(de) fau: Entlassungen bei VW in Poznan-Antoninek

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Do Aug 24 06:32:51 CEST 2017


Vor zwei Wochen rief die polnische Basisgewerkschaft "Arbeiter Initiative" (Inicjatywa 
Pracownicza, IP) im Volkswagen Werk (VW) in Poznan-Antoninek eine Betriebsgruppe ins 
Leben. In der Folge wurden drei Arbeiter durch den Konzern gekündigt, allem Anschein nach, 
weil sie gewerkschaftlich aktiv waren. Dies wurde als ein Versuch der Einschüchterung 
verstanden, gegenüber all denjenigen, die sich an ihrem Arbeitsplatz gegen Ausbeutung 
wehren möchten. Erreicht wurde jedoch das Gegenteil - als Antwort auf die Entlassungen 
haben VW-Beschäftigter eine betriebsübergreifende IP-Betriebsgruppe gegründet, die die 
gewerkschaftlichen Aktivitäten nun fortsetzt. ---- Für bessere Arbeitsbedingungen ---- Die 
Arbeit bei VW ist hart und eintönig. Die Arbeiter*innen beklagen erzwungene Überstunden, 
mit einjähriger Verspätung ausgezahlte Überstundenzuschläge, viel zu niedrige Löhne und 
prekäre Leiharbeitsverträge, die jahrelang verlängert werden. Vor kurzem wurde im Werk 
eine 2. Samstagsschicht eingeführt (die 17. Schicht der Woche, werktags gibt es je 3 
Schichten), und eine weitere (18.) Schicht, von Samstag auf Sonntag, ist geplant. Die 
bislang im Betrieb präsente Gewerkschaft Solidarnosc hat allen diesen Änderungen 
zugestimmt, was zu Empörung innerhalb der Belegschaft führte. Diejenigen Arbeiter, die 
sich kritisch äußersten, wurden nun gefeuert.

Begründet wurden die Entlassungen damit, dass sie bei Facebook geschrieben hätten, dass 
man sich angesichts der immer schlechteren Arbeitsbedingungen organisieren müsse. 
Offiziell betrachtet VW das als üble Nachrede gegen den Konzern. In Wirklichkeit ging es 
darum, zu verhindern, dass im Betrieb eine Organisation entsteht, die tatsächlich die 
Interessen der Belegschaft vertritt. Bis lang hatte die Gewerkschaft NSZZ Solidarnosc eine 
Monopolstellung inne.

Monopolstellung der Solidarnosc Gewerkschaft beenden

Die Entlassung der drei Arbeiter ist nichts anderes als eine Repression für den Versuch 
sich zu organisieren, um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen aller Beschäftigten im 
Betrieb zu erkämpfen. Angeblich kämpft die Solidarnosc gegen Sonntagsarbeit (z.B. im 
Einzelhandel), aber das Diktat von VW hat sie ohne nennenswerten Widerstand akzeptiert und 
der Nachtschicht von Samstag auf Sonntag zugestimmt. Am Donnerstag den 10.08.2017 führte 
die IP in Poznan-Wilda eine Pressekonferenz mit den entlassenen Arbeitern und den offen 
auftretenden Mitgliedern der neuen Betriebsgruppe durch. Es wurden Flyer mit Informationen 
über die Gründung der neuen Organisation und die Situation im Betrieb verteilt. Eine 
Flugblatt-Aktion gab es auch in Werk Poznan-Antoninek. Geplant sind weitere Info-Aktionen 
in den Werken Swarzedz und Wrzesnia.

In dem Flugblatt an die VW-Beschäftigten schreiben die IP-Mitglieder: "Zu alldem haben wir 
auch noch die Solidarnosc, die fest an der Seite der Geschäftsführung steht. Ihre Leute 
sieht man nie in den Produktionshallen, denn sie verstecken sich in den Büros. Bei 
alltäglichen Problemen ist von ihnen kaum Hilfe zu erwarten. Vor kurzem hat die 
Solidarnosc der Einführung einer zusätzlichen 18. Schicht zugestimmt, und zwar ohne die 
Arbeiter zu fragen. Aber wenn die Solidarnosc nicht den Willen der Arbeiter vertritt, wozu 
ist sie dann im Betrieb? Gleichzeitig hat VW drei unserer Kollegen in Antoninek entlassen. 
Offizielle Gründe waren Posts auf Facebook. Aber wir alle wissen, dass es darum ging, zu 
verhindern, dass im Betrieb eine Gewerkschaft entsteht, die die Interessen der Arbeiter 
vertritt und nicht die des Chefs."

"Gemeinsam sind wir stärker!"

Erst vor kurzem haben 70 Prozent der Belegschaft im VW-Werk in der Slowakei für höhere 
Löhne gestreikt. Nach 6 Tagen Streik gab es dort eine Lohnerhöhung um 13,5 Prozent und 
eine Einmalzahlung von 500 Euro. Die Beschäftigten im VW-Werk in Poznan wollen nicht 
tatenlos zusehen, wie die Firma die Arbeitsbedingungen verschärft und gleichzeitig nichts 
an den miesen Löhnen ändert. Sie haben keine Angst und kündigen an, dass sie so wie die 
Kolleg*innen in der Slowakei für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen kämpfen werden.

In der IP-Gewerkschaft sind die Arbeiter*innen von der Geschäftsführung unabhängig. Im 
Flugblatt schreiben sie: "Wir wollen weder Posten noch Dienstwagen zur Belohnung für ein 
gutes Verhältnis zu den Managern. Wir kämpfen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für 
alle Beschäftigten (Festangestellte und Leiharbeiter). In unserer Organisation hat jeder 
Arbeiter die gleiche Stimme, wir kämpfen für ein besseres Leben für uns alle, nicht für 
die Gewerkschaftsbürokratie. Wenn du genug davon hast, für einen Hundelohn bis zum letzten 
Schweißtropfen ausgequetscht zu werden, von korrupten Gewerkschaftern und der Arroganz der 
Chefs, wenn du kein 18-Schicht-System willst, tritt der Inicjatywa Pracownicza bei. In der 
IP organisieren sich Festangestellte und Leiharbeiter, Mitglieder anderer Gewerkschaften 
und bisher Unorganisierte aus den Werken in Antoninek, Wrzesnia, Swarzedz und der 
Gießerei. Allein haben wir keine Chance gegen die Geschäftsführung. Gemeinsam sind wir 
stärker!"

Kontakt IP-Betriebsgruppe
	
Andrzej Sobok, Telefon: +48 (0) 504 174 379/ Przemyslaw Koterwa, Telefon: +48 (0) 534 024 
346/ Internationales Sekretariat der IP, Mail: international[@]ozzip.pl

http://www.fau.org/artikel/art_170820-122710


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