(de) fda-ifa: Wir werden größer von IT-Kollektiv

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Do Apr 20 09:18:56 CEST 2017


Mitte März kamen Kollektiv und Netzwerk in Braunlage für ein Wochenende zu einem Treffen 
zusammen. Dabei handelte es sich um das zweite große Treffen dieser Art seit Gründung des 
IT Kollektivs. Seit dem letzten Treffen ist das Netzwerk auf über zwanzig Personen 
angewachsen und auch ins Kollektiv wurden mehrere neue Menschen aufgenommen. Das Netzwerk 
bietet eine unverbindliche Art, das Arbeiten im Kollektiv kennenzulernen und zu 
Diskussionen und Entwicklungsprojekten beizutragen. ---- Inhaltlich beschäftigten wir uns 
mit strukturellen Fragen, Akquisemöglichkeiten, Erfahrungsaustausch und der 
kollektivinternen Infrastruktur. Da sich viele von uns das erste Mal im größeren Kreis mit 
Beteiligten aus anderen Städten trafen, gab es hier auch Raum, sich kennenzulernen und 
offene Fragen zur Zusammenarbeit zu klären.

Unsere größten Probleme liegen derzeit in der Ausgestaltung des Verhältnisses von 
Netzwerk, Kollektiv und existierenden Rechtsformen. Derzeit sind drei Kollektive und drei 
Rechtsformen im Netzwerk beteiligt. Hinzu kommt die Zusammenarbeit in AGs