(de) ag-freiburg: Über einen kleinen Arbeitskampf im Freiburger Club "The Great Räng Teng Teng"

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So Jun 4 10:34:31 CEST 2017


Der Freiburger Club "The Great Räng Teng Teng" hat sich ein alternatives Image aufgebaut, 
doch wie so oft ist die Fassade mehr Schein als Sein. Schmerzhaft musste dies eine 
Angestellte unlängst erfahren: Inspiriert durch einen Vortrag zum Thema Arbeitskämpfe in 
der Kleingastronomie von der FAU1 Dresden, forderte sie bei ihrem Chef eine Erhöhung des 
Lohnes auf 8,84 € für alle Mitarbeiter*innen ein. Dies ist der seit Januar 2017 geltende 
Mindestlohn. Die Erhöhung war schon seit ca. 2 Monaten überfällig. Der Chef reagierte 
jedoch nicht gerade kooperativ und rechtfertigte den bisher nicht erhöhten Stundenlohn von 
8,50 € unter der Woche mit der etwas erhöhten Entlohnung von bis zu 10,00 € an 
Wochenenden. Der Haken ist dabei, dass nicht alle Angestellten jede Woche an einem 
Wochenende arbeiten dürfen und können. Die Angestellte und eine Kollegin sind seit einigen 
Jahren schon für die Lohnabrechnungen zuständig und zahlen alle Mitarbeiter*innen nach der 
Schicht aus. Die betroffene Kollegin beharrte auf dem gesetzlich verbrieften Mindestlohn 
und zahlte bei der nächsten Auszahlung - als Akt der direkten Aktion - die Differenz zum 
Mindestlohn an alle Angestellten direkt aus der Kasse aus. Wie vorgegeben dokumentierten 
sie und die Kollegin dies auf den Abrechnungen. Beide enthielten ihrem Chef also nicht 
vor, dass sie beschlossen hatten, den der Belegschaft zustehenden Mindestlohn auszuzahlen.

Für den Chef war dies der gefundene Anlass der aufsässigen Arbeiterin fristlos zu 
kündigen. Etwas, dass bei einer so langen Anstellung nicht rechtlich ist. Seine Antwort 
auf diesen Einwand: "Dann verklage mich doch". Seine Begründung für die fristlose 
Kündigung: Mit der Entnahme von lächerlich geringen Beträgen aus der Kasse sei das 
Vertrauen zwischen ihm und der Angestellten zerstört. Angesichts des zweistelligen 
Centbetrags pro Stunde, der auch auf der Abrechnung belegt war, und der langen Zeit, 
welche die Mitarbeiterin schon Teil der Belegschaft war, eine absurde Behauptung.
Womit er jedoch anscheinend nicht rechnete: Einige Kolleg_innen der Gekündigten 
solidarisierten sich mit ihr. Der Vorfall brachte bei vielen das Fass zum Überlaufen, denn 
schon vor dem Vorfall war das Verhältnis zum Chef schwierig. So konnte er von der 
Belegschaft nur via Facebook kontaktiert werden, tauchte des öfters betrunken auf der 
Arbeit auf und überwachte einzelne Angestellte auf Schritt und Tritt. Gemeinsam wurde 
beratschlagt zum Chef zu gehen und die Wiedereinstellung der Kollegin zu fordern. Im Falle 
eines Nicht-Einlenkens wollte man kollektiv kündigen. Bei einem Kneipengespräch wurden wir 
auf diesen Plan der Belegschaft aufmerksam und schlugen vor, doch einen gemeinsamen 
Streikposten vor dem Club abzuhalten, um potentielle Gäste über die Forderungen 
aufzuklären und den öffentlichen Druck auf den Chef zu erhöhen.
Das eingeforderte Teamgespräch wurde vom Chef verweigert, er wolle sich nur mit 
Einzelpersonen unterhalten. Unter diesen Umständen setzte die Belegschaft ihren Plan um, 
entschied sich gegen den Streikposten und kündigte - auch aufgrund des schlechten 
Verhältnisses zum Chef - aus Solidarität mit der Entlassenen kollektiv. Dem kamen dann 
auch 11 von 13 Kolleg*innen nach.
Die Gerüchte, die durch die kollektive Kündigung aufkamen, kratzten am Image des Clubs, 
der sich als Reaktion darauf gezwungen fühlte, den Lohn unter der Woche auf das gesetzlich 
vorgeschriebene Niveau (um großzügige 16 Cent aufgerundet) heraufzusetzen. So hatte die 
Solidarität der Angestellten doch noch eine positive Auswirkung - wenn nicht für sie 
selbst, dann zumindest für die neue Belegschaft.
Wir meinen, dass sich aus diesem Arbeitskampf etwas für kommende Auseinandersetzungen 
lernen lässt. Zuerst erscheint die kollektive Kündigung für die Angestellten als ein 
logischer Schritt: Der Chef ist scheiße, die meisten sehen den Job sowieso nur als 
Übergangslösung, und die Kündigung erscheint als naheliegender Akt der Solidarität. Doch 
welcher Schaden entsteht dem Chef denn real und welchen Nutzen bringt die Aktion der 
Belegschaft?
Für den Chef bedeutet die kollektive Kündigung, dass der laufende Betrieb für ein paar 
Tage beeinträchtigt ist und er etwas Zeit in Bewerbungsgespräche investieren muss. Wenn 
wir aber ehrlich sind, ist es in einer Studentenstadt wie Freiburg nicht allzu schwierig 
neue Aushilfskräfte für den Gastro-Bereich zu finden. Der finanzielle Schaden hält sich 
also alles in allem in Grenzen. Nach einer kollektiven Kündigung werden Chefs also mit 
hoher Wahrscheinlichkeit mit ihren bisherigen Geschäftspraxen fortfahren.
Nehmen wir nun mal an, die Belegschaft hätte die Idee den Club zu bestreiken umgesetzt: 
Der Effekt wäre ähnlich wie der einer kollektiven Kündigung. Der laufende Betrieb wäre für 
ein paar Tage beeinträchtigt gewesen. Dazu wäre aber noch ein schwerer Imageschaden dazu 
gekommen. Ein sich selbst als alternativ gerierender Club der nicht einmal den Mindestlohn 
zahlt? Zudem hätte die Möglichkeit bestanden weitere Punkte zu thematisieren, z. B. 
rassistische Äußerungen des Chefs und mehrmalige Anweisungen "Flüchtlinge" nicht in den 
Club zu lassen. Dieser ökonomische und das Ansehen des Clubs betreffende Schaden hätten 
den Chef möglicherweise dazu bewegt die Kollegin wieder einzustellen und an alle 
Arbeiter*innen den Mindestlohn auszuzahlen.
Zudem ist ein Streik eine Möglichkeit, ein politisches Zeichen zu setzen und Mut zu 
machen: Solch eine Aktion einer kämpferischen Belegschaft hätte vielleicht auch andere 
Gastro-Arbeiter*innen motiviert gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen vorzugehen. In 
der Branche gehört miserable Arbeitsverhältnisse nämlich leider oft zur Regel. Wir sehen: 
Der Effekt eines Mini-Streiks wäre wohl um ein vielfaches größer gewesen. Trotzdem hat die 
Belegschaft gezeigt auf was es ankommt: Untereinander solidarisch zu handeln und klare 
Kante gegen die Bosse zu zeigen.

1: Freie Arbeiter*innen Union: Eine anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft.

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