(de) fda-ifa: 8. März: Auf zum Frauen*knast in Chemnitz! von wm

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So Feb 19 08:15:10 CET 2017


Was machen wir so am diesjährigen Feministischen Kampftag? ---- Wir gehen zum Chemnitzer 
Frauen*knast, zusammen mit Genoss_innen der Gefangenen-Gewerkschaft GG/BO - Soligruppe 
Jena. In eben diesem Chemnitzer Gefängnis hat sich vor kurzem eine Sektion der GG/BO 
gegründet, was wir sehr begrüßen. Die gefangenen Mitglieder der Sektion sind 
Mitorganisator_innen der Demo. Wir demonstrieren gemeinsam für den gesetzlichen 
Mindestlohn für die Inhaftierten, volle Einbeziehung in die Sozialversicherungen und 
komplette Gewerkschaftsfreiheit auch hinter Gittern. ---- Wir als Dresdner FAU fügen 
hinzu: Das ist wohl das Mindeste. Darüber hinaus gehören langfristig Knäste überwunden, 
die durch gewaltsames Wegsperren von Menschen und deren krasse ökonomische Ausbeutung vor 
allem dazu dienen, die bestehende Gesellschaftsform zu befestigen. (‚Warum der Knast 
scheiße ist‚)

Es ist an uns, Alternativen zum herrschenden Knastsystem (z.B. Ansätze, gemeinschaftlich 
verantwortlich mit Gewalt umzugehen) zu diskutieren und zu erproben. Solange aber Menschen 
in Knäste gesteckt werden, müssen wenigstens grundlegende Rechte eingeklagt werden.

Warum diese Demo am Feministischen Kampftag? Weil der 8. März nicht nur dazu da ist, sich 
über Gleichstellungserfolge zu freuen oder Frauenquoten in Aufsichtsräten zu fordern. Weil 
die Situationen der Gefangenen auf verschiedene Weisen mit patriarchaler Gewalt 
zusammenhängen (siehe Aufruf). Weil Blumen schön sind, aber eben nicht reichen. Weil die 
Gefangenen vermutlich nicht mal die kriegen. Weil der 8.März ein feministischer Kampftag 
ist, an dem es um alle geht.
Wir kämpfen für ein Ende der Gewalt gegen Frauen* und Queers - egal auf welcher Seite der 
Gitterstäbe. Bis diese Gitterstäbe endlich überwunden sind.
https://cistemfailure.bandcamp.com/track/tear-apart-the-walls

Schließt euch gern an. Zur gemeinsamen Anreise gibt es einen Zugtreffpunkt:
13:30 Hauptbahnhof, Eingang Wiener Platz/Nordseite (zum Gruppentickets kaufen, also seid 
bitte pünktlich)

Ans Herz legen möchten wir euch weiterhin den Aufruf zum Internationalen Frauen*Streik.
Bis im deutschsprachigen Bereich eine kritische Masse für so etwas zustande kommt, müssen 
wir uns noch ordentlich ranhalten mit der feministisch-gewerkschaftlich Organisierung. Die 
Demo in Chemnitz ist auch als Beitrag dazu zu verstehen.

Wenn ihr nicht kommen könnt, aber den Inhaftierten oder den Demoteilnehmer_innen was sagen 
wollt, können wir gern Grußworte übermitteln.

Hier folgt nun der Aufruf aus Jena/Chemnitz - sehr lesenswert!
______________

Solidarität mit den inhaftierten Frauen* und Gewerkschafterinnen!
Frauen*kampftags-Demo der Gefangenengewerkschaft zum Frauen*knast von Chemnitz

Am achten März, dem "Internationalen Frauentag" wird alljährlich dazu aufgerufen, Frauen 
Blumen zu schenken. An unsere inhaftierten Kolleginnen und Genossinnen denkt dabei keiner. 
Wir wollen aber auch gar nicht, dass man ihnen Blumen schenkt, sondern wir wollen den 
gesetzlichen Mindestlohn für die Inhaftierten, volle Einbeziehung in die 
Sozialversicherungen und komplette Gewerkschaftsfreiheit auch hinter Gittern sowie ein 
Ende der Gewalt gegen Frauen*!
Diese Anliegen werden wir am Frauenkampftag in Chemnitz auf die Straße tragen. Wir werden 
vom Hauptbahnhof zur JVA Chemnitz ziehen und damit unsere Solidarität mit der 
frischgegründeten GG/BO-Sektion in der Frauen*haftanstalt zum Ausdruck bringen.

