(de) FAU - direkteaktion: Trump. Und nun?

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Mi Jan 11 11:50:13 CET 2017


Die Gewerkschaftsführungen in den USA waren nicht ganz unschuldig am Sieg Trumps. Jetzt 
setzen einige auf Kooperation und andere auf Konfrontation. ---- Die amerikanischen 
Gewerkschaften verlieren an Bedeutung: Von dem Organisationsgrad von 35% in den 50er 
Jahren sind heute noch knapp über 10% übrig. Dennoch nahmen sie nicht nur Anteil, sondern 
auch Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen in den USA. Das zeigten unter anderen die 
Veröffentlichungen von Clintons Emails auf Wikileaks. So bot sich die ---- Trump Tower in 
Chicago ---- Präsidentin der American Federation of Teachers (AFT) an, gegen den linken 
Konkurrenten Hillary Clintons, Bernie Sanders und die ihn unterstützenden Gewerkschaften 
als "attack dog"(Kampfhund) zu fungieren. Der Sozialdemokrat Sanders, der der Black Lives 
Matters Bewegung sowie der 15 $ Mindestlohn Bewegung nahe steht, verlor die Vorwahlen der 
Demokraten gegen Clinton.

Aufs falsche Pferd gesetzt

Die meisten Gewerkschaftsführungen hatten gerade gegen den rechten Demagogen Donald Trump 
auf Stärkung des liberale Zentrums gesetzt, statt konsequent auf die Klasseninteressen 
ihrer Mitglieder. Doch dieses Kalkül ging nicht auf. Auch im Umfeld der Gewerkschaften 
wendeten sich die Leute ab. Während 2012 noch 58% der WählerInnen in 
Gewerkschaftshaushalten für Barack Obama stimmten, fielen 2016 aus der selben Wählergruppe 
nur noch 51% auf die demokratische Kandidatin. Enttäuschung darüber, nicht Sanders wählen 
zu können, allgemeines Misstrauen gegenüber Clinton als Teil des "Establishments" oder 
Trumps leere Versprechungen Jobs zu schaffen, wo in den letzten 20 Jahren die Industrie 
massiv abgebaut wurde: Was die Leute im Einzelnen zu ihrer Wahlentscheidung motivierte 
bleibt offen. Am 8. November gewann Trump im Vergleich zu seinem republikanischen 
Vorgänger auch massiv Stimmen aus den Reihen der weißen Arbeiterklasse.

Wie geht es weiter mit einem amerikanischen Präsidenten der seine Menschenfeindlichkeit 
gar nicht versteckt, dem die Löhne in den USA zu hoch sind und der die Rechte von 
Gewerkschaften beschränken will? Der Chef des Gewerkschaftsverbandes American Federation 
of Labor (AFL-CIO), Richard Trumka, der zuvor auch Clinton unterstützte, bot Trump nun 
Zusammenarbeit gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA an,welches für den 
rigorosen Industrieabbau verantwortlich gemacht wird. Sanders tut es ihm gleich. Sie 
wollen Trump auf seine Versprechungen gegenüber der Arbeiterklasse festnageln. Dass sich 
der Kapitalist Trump dazu bewegen lässt, ist zu bezweifeln.

Keine Anbiederung ans Establishment

Doch nicht überall erwartet man Hilfe vom höchsten Amt im Staat: "Neoliberalismus heißt 
Freihandel, Deregulierung, Privatisierung und Abbau der sozialen Absicherung und das wurde 
von republikanischen Regierungen seit Reagen und von demokratischen Regierungen seit Bill 
Clinton aggressiv vorangetrieben.", schreibt das Nationalbüro der Basisgewerkschaft United 
Electrical Workers (UE), die sich nicht geschlagen geben will. Die 35.000 Mitglieder 
starke UE hatte auf Sanders gesetzt und kritisieren Trumps Sexismus, Homophobie, sowie 
seine Kampagne, die Mexikaner und Muslime zu Sündenböcken macht: "Unsere Antwort muss 
weiterhin eine aggressive Zurückweisung von allen Formen von Fanatismus und Spaltung 
allerorts sein, wobei wir jeden Angriff auf die Menschen- und Bürgerrechte der kommenden 
Regierung bekämpfen werden.[...]Im Angesicht der Spaltungsversuche der Bosse können wir 
nur auf unsere Solidarität zurückgreifen, und die ist jetzt nötiger als jemals zuvor."

Trotz allem eine Chance?

Die UE sieht Trump jedoch auch als Bezwinger beider Parteien in den USA, weil er als 
Kritiker des neoliberalen Establishments auftrat und dafür auch häufig gewählt wurde. In 
diesem Bedürfnis der Wähler wittern sie die Chance für die Arbeiterbewegung und andere 
fortschrittliche Kräfte, die jetzt durch "Organisation einer Graswurzelbewegungen, einer 
demokratischen Basisbewegungen, größer und stärker als in der Kampagne von Bernie 
Sanders", Lösungen gegen gesellschaftliche Ungleichheit anbieten soll.

Sie wollen ihre Gewerkschaft als Verbündeten anderer linker Basisbewegungen sehen. Breite 
Vernetzung heißt das Zauberwort und härter kämpfen als je zuvor. Denn von oben hat man wie 
immer nichts zu erwarten.

Nepomuk Diener

https://www.direkteaktion.org/da02.2017/trump.-und-nun


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