00 Uhr in Freiburg!
https://takebackthenight2017.blackblogs.org/

Aufruf:

Über Normen und Diskriminierung

Menschen haben unterschiedlich große Handlungsspielräume und Freiheiten u.a. aufgrund von 
Geschlechtsidentität, Aussehen, sexueller Orientierung, Religionszugehörigkeit, Alter und 
Vermögen. Menschen, auf die die Zuschreibungen "männlich, weiß, hetero, christlich, 
wohlhabend, nicht körperlich beeinträchtigt" passen, genießen in unserer Gesellschaft den 
größten Handlungsspielraum. Je weniger eine Person dieser Norm entspricht, desto mehr wird 
sie systematisch in ihren  Handlungsmöglichkeiten und Freiheiten eingeschränkt, z.B. bei 
der Jobsuche, vor Gericht, im Alltag oder in der Öffentlichkeit.

Gibt es ein Abseits der Kategorien "Mann" und "Frau"?

JA! Menschen werden in der Regel einer der beiden Kategorien "Mann" oder "Frau" 
zugeordnet. Diese Kategorien umschließen Normen für Erscheinungsbild und Verhalten sowie 
vermeintlich "natürliche" Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Diese Kategorien sind 
nicht natürlich, sondern menschengemacht. Es gibt schon immer viele Menschen, die sich 
keiner dieser beiden Kategorien zugehörig fühlen oder zuordnen. Und das zu Recht! Wir 
wollen ein Zeichen setzen gegen die beengenden Normen und Regeln von Männlichkeit und 
Weiblichkeit, denn Geschlecht ist ein Kontinuum und keine starre Kategorie.

Was ist Sexismus?

Sexismus ist die Ausgrenzung, Benachteiligung oder Herabwürdigung von Menschen aufgrund 
ihrer Geschlechtszuweisung. Sexismus kann grundsätzlich alle Menschen betreffen, 
FLTI*-Personen sind von Sexismus aber weitaus mehr betroffen als Menschen, die in die 
Kategorie "Mann" fallen. Obwohl sich die Bedingungen für FLTI*-Personen hierzulande in den 
vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert haben, sind sie nach wie vor sowohl 
strukturell benachteiligt als auch von alltäglicher Diskriminierung betroffen - das zeigt 
sich unter anderem in Statistiken zu Gehältern, Führungspositionen, aber auch und vor 
allem im alltäglichen Verhalten.

Was ist Alltagssexismus?

Sexismus ist in unserer Gesellschaft alltäglich, allgegenwärtig und oft schwer 
(an)greifbar. Alltagssexismus ist nicht nur diskriminierend und verletzend; durch 
sexistisches Sprechen und Verhalten werden FLTI*-Personen im Alltag Tätigkeiten, Räume und 
Möglichkeiten verwehrt. Alltagssexismus kann sich in verbalen und/oder körperlichen 
Übergriffen am Arbeitsplatz, beim Feiern oder auf der Straße, durch blöde "Herrenwitze" 
oder unangemessene Sprüche äußern, die auf die vermeintliche Schwäche und Dummheit von 
"Frauen" aufmerksam machen sollen.

Was ist sexualisierte Gewalt?

Bei sexualisierter Gewalt geht es oft nicht um das Ausleben sexueller Bedürfnisse sondern 
vor allem um Machtausübung. Sexualisierte Gewalt kann verschiedene Formen annehmen und 
beginnt nicht erst bei körperlicher Verletzung. Ab wann eine Handlung sexualisierte Gewalt 
ist, hängt vom Empfinden der betroffenen Person ab. Auch Blicke, Kommentare oder 
Körpersprache können zur sexualisierten Machtausübung instrumentalisiert werden. 
Erfahrungen sexualisierter Gewalt können traumatisierend sein und Betroffene ein Leben 
lang begleiten. Jede Person hat ein Bestimmungsrecht über ihren Körper. Jeder Mensch kann 
wahrnehmen, was angenehm ist und was nicht, und ist in dieser Wahrnehmung zu respektieren.

"Damit musst du eben rechnen, wenn du so rumläufst!"

Kommentare und Ratschläge wie diese ziehen sich allgegenwärtig durch das Leben fast aller 
FLTI*-Personen. Oft gut gemeinte Ratschläge erklären sexualisierte Gewalt auf eine 
bestimmte Weise: die Ursache für sexualisierte Gewalt wird bei den Betroffenen gesucht und 
dabei auf Faktoren wie Kleidungsstil, Verhalten, oder Alkoholkonsum zurückgeführt. Dieses 
Erklärungsmuster heißt Victim Blaming(Schuldumkehr). Victim Blaming führt dazu, dass 
sexualisierte Gewalt als strukturelles Phänomen kaum anerkannt wird: es sieht die Mit- 
oder Hauptschuld bei den von sexualisierter Gewalt Betroffenen und entlastet Täter(*1).

Was sind FLTI*-Räume und wieso sind sie wichtig?

FLTI*-Räume bieten Platz für Empowerment. In FLTI*-Räumen wird nicht über cis-Männer(*2) 
gelästert, sondern sie bieten eine Ausnahme vom cis-Männer dominierten Alltag. Idee ist 
es, dass sich in ihrer Abwesenheit leichter Alternativen zu alltäglichem Verhalten, 
klassischen Rollenverteilungen u.v.m. ausprobieren lassen. Und vor allem nehmen sie ganz 
viel Raum ein.
Ziel ist nicht die Unterscheidung "Mann"/"Frau" weiter zu untermauern oder 
profeministischen cis-Männern den Feminismus zu verderben.
Ziel ist: anerzogene Verhaltensweisen (z.B. dass sich FLTI*-Personen eher unterordnen und 
still werden) zu durchbrechen.

Das Problem heißt Patriarchat!

Die Unterdrückung von FLTI*-Personen ist Resultat einer Jahrunderte alten 
gesellschaftlichen Struktur dem Patriarchat. Dies bedeutet strukturelle Herrschaft von 
"Männern" über "Frauen", sowie Hass auf Homosexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche. 
Wenn wir uns also gegen Sexismus wehren, müssen wir auch die patriarchale Organisation der 
Gesellschaft kritisieren und die traditionellen Geschlechterrollen hinter uns lassen.

Lasst uns deshalb gemeinsam die Straße und die Nacht erobern. Lasst uns Spaß haben, 
solidarisch feiern und uns den öffentlichen Raum nehmen.
Feiert und erhebt eure Stimme mit uns am 14.06.17 um 22.00 Uhr in Freiburg!

"Disclaimer"

Uns ist bewusst das wir in unseren Gruppen nicht alle FLTI*-Personen repräsentieren und 
wir deshalb aus einer gewissen Perspektive heraus schreiben.Trotzdem hoffen wir so viele 
FLTI*-Personen wie möglich mit unserem Aufruf anzusprechen und sind für 
Verbesserungsvorschläge offen. Wir setzen uns mit all unseren Kräften dafür ein, dass sich 
auf der Take the Night-Demonstration alle FLTI*-Personen willkommen und wohl fühlen.

*1: Wir sind uns bewusst, dass sexualisierte Gewalt auch von FLTI* ausgeht, diese jedoch 
in ihrer Gesamtzahl sehr marginal ist: siehe "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit 
von Frauen in Deutschland. Kurzfassung der Untersuchung von Schröttle und Müller, hg. von 
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin 2004, S.15."

*2: Cis-Männer: Männer die als "Männer" geboren wurden und sich selber so definieren.

https://fda-ifa.org/lets-take-the-streets-lets-take-the-night-feministische-nachttanzdemo-am-14-juni/


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