(de) fda-ifa: Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen - Nicht eine Mehr von LiLa[F]

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Fr Dez 1 08:05:34 CET 2017


Am 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Während Gewalt gegen 
Frauen und Femizide in vielen Ländern, z.B. Argentinien, Mexico oder Italien ein Thema 
ist, dass seit Jahren durch Großdemonstrationen und Frauen- und 
Menschenrechtsaktivist*innen den öffentlichen Diskurs bestimmt, ist das Thema in der 
deutschen Öffentlichkeit kaum präsent. ---- Dabei kam eine Studie vom über 
partnerschaftliche Gewalt zu erschreckenden Ergebnissen. Bei partnerschaftlicher Gewalt 
sind die Betroffenen zu 82% Frauen, fast die Hälfte von ihnen (49%) lebte zum Tatzeitpunkt 
mit dem Täter zusammen. Die Gewalt findet oft in den eigenen vier Wänden statt, also dort, 
wo man sich besonders sicher und geschützt fühlen sollte. ---- Im Jahr 2015 wurden 311 
Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern versucht oder tatsächlich umgebracht. Doch 
schon diese erschreckende Zahl bildet bei weitem nicht die tatsächliche Sachlage ab. Die 
Erhebung berichtet nur von partnerschaftlicher Gewalt. Aber weshalb starben die Frauen, 
die nicht in der Statistik auftauchen, weil der Mörder nicht der (Ex-)Partner war? Und wie 
viele Frauen entkamen aus eigener Kraft oder aus Glück dem gewaltsamem Tod durch einen 
Mann? Und wie verliefen die Gerichtsprozesse?

Was fehlt ist eine umfassende Erhebung über Femizide, also über Morde, die an Frauen 
geschehen, weil sie Frauen sind.

Das Konzept der Femizide wurde zuerst von der mexikanischen Frauenbewegung aufgegriffen. 
Die Frauen wollten deutlich machen, wie erschütternd groß der Anteil ermordeter Frauen in 
den scheinbar geschlechtsneutralen Hominiziden (Ermordungen von Menschen) tatsächlich war. 
Dies kam aus der Erfahrung, dass fast jede dieser Frauen eine Freundin, Mutter, Tochter 
oder Bekannte durch Femizid verloren hatten. Auch wollten sie die systematische Gewalt 
gegen Frauen und die weitestgehende Straffreiheit der Täter deutlich machen. Das Konzept 
und der Kampf gegen Femizide hat sich in Lateinamerika verbreitet und kommt langsam auch 
in Europa an. In einigen Ländern ist Femizid mittlerweile ein eigener Straftatbestand und 
wird in Kriminalstatistiken gesondert erfasst.

Doch Gesetze allein schützen niemanden. Es braucht ein breites Bewusstsein in der 
Gesellschaft und den Medien. Denn nach wie vor schreibt die Presse von 
"Eifersuchtsdramen", "Familientragödien" oder "Ehrenmorden" und verschleiert damit die 
bittere Realität. Denn die Frauen sterben nicht, weil sie sich falsch verhalten hätten. 
Sie sterben aufgrund ihrer Stellung als Frauen in dieser Gesellschaft. Die alltägliche 
Gewalt gegen Frauen bildet die Grundlage für diese Morde. Es sind Morde an Frauen. 
Frauenmorde.

Und jede ermordete Frau ist ein Angriff auf uns! Auf die Teilhabe an Frauen an dieser 
Gesellschaft, auf Gleichberechtigung und auf Glück.

Wir werden nicht eine weitere ermordete Frau akzeptieren! Nicht eine mehr! Ni una menos!

https://fda-ifa.org/zum-internationalen-tag-gegen-gewalt-an-frauen-nicht-eine-mehr/


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