(de) anarcho syndikalismus: Zum Thema Wahlen und Selbstorganisation

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Di Aug 15 08:29:23 CEST 2017


Die Solidarity Federation im britischen Calderdale hat eine Stellungnahme zur 
Wahlbeteiligung verfasst, in dem sie mit dem verbreiteten Vorwurf aufräumt, dass man sich 
über das Ergebnis nicht beschweren dürfe, wenn man sich vorher nicht an der Wahl beteiligt 
habe. Stattdessen formulieren sie es so: Wer immer nur wählen geht, darf sich danach nicht 
über das Ergebnis wundern. ---- Als verändernde Kraft in der Geschichte sehen sie eher die 
direkten Aktionen und die Organisierung an der sozialen Basis: Von Arbeitskämfen über 
Frauenrechte zu anständigen Löhnen und sogar das Wahlrecht selbst wurden gesellschaftliche 
Veränderungen auf der Straße und am Arbeitsplatz in Bewegung gebracht und nicht in den 
Parlamenten. Denn die Herrschenden versuchen den nötigen Wandel immer so lange wie möglich 
zu vermeiden, bis sie schließlich der rebellischen Bevölkerung ein paar Brotkrumen zur 
Beruhigung vorwerfen können.

Dafür gibt es in der Geschichte zahllose Beispiele, auch auf Seiten der Sozialdemokratie, 
und nicht erst seit infolge des Zweiten Weltkriegs die staatlichen Sozialleistungen in 
Westeuropa dazu dienten, den Klassenfrieden zu schließen und die Arbeiter*innen gegen den 
Kommunismus als gemeinsames Feindbild einzuschwören. So war zum Beispiel das britische 
Gesundheitssystem ein Zugeständnis gegenüber den damaligen Bestrebungen der Arbeiter*innen 
nach einem sozialen Wechesel mit revolutionärer Perspektive.

Wenn uns heute im Wahlkampf die Sozialdemokratie eine Befreiiung von der 
Unternehmensherrschaft verspricht und höhere Steuern für Kapitalist*innen ankündigt, so 
dient dies natürlich nicht nur ihrem eigenen Selbsterhaltungsinteresse als 
parlamentarische Parteien. Denn es gilt die die unzufriedene Bevölkerung ruhig zu stellen, 
damit sie bloß auf ihre Stellvertreter*innen vertraut, welche versprechen mit ein paar 
Gesetzesänderungen den globalen Krieg der marktwirtschaftlichen Profiteure gegen die 
zunehmende Enteignung von Großteilen der Menschheit in die passenden Bahnen zu lenken.

Stattdessen müssen wir die Hoffnung auf einen Wandel durch Stellvertretung zerstören und 
uns selbst organisieren, um diese Angriff auf unsere Selbstbestimmung zurück zu schlagen. 
Nicht den Mächtigen mehr Macht zu geben wird einen sozialen Fortschritt bringen, sondern 
eine starke Bewegung, die ihre gemeinsame Kraft dazu nutzt solche Institutionen 
überflüssig zu machen. Wenn wir die Betriebe selbst leiten, brauchen wir keine netteren 
Chefs. Wenn die Arbeitenden über alle ihre Belange selbst entscheiden können, wozu dann 
noch eine betriebliche Mitbestimmung im Management?

Warten wir also nicht darauf, dass uns eine Regierung Besserung breingt, sondern schaffen 
wir selbst Mittel und Wege die Gesellschaft und ihre nötigen Einrichtungen zu 
organisieren. Das haben schon viele Leute vor uns getan, wobei die soziale Revolution 
während des Spanischen Bürgerkriegs ein herausragendes Beispiel war: Selbstorganisierte 
Krankenhäuser wurden errichtet, Straßen gebaut, die lebenswichtige Infrastruktur aufrecht 
erhalten - und das alles unter der ständigen Bedrohung der faschistischen Angriffe, die 
zurückgeschlagen werden mussten.

Anarchosyndikalist*innen waren und sind in solchen selbstbestimmten gesellschaftlichen 
Bewegungen aktiv, führen erfolgreiche Arbeitskämpfe und setzen ausstehende Lohnzahlungen 
durch. Das einzige, was uns daran hindern kann mehr zu werden, sind wir selbst - fügt die 
SF-IAA Calderale selbstkritisch an.

CreativeCommons: BY-NC (http://anarchosyndikalismus.blogsport.de)

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2017/08/12/zum-thema-wahlen-und-selbstorganisation/


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de