(de) Gai Dao #84 - Ströme nach Downtown Von: RalfBurnick

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Sa Dez 23 09:12:55 CET 2017


Vielleicht ist es der Raum zwischen Ja und Nein, in dem sich die Geräusche versammeln, als 
träten sie zu einer Abstimmung zusammen, auch die von den Straßen umgerührten Stimmen, die 
sich rasch in einen Strom verwandeln. Die Fenster lassen vieles offen, bleiben 
zurückhaltend gegenüber auftrumpfenden Sichtweisen, doch später werden die Bewegungen 
schneller, dann feuert ein Mittag die Imbissbuden & Marktplätze an, nun wird es warm. 
Hinter Kaufhäusern verglüht der Schwarm, lassen sich Raucher nieder, drücken ihre Glut 
aus. ---- Ist die Menschheit ein Schwarm, was sind dann Worte, was sind dann Hoffnungen? 
»Kleine Fische«, sagst du, »Kleinlaute im großen Klangkörper, der die Menschheit ist«, als 
gäbe es kein geschichtliches Gefälle von Tönen. Doch hör mal hin: Kaum werfen Neonröhren 
ihr gezinktes Licht in den Tag, fallen andere Worte. Einweisungen, Ausweisungen, dann 
herrscht ein rauerer Ton. Also: Was ist der Mensch? Gesellschaft, Gruppierung, seine
Schwärmereien und Wiederholungen. Was ist der Mensch: WIR oder WER?
Ja, lass es rauschen, knacken, reißen, lass es knirschen im Pulk. Lass es
knarren, bis sich Bewegungen nicht mehr gleichen.

Ist der Mensch ein Strom nachwachsenden Gehorsams? Allenthalben
wachsen Antworten heran, indem sie andere nachahmen. Ist das Komfort
oder Nötigung? Ist der Mensch mehr als die Atmung hinter den Antworten?
Immerhin: Manche Fragen bleiben, sind nicht auf Durchreise, einige
Begegnungen durchbrechen den Kreis und geben nicht nach. Dafür möchte
ich danken. Ich danke den Begegnungen für die hingewürfelten
Verschiedenheiten und jedem Satz, der zwischen ihnen einen Becher Licht
ausgeschüttet hat. Darauf will ich anstoßen mit einer Atempause, ja komm
her, die Erinnerungen gehen aufs Haus.


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