(de) anarchosyndikalismus: Britische Bahnarbeiter*innen im Streik

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Mi Feb 1 14:36:54 CET 2017


Die Solidarity Federation (SF-IAA) aus Brighton solidarisiert sich ein einer  Erklärung 
mit dem aktuellen Streik bei bei der Eisenbahn. Mit Teilnahme an Streikposten und der 
Organisierung eines Solidaritätskonzertes hat die britische Basisgewerkschaft den 
Arbeitskampf der Zugbegleiter*innen und Lokführer*innen praktisch unterstützt - jenseits 
von Branchen- und Organisationszugehörigkeit. ---- Der Ausstand bei der Eisenbahn, der von 
den zentralistischen Gewerkschaften RMT und ASLEF organisiert wird, gilt bereits als der 
größte seit Jahrzehnten. Doch es geht nicht nur darum, wer auf die Knöpfchen dücken darf, 
sondern die Zugbegleiter*innen sollen abgeschafft werden. Die Lokführer*innen sollen 
anstatt eine Minipause von 40 Sekunden in jedem Bahnhof zu machen, auch noch zusätzlich 
die Fahrkarten der einsteigenden Fahrgäste kontrollieren. Das wird sich vor allem auf die 
Fahrsicherheit in dem ohnehin stressigen Beruf auswirken. Auch über mangelnde visuelle 
Kontrolle beschweren sich die Streikenden beim Arbeitgeber GTR (Govia Thameslink Railway).

Das Unternehmen hatte die privatisierten Linien Gatwick Express, Great Northern, Southern 
und Thameslink aufgekauft und möchte nun die Arbeits- und Servicebedingungen massiv 
verschlechtern. Angesichts des jüngsten Zugunglücks in Watford steht jedoch die dringend 
benötigte Arbeit der Zugbegleiter*innen als ausgebildete Notfallhelfer*innen in den 
überfüllten Zügen außer Frage.

Auch sind die Fahrgäste mit Behinderungen von den Sparplänen des Unternehmen direkt 
betroffen, denn sie bekommen keine Garantie mehr für Hilfe beim Umsteigen, wenn sie dies 
nicht 24 Stunden im Voraus gebucht haben. Und auch jene, die sich während der Fahrt 
ungeschützt fühlen, haben dann auch keine Ansprechperson im Zugabteil mehr.

Doch anstatt auf die konkreten Forderungen einzugehen, werden die Bahnarbeiter*innen nun 
in der Öffentlichkeit als modernisierungsfeindlich dargestellt. Klar gibt es Züge, bei 
denen nur eine Person an Bord ist, zum Beispiel Straßenbahnen oder Frachtzüge. Doch die 
nun geplanten Personaleinsparungen bei GTR sind rein gewinnorientiert und haben nichts mit 
einer sinnvollen Weiterentwicklung in der Transportbranche zu tun.

Auf Kosten der Allgemeinheit sollen die Aktienanteile des Bahnunternehmens steigen und die 
Arbeitsleistung für die Kolleg*innen erhöht werden - bei gleichzeitiger Verschlechterung 
von Service und Fahrsicherheit. Lohnausgaben sollen gekürzt und Arbeitsplätze eingespart 
werden. Dabei hat die Firma eine Sonderstellung auf dem Markt, da sie über Verträge mit 
der Regierung Geld dafür bekommen, die ehemaligen Staatsbahnen zu betreiben, während die 
Fahrkarteneinnahmen zurück an den Staat gehen.

Daher hat GTR überhaupt kein wirtschaftliches Interesse daran, dass der Bahnbetrieb sicher 
und ohne Verspätungen funktioniert, denn die öffentlichen Gelder für die Aufrechterhaltung 
der Zugverbindungen stecken sie in die eigenen Taschen, ohne ernsthaft etwas in die 
Infrastruktur zu investieren.

Nachdem die Gewerkschaften sich bereits im September auf eine vertragliche Regelung 
geeinigt hatten, wurde der Tarifabschluss von der Regierung verhindert. Außerdem haben sie 
das Gefühl, dass GTR nicht wirklich mit ihnen verhandeln würde, sondern einfach versucht 
die Unternehmenspläne durchzusetzen. Daher haben nun die Streikenden ihren Arbeitskampf 
etwas kämpferischer gestaltet, um die Arbeitgeber*innen mittels direkten Aktionen zu 
Zugeständnissen zu bewegen.

Und dabei geht es nicht nur um ihre Interessen als Berufsgruppe, es geht auch um 
Solidarität unter Arbeiter*innen, aber auch um die berechtigten Interessen der 
Allgemeinheit, die dieser Ausstand durchzusetzen versucht. Dass das weder der Regierung, 
noch den Kapitaleigentümer*innen recht ist, sollte Mut machen zum Weiterkämpfen.

Ältere Berichte zu Arbeitskämpfen von Bahnarbeiter*innen:

"Köln: Solidarität mit dem Bahnstreik der GDL" (2015)

"Bulgarien: Proteste gegen die Bahnreform" (2015)

CreativeCommons (BY-NC): anarchosyndikalismus.blogsport.de

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2017/01/26/britische-bahnarbeiterinnen-im-streik/


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