(de) fda-ifa: Bericht ueber die 3. Libertaeren Wochen in Koeln von Anarchistisches Forum Köln

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Do Aug 24 06:33:32 CEST 2017


Im Mai und Juni 2017 fand zum dritten Mal die Veranstaltungsreihe "Libertare Wochen" in 
Koln statt, zu denen das Anarchistische Forum als Veranstalter*in eingeladen hatte. Im 
Gegensatz zu den vorherigen Terminen war das Allgemeine Syndikat der FAU-IAA nicht mehr 
dabei, da es sich bereits Ende 2016 aufgelost hat. Auch keine andere Gruppe, die angefragt 
wurde, sah sich in der Lage einen eigenen Beitrag zu leisten. Aber gemeinsam mit dem 
Autonomen Knastprojekt und dem Anarchosyndikalistischen Netzwerk (ASN Koln) konnte im Mai 
und Juni auf 13 Veranstaltungen eine bunte Themenvielfalt geboten werden. ---- Es ging los 
mit dem Ersten Mai, an dem wir einen Infostand auf dem DGB-Straßenfest am Heumarkt 
aufgebaut hatten, der auch von zahlreichen Leuten besucht und als Treffpunkt genutzt 
wurde. Nachdem die Bundnis-Demonstration unter Fuhrung der reformistischen Gewerkschaften 
auf dem Heumarkt angekommen war, wurde es trotz Regen und nerviger Ansprachen der 
Funktionar*innen bis zum fruhen Abend recht eng auf dem Platz. Gleichzeitig fand in Bonn 
eine anarchistische Demo statt (siehe auch folgenden Bericht des ASN) Der Vortrag "Arbeit 
macht krank? Gemeinsam gegen Stress und Diskriminierung", der vom Anarchosyndikalistischen 
Netzwerk organisiert wurde, fand wie fast alle anderen Termine im Autonomen Zentrum statt 
und war mit einem Dutzend diskussionsfreudiger Teilnehmer*innen recht gut besucht.

Noch mehr Leute kamen aber zum jahrlichen AZ-Geburtstagsfest, in dessen Rahmen wir den 
Film "Projekt A - Eine Reise zu anarchistischen Projekten" in einem uberfullten 
Plenumsraum gezeigt hatten, so dass wir leider einige Interessierte nicht mehr hinein- 
lassen konnten. Im krassen Gegensatz dazu stand - bezeichnend fur das inhaltiche 
Deinteresse an dem Thema - unser Vortrag "Anti-Knast-Arbeit und Transformative Hilfe". Da 
nur eine Person gekommen war, entschlossen wir uns im Innenhof des AZ einen gemutlichen 
Workshop mit Diskussion zu improvisieren, was dann aber noch bis die Nacht hinein zu 
anregenden Gesprachen fuhrte. Ahnlich verhielt es sich erstaunlicherweise im Fall der 
Diskussion "Welche Solidaritat mit Kurdistan und Syrien?", an der immerhin zwei 
Interessierte kamen und gemeinsam mit den Veranstalter*innen die aktuelle Lage rund um den 
Rojava-Aufstand zur Sprache brachten.

Weitere Filme, die wir vorgefuhrt haben, gingen uber die Kollektivierungen in der 
Spanischen Revolution (1936-‘39), zur Geschichte der Anarchie und uber Klimakampfe im 
Hambacher Forst. Diese Veranstaltungen waren zwar unterschiedlich gut besucht, aber 
meistens gab es im Anschluss noch Diskussionsbedarf. So richtig "irre" war dann die 
MadPride-Parade, eine inklusive Demonstration von Kulturschaffenden gemeinsam mit 
Selbsthilfeorganisationen von "Behinderten" und psychisch "Kranken". Wer mehr daruber 
erfahren mochte, kann unseren kritischen Aufruf zur Teilnahme nachlesen.

Eine weitere Demonstration, der wir uns im Rahmen der Libertaren Wochen angeschlossen 
haben, war der Protestzug der Stadtpolitischen Vernetzung zum Thema "Das Problem heißt 
Verdrangung". Hunderte Teilnehmer*innen dieser Tanzparade gegen Gentrifizierung liefen vom 
Bauwagenplatz "Wem gehort die Welt" in der Krefelder Straße mit nerviger Polizeieskorte 
durch die Innenstadt bis zum im Bestand bedrohten Autonomen Zentrum an der Luxemburger Straße.

Praktische Infos gab es bei unserer Veranstaltung "Refugee Infos", auf der wir unser neues 
Faltblatt prasentiert haben und aus unterschiedlicher Betroffenheit uber die aktuelle 
Situation von Gefluchteten in Europa und im Mittleren Osten diskutiert haben. Ein weiterer 
Beitrag kam vom Anarchosyndikalistischen Netzwerk mit dem Vortrag "Commons und Kommune - 
gemeinsam wirtschaften", wo es um die Frage ging, wie die kollektive Produktion von 
Gemeingutern uns von der kapitalistischen Warenwirtschaft befreien helfen konnte. Und es 
wurde diskutiert, wie der Aufbau (bzw. Erhalt) von lokalen, aber uberregional foderierten 
Gemeinschaften in Richtung freiheitlicher Kommunismus fuhren konnte. Den Abschluss der 
Libertaren Wochen machte eine Veranstaltung mit aktuellen Infos zur Gefangenengewerkschaft 
GG/BO, die vom lokalen Solikreis erneut in kleiner Runde durchgefuhrt wurde.

Georgo Akratis (Anarchistisches Forum Koln)

Quelle: Gai Dào, Nr. 80, August 2017, S.4,

https://fda-ifa.org/gai-dao-nr-80-august-2017/

https://fda-ifa.org/bericht-ueber-die-3-libertaeren-wochen-in-koeln/


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