Gewerkschaftlicher Kampf hinter Gittern

Seit Mai 2014 organisieren sich Gefangene in der Gefangenengewerkschaft. Was in der JVA 
Tegel versuchsweise begann, weitete sich schnell in Haftanstalten in der ganzen Republik 
und wenig später auch in Österreich aus. Die Mehrheit der Mitglieder sind Männer. Das 
liegt unter anderem daran, dass der Großteil der Inhaftierten männlich ist. Doch schon im 
Juli 2015 gründete sich in der Frauenhaftanstalt Willich II die erste GG/BO Sektion in 
einem Frauenknast und nun ist Chemnitz dazugekommen.
Die heutige JVA für Frauen Chemnitz wurde 1969 in Plattenbauweise am Stadtrand von 
Chemnitz errichtet. Als 2001 der DDR-Frauenknast Stollberg geschlossen wurde, wurden die 
Frauen in die JVA Chemnitz verlegt. Heute werden über 250 Frauen aus Thüringen und Sachsen 
hier festgehalten. Davon entfallen 14 Haftplätze auf den Jugendarrest und 5 auf die 
Mutter-Kind-Station. Bis zum Alter von drei können inhaftierte Frauen ihre Kinder mit in 
die JVA nehmen. In der Regel gibt es auf der Mutter-Kind-Stationen zu wenig Plätze, um den 
Bedarf zu decken. Die Arbeitssituation der weiblichen Inhaftierten unterscheidet sich nur 
unwesentlich von der ihrer männlichen Kollegen. Wie in allen JVAs werden auch die Frauen 
in Chemnitz unter einem Zwangsarbeitsregime zu Löhnen von ca. 1 bis 2 Euro die Stunde ohne 
Sozialversicherungszahlungen in anstaltseigenen und externen Unternehmerbetrieben ausgebeutet.
Eine Kollegin von drinnen schreibt dazu: "Ne Menge Baustellen gibt's natürlich immer noch. 
Was mir persönlich ein Dorn im Auge ist, sind natürlich die Personalprobleme und der damit 
verbundene Einschluss, dann die Bestrafungsaktionen bei Nichtarbeit. Hab selbst gerade 
Fasching[Streß]wegen Betriebswechsel. Es gibt aber auch Mädels, denen geht's noch nicht 
gut. Die werdeneinfach ner Arbeit zugewiesen und wenn se nicht gehen, gibt's kein 
Taschengeld, Einschluss usw." In vielen Betrieben ist die Arbeitsbelastung so hoch, dass 
die Gesundheit der Frauen erheblich darunter leidet: "Die Arbeitsbedingungen sind halt 
echt krass, weil sie IMMER NOCH der Norm der Männer, die seit 2008 nicht mehr da sind, 
angepasst sind. Hab das damals in dem Betrieb, wo es echt keine leichte Arbeit ist, schon 
etwas drosseln können, aber ist immer noch ne heftige Anforderung. Ich hatte 7 
Sehnenscheidenentzündungen + Bandscheibenvorfall dadurch. Da weißte, was geht. 
Komplettierung ist auch heftiger Zeitstress. War da bis vor 2 Wochen: ganzen Tag stehen 
und ja keine Sekunde nachhängen. Hab och gewechselt deshalb."

Stoppen wir die Gewalt gegen Frauen*!

