(de) FAU direkte aktion: Mit Direkter Aktion zum Erfolg

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Do Jul 6 08:23:32 CEST 2017


Gerade Gatronomie-Betriebe drücken den Lohn der Beschäftigten. Die betroffenen KelnerInnen 
und KöchInnen wehren sich mit einer solidarischen Gewerkschaft und - direkter Aktion. ---- 
Demo vor dem Betrieb - eine Stunde später gabs den Lohn ---- Berlin Alexanderplatz, 24. 
Oktober 2016: Rund 40 FAU-GewerkschafterInnen versammeln sich mit Fahnen und 
Informationsmaterial in der Fußgängerzone vor dem Restaurant Cancún und rufen lautstark 
"Kein Lohn, keine Ruhe!" und "Cancún, pay your workers!". Viele der Protestierenden haben 
selbst Erfahrung mit Arbeit in der Gastronomie und kommen aus dem Ausland. An diesem Tag 
geht es um Luca, Barmann des Cancún, der mit einem sogenannten Null-Stunden-Vetrag 
beschäftigt und dem Lohn in vierstelliger Höhe vorenthalten wurde. Nach gescheiterten 
Verhandlungen hatte sich die FAU Berlin zur direkten Aktion entschlossen - mit vollem 
Erfolg: Nach nicht einmal einer Stunde Protest lässt die Restaurantleitung einen Umschlag 
mit der fehlenden Summe in bar übergeben.

Es ist einer von acht Arbeitskonflikten, den die FAU Berlin allein im Jahr 2016 in der 
Gastronomiebranche ausgetragen hat, sieben davon erfolgreich und immerhin drei ohne den 
Umweg übers Arbeitsgericht. Auch in anderen Städten konnte die FAU in letzter Zeit Rechte 
für Gastronomie-ArbeiterInnen einfordern und erfolgreich Löhne eintreiben. Die Probleme 
sind überall ähnlich, wie die Lohnspiegel der FAU Hamburg und Dresden zeigen: Die Löhne 
sind beschämend, regelmäßig wird der Mindestlohn unterboten. Nach den Ergebnissen des 
Lohnspiegels der Hamburger FAU erhalten über 80 % der Beschäftigten weder Lohnfortzahlung 
im Krankheitsfall noch bezahlten Urlaub. Rund ein Drittel sieht sich zu unbezahlten Putz- 
oder Bereitschaftsdiensten gezwungen. Häufig gilt: je "familiärer" das Kleinunternehmen, 
desto willkürlicher der Umgang mit den Beschäftigten. Es existieren keine schriftlichen 
Verträge, die Kündigung wird ins Gesicht geschrien, der Lohn wird gedrückt, wo es nur geht.

SYSTEMATISCHER LOHNBETRUG UND PATRIARCHALE WILLKÜR

"In der Gastronomie-Branche arbeiten viele migrantische ArbeiterInnen. Das heißt, 
Sprachbarrieren und fehlendes Wissen um bestehende Rechte machen es den Chefs einfacher, 
ihre Beschäftigten auszubeuten. Und das in einer ohnehin schon prekären Branche", so Jana, 
ehemalige FAU-Sekretärin für gewerkchaftliche Aktivitäten in Berlin. Dass auch in Minijobs 
Anspruch auf Urlaubsentgelt besteht und bei einem mündlichen Vertrag von einer 
unbefristeten Beschäftigung auszugehen ist, bei der Kündigungsfristen einzuhalten sind - 
davon wissen auch viele deutschsprachige KollegInnen nicht. "Wir mussten feststellen, dass 
die Chefs in den Restaurants häufig davon ausgehen, sie könnten machen, was sie wollen. Da 
wird Lohnbetrug schon vorher einkalkuliert", so Jana weiter. Vor Gericht zu gehen sei 
dabei nicht optimal, da bei kleineren Summen die vorgeschriebenen Anwaltsund 
Gerichtskosten oft höher sind. Zudem verstreicht auf diesem Weg sehr viel Zeit, bis das 
Geld tatsächlich bei den Betroffenen ankommt.

Die direkte gewerkschaftliche Aktion wie vorm Cancún am Alexanderplatz ist effektiver. 
Durch direkte Verhandlungen einer Gewerkschaftsdelegation im Büro das Chefs, durch Anrufe, 
Öffentlichkeitsarbeit oder durch Kundgebungen, Blockaden und Streiks lässt sich in kurzer 
Zeit sehr viel erreichen. Unter Umständen kann auch schon ein Schreiben des 
FAU-Sekretariats die Chefs auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Im Falle des veganen 
Restaurants YoyoFoodworld im hippen Berliner Stadtteil Neukölln brachte der Besuch von 
GewerkschafterInnen im gut besuchten Lokal den Chef dazu, seine Schulden bei seinem 
Ex-Beschäftigten zu begleichen. 2014 streikte ein Teil der Belegschaft der Dresdner Kneipe 
"Trotzdem" fast zwei Monate, um gegen unrechtmäßige Kündigung und für bessere 
Arbeitsbedingungen für Kellner zu protestieren, bis die Unternehmensseite schließlich vor 
Gericht nachgab. Und im Fall der Neuköllner Pizzeria Sfi zy Veg gelang es mit einer 
Kombination juristischer und direkter Aktionen, den drei um Lohn und Urlaubsgeld 
geprellten Beschäftigten zu ihrem Recht zu verhelfen.

UNION BUSTING GEHT NACH HINTEN LOS

Ein besonders harter Fall für die FAU wurde 2016 das Restaurant Barist am Hackeschen Markt 
in Berlin. Nach unterschlagenen Leistungen an ein Gewerkschaftsmitglied reagierte das 
Unternehmen der DEVI Gastro GmbH auf die gewerkschaftlichen Forderungen mit einer 
Widerklage auf Schadensersatz und einer einstweiligen Verfügung, die es der FAU Berlin 
u.a. untersagte, den Restaurantnamen zu nennen. Die FAU ließ diesen Versuch des Betriebs, 
gegen kritische Öffentlichkeit vorzugehen und das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit 
einzuschränken, nicht unbeantwortet. Sie organisierte Kundgebungen und setzte alle 
Forderungen schließlich im gerichtlichen Vergleich durch. Das Restaurant und die 
bestehenden Verhältnisse dürfen seitdem wieder beim Namen genannt werden. Gestärkt durch 
diese positiven Erfahrungen steht nun auch in Berlin die Gründung einer eigenen mit der 
FAU föderierten Branchenorganisation an, wie sie mit der Basisgewerkschaft Nahrung und 
Gastronomie  (BNG) in Dresden bereits existiert.

Arbeitgeber, die weiter auf Ausbeutung setzen wollen, sollten die Zeit bis dahin besser 
nutzen, sich mit dem Konzept der Direkten Aktion auseinander zu setzen.

Gastro-Lohnspiegel gibt es bei der FAU Hamburg und der FAU Dresden.

https://www.direkteaktion.org/2017-6/mit-direkter-aktion-zum-erfolg


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