(de) Fda-Ifa, Gai Dao N°76 - Solidarische Perspektiven entwickeln - jenseits von Wahlen und Populismus Von: AG zur FdA-Kampagne "Solidarische Perspektiven entwickeln"

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Sa Apr 22 08:42:56 CEST 2017


AfD, Brexit, Erdogan, Trump - wir erleben einen Rechtsruck, der unsere Welt in ungeahnter 
Weise verändert. Vieles, was wir bislang für schlimm hielten, wird noch schlimmer werden. 
Manch eine*r denkt wahrscheinlich darüber nach, bei der nächsten Wahl vielleicht doch das 
Kreuzchen bei nicht-rechten Kandidat*innen zu setzen. Und ganz ehrlich: Was jede*r 
einzelne*r von uns in der konkreten Situation macht, machen wir ohnehin nur mit unserem 
eigenen Gewissen aus. ---- Aus Sicht organisierter Anarchist*innen lässt sich allerdings 
feststellen: Wenn wir ein politisches Konzept haben wollen, auf dessen Grundlage sich 
antiautoritäre Kräfte den populistischen, rechten und faschistischen Bestrebungen 
entgegensetzen wollen, dann kann dieses nicht auf der Abgabe der eigenen Stimme beruhen. 
Stattdessen muss sich dieses Konzept außerhalb der Parlamente manifestieren. In Worten und 
Taten.

Tatsächlich sind die Wahlen im "Megawahljahr" 2017 für unsere Überle-
gungen nicht von zentraler Bedeutung. Warum wir das Thema dennoch
zum Anlass nehmen, diese Kampagne zu starten, hat mit der noch im-
mer in weiten Teilen der Bevölkerung verankerten Wahrnehmung zu
tun, wonach Wahlen den zen-
tralen Bestandteil der eigenen
Meinungsäußerung und Ein-
flussnahme im hiesigen System
darstellen. Solange Wahlen über
eine derartige Legitimation
verfügen, solange wird es von
anarchistischer Seite auch
Kampagnen gegen dieses Spek-
takel geben.

Aber: Was das soll das alles
bringen - Wahlboykott, Ungül-
tigwählen, Nicht-Wählen? Wir
sind ja nicht in Argentinien, wo
im Angesicht des staatlich ver-
ordneten Wahlzwangs ein be-
trächtlicher Teil der
Bevölkerung die Wahl mit leeren Wahlzetteln zur Fundamentalkritik am
System nutzte, oder in den USA, wo das System bei konstanten Wahl-
beteiligungen von um die 50 Prozent deutlich stärker delegitimiert ist
als im deutschsprachigen Raum.

Wir möchten mit dieser Antiwahl-Kampagne den Fokus weniger auf
die Wahlen, denn auf die aktuellen Verhältnisse lenken. Neben einer
Kritik des Wahlsystems und der parlamentarischen Demokratie an sich,
wollen wir insbesondere dazu arbeiten, wie wir wieder in die Offensive
kommen. Der Kapitalismus ist seit einigen Jahren mal wieder in der
Krise, doch die Linke ist in der Schockstarre und vermag daraus (fast)
keinen Nutzen zu ziehen. Eigentlich sollten Ideen, die sich gegen den
Ausverkauf des Planeten und der Wesen darauf richten, starken Auf-
wind haben. Der orthodoxe Marxismus hat abgedankt, anarchistische
Ideen sind spürbar am Kommen. Selbst marxistische Kreise haben das
verstanden und nähern sich in vielen Punkten libertären Positionen an.

Doch obgleich es einige Fortschritte gegeben hat, ist es uns als Anar-
chist*innen bislang nicht gelungen, das entstehende Vakuum im politi-
schen Feld auszufüllen. In diesem Sinne möchten wir im Rahmen dieser
Kampagne nicht nur konkrete
Praxen insbesondere gegen den
Rechtsruck entwickeln, son-
dern auch versuchen, aus der
Wohlfühlzone herauszutreten.

Wenn wir wirklich Leute in der
Gesellschaft erreichen möch-
ten, die nicht sowieso schon
überzeugte Anarchist*innen,
Antiautoritäre oder Linksradi-
kale sind, dann müssen wir mit
diesen auch in Kontakt treten.
Und dafür müssen wir unser
libertäres Iglu (unsere Szenen)
verlassen und die Interaktion
mit den anderen Menschen
wagen. Auch, weil wir sie nicht
den rechten Rattenfänger*innen überlassen wollen - mit ihren Pseudo-
Lösungen und ihren menschenverachtenden Ideologien.

Die Antwort sehen wir in der Entwicklung solidarischer Perspektiven,
die sowohl ideell unterfüttert, als auch real erfahrbar sein sollen.

Selbstorganisation statt Parlamentarismus!

Kooperation von unten statt Nationalismus und Populismus!

Solidarische Perspektiven entwickeln!


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