Gerade die inhaftierten Frauen in Chemnitz und anderswo haben schlimme Gewalterfahrungen 
gemacht. Eine Kollegin von drinnen schrieb zu unserer "Schnapsidee", in Chemnitz eine Demo 
zu machen: "Finde deine "Schnapsidee" gar nicht so schnapsig. Im Gegenteil, war regelrecht 
baff über so ne Idee. Gerade an einem Ort wie hier, wo viele Frauen aufeinandertreffen und 
sich viel erzählen, weil sie zum ersten Mal ohne Angst reden können, merkt man eigentlich, 
wie allgegenwärtig diese Themen wie häusliche Gewalt, Verstümmelungen, Vergewaltigungen, 
alleinige Kindererziehung usw. sind. Ich denke aber auch, dass es ein sehr schwieriges 
Thema ist. Weißte, ich hab auch schon so oft bis zur Notaufnahme in die Fresse bekommen 
und erst im Knast mitbekommen, wie Vielen es eigentlich genauso geht, aber dagegen 
vorgegangen bin ich nie! Ich denke, dass - egal in welchen Fällen - die Angst da 
überwiegt. Hab mich heute lange aufm Hof mit einer unterhalten. Sie findet so eine Idee 
auch echt ne mega gute Sache. Sich hier drin zusammenzuschließen ist aber eine Sache. Was 
ist aber draußen? Viele müssen zu ihren Typen zurück und haben von niemandem Rückhalt und 
haben halt Angst, dass, wenn sie rauskommen und so'n Typ erfährt, dass sie in Haft den 
Mund aufgemacht haben, sie dann gleich wieder alles ausbaden müssen. Aus eigener Erfahrung 
weiß ich, dass Frauenhäuser, Polizei, die auch nur ein Annäherungsverbot aussprechen, oder 
andere Einrichtungen keine wirkliche Lösung sind und man alles andere als sicher ist, wenn 
man überhaupt bis dahin kommt. Du siehst, es ist ein schwieriges Thema. Wenn wir uns hier 
zusammentun zwecks Arbeitsbedigungen und allgemeine Haftverbesserung sind da echt viele 
dabei, aber ich denke, das sind zwei ganz gravierende Baustellen. Persönlich sehe ich 
deine Idee positiv, weil man ja gerade, wenn man sieht "hey, da gehen welche extra auf die 
Straße, die sich für solche Dinge stark machen" man vielleicht auch Mut schöpft und sagt 
"Ich will das nicht nochmal!""
Bei den Frauen* in der JVA Chemnitz verschränken sich die ökonomische Ausbeutung von und 
männliche Gewalt gegen Frauen*. Auch bei uns in der BRD werden vor allem Menschen aus der 
Unterschicht und den ärmsten Teilen der Arbeiter_innenklasse im gefängnis-industriellen 
Komplex festgehalten und ausgebeutet. Das trifft auch auf die Frauen* in der JVA Chemnitz 
zu. Aufgrund dieser Klassenlage sind sie ökonomisch oft in besonders hohem Maße von ihren 
Partnern abhängig und damit der männlichen Gewalt ausgeliefert. Viele Frauen müssen nach 
dem Knastaufenthalt zu denselben Männern zurück, die sie schlagen, misshandeln und 
erniedrigen. Wie die Kollegin schreibt, ist der Staat nicht in der Lage, den betroffenen 
Frauen wirklich zu helfen. Deswegen ist es wichtig, selbstorganisierte und autonome 
Strukturen und Netzwerke aufzubauen, in denen Betroffene Unterstützung finden und 
gemeinsam für die Verbesserung ihrer Lage kämpfen können. Die Gefangenengewerkschaft ist 
eine solche Organisation, vor allem in Bezug auf die Arbeits- und Haftbedingungen. Darüber 
hinaus freuen wir uns über Zusammenarbeit mit und Unterstützung von feministischen Gruppen 
und können zwischen ihnen und drinnen vermitteln.

Unterstützen wir queere Menschen im Widerstand gegen den Knast

Das Gefängnis ist ein Ort strengster Geschlechtertrennung. Menschen, die nicht in die 
starre Geschlechterordnung von Mann und Frau passen, z.B. queere¹,Trans-² und 
Interpersonen³, haben keine Wahl, in welchen Knast sie gesteckt werden, sondern werden je 
nach dem Geschlecht im Personalausweis zugeteilt. Dort werden sie oft diskriminiert und 
sind nicht selten besonderer Gewalt ausgesetzt. So werden beispielsweise Trans-Frauen in 
den Männerknast gesteckt und müssen dort gegen die Trans-Feindschaft und Übergriffe der 
Wärter und Mithäftlinge ankämpfen. Das betrifft z.B. die Gefangenen Kara Wild in 
Frankreich, Tolga Erkusan, Mahmut Yavuz und Esra Arikan in der Türkei, Marius Mason, 
Niara, Chelsea Manning und Ky Peterson in den USA.

Kommt Alle am 8. März nach Chemnitz!
Beginn der Kundgebung am 8. März 2017 um 15:00 Uhr am Hauptbahnhof Chemnitz!

In Solidarität!
Nancy Rheinländer, GG/BO-Sprecherin der JVA Chemnitz
GG/BO-Soligruppe Jena

* mit dem Sternchen soll sowohl darauf hingewiesen werden, dass Frauen nicht als Frauen 
geboren, sondern dazu gemacht werden als auch dass sich verschiedenste Menschen als Frau 
begreifen und/oder als solche behandelt werden, z.B. Trans-Frauen, Inter-Personen und andere.
¹ queer ist eine Sammelbezeichnung für alle Menschen, die nicht in das klassische 
Mann-Frau-Schema passen, u.a. Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans- und Interpersonen.
² Trans sind Menschen, die sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, als ihnen bei 
der Geburt zugeordnet wurde.
³ Interpersonen sind Menschen, die nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden 
können, also z.B. anatomische Merkmale beider anerkannter Geschlechter aufweisen. Sie 
werden oft noch als Säuglinge zwangsoperiert, um sie klar einem Geschlecht zuordnen zu 
können, und dabei verstümmelt.

https://fda-ifa.org/8-maerz-auf-zum-frauenknast-in-chemnitz/


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