(de) fau: Kampagne der IP: "Es lohnt sich nicht ein Streikbrecher zu sein!"

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Fr Feb 10 19:27:38 CET 2017


Unter diesem Slogan hat die "ArbeiterInnen-Initiative" (IP), eine anarchosyndikalistische 
Gewerkschaft aus Polen, zur Solidarität mit den Streikenden der Gastro-Branche in 
Deutschland aufgerufen. Angesichts der jüngsten Warnstreiks in der deutschen Gastronomie 
versuchen die Starbucks-Chefs, die ArbeiterInnen polnischer Cafés zu rekrutieren. Die 
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kämpft seit Oktober 2016 um eine 
Lohnerhöhung. ---- Updates: NGG verurteilt Aufruf zum Streikbruch | Bundesverband der 
Systemgastronomie macht Angebot: In der untersten Tarifgruppe 3ct/Stunde über dem 
Mindestlohn! | Proteste gegen Starbucks in Poznan und Warschau | Starbucks-Betreiberfirma 
AmRest macht Rückzieher: "Wir werden keine Schritte zur Umsetzung[des 
Zeitarbeitsangebots]unternehmen" (Artikel auf polnisch)

Mehr als Mindestlohn

Seit Oktober letzten Jahres führt die NGG Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband der 
Systemgastronomie. Die Verhandlungen sind Ende Januar 2017 das dritte Mal gescheitert und 
haben die erste Welle von Warnstreiks ausgelöst. Die NGG fordert u.a. für die 
Beschäftigten von McDonald's, Burger King, Pizza Hut und Starbucks 6% Lohnerhöhung und hat 
für die kommenden Wochen viele weitere Warnstreiks und Aktionen geplant. Derweil suchen 
die Starbucks-Chefs Ersatz-Arbeitskräfte aus Polen.

"Flexible Unterstützung" gesucht

In einem Brief an die ArbeiterInnen schreibt die Starbucks-Geschäftsleitung, sie 
respektiere das Demonstrationsrecht, dass aber angesichts der laufenden Proteste in 
Deutschland "eine Unterstützung in Deutschland gebraucht wird, um der Kundschaft eine 
Weltklasse Bedienung in jedem Moment und in jedem Café zu gewährleisten". Gesucht wird für 
alle Positionen von Barista bis Store Manager (SM) - vor allem diejenigen, die "mit ihren 
Grund-Deutschkenntnissen, dem gültigen EU-Pass und Flexibilität" andere "Cafés 
unterstützen möchten". Man kann nicht sagen, wann "die Unterstützung" gebraucht wird und 
wie lange diese Dienstreise voraussichtlich dauern wird (1 bis 4 Tage). Daher muss man 
flexibel sein und vielleicht schon am nächsten Tag bereit sein, nach Deutschland, Richtung 
Berlin und Ruhrgebiet (Essen, Duisburg, Oberhausen) zu fahren. Dafür sollen die flexiblen 
UnterstützerInnen aus Polen 8,84 € pro Stunde und Tagegeld für die Dienstreise bekommen. 
Die Reisekosten und Unterbringung soll von den "deutschen Partnern" bezahlt und 
organisiert werden.

In der Gastro-Branche nichts Neues

"Für die ArbeiterInnen aus Polen könnte das Starbucks-Angebot - im Vergleich zu den 
Vergütungen in der Gastro-Branche in Polen - attraktiv klingen, wird sich aber negativ auf 
die Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen der ganzen Starbucks-Kette auswirken" - 
appelliert die ArbeiterInnen-Initiative (IP), die seit 2016 ArbeiterInnen aus der 
Gastro-Branche in Polen organisiert. Um dies deutlicher zu machen, stellt die IP folgenden 
Vergleich auf: Während man für 1 Stunde Arbeit bei Starbucks in Polen 0,9 Café Latte 
erhält, sind es in Deutschland schon 3 Café Latte.

Aber niedrige Löhne sind nicht das einzige Problem dieser Branche in Polen. Zu den anderen 
Hauptproblemen zählen prekäre Beschäftigung, lange Arbeitszeiten, fehlende Zuschläge für 
Überstunden und kein bezahlter Urlaub. Es ist keine Überraschung, dass die deutschen Löhne 
und Arbeitsbedingungen im Vergleich zu den polnischen deutlich besser scheinen. Aber es 
geht nicht nur um Löhne, Arbeitszeiten, Gesundheits- und Sozialbedingungen, wie die IP 
erinnert. Ohne Solidarität unter ArbeiterInnen, auch auf internationaler Ebene, 
profitieren am Ende nur die Chefs.

Solidarität und gewerkschaftliche Organisierung

Deshalb appelliert die IP an alle Starbucks-ArbeiterInnen, solidarisch mit ihren deutschen 
KollegInnen zu bleiben und das Angebot von Starbucks nicht anzunehmen. Auf ihrer Webseite 
hat die IP angekündigt, mit Hilfe von Flugblättern die ArbeiterInnen der Café-Kette über 
die Proteste in Deutschland zu informieren, zur Solidarität mit ihren streikenden 
KollegInnen in Deutschland aufzurufen und sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Gastro ist prekäre Zone - Organisierung tut not!

Eine bessere gewerkschaftliche Organisierung ist auch in der deutschen Gastronomie 
besonders wichtig, da gerade in den vielen Kleinbetrieben die arbeitsrechtlichen 
Mindeststandards oft unterlaufen, z.B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlter 
Urlaub oder auch ein Teil des rechtmäßigen Lohnes vorenthalten werden. In vielen 
Arbeitskämpfen in der Gastronomie geht es um unzulässige Kündigungen, ausstehenden Lohn 
und Urlaubsentgelt sowie unbezahlte Probearbeit. Da lohnt sich die Mitgliedschaft in der 
Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU)! Gemeinsam kann man Lohnnachforderungen und 
auch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in gastronomischen Betrieben durchsetzen, wie 
es die letzten erfolgreichen Arbeitskämpfe der FAU-Syndikate in Berlin, Dresden, Kiel und 
Hannover gezeigt haben.

http://www.fau.org/artikel/art_170204-195758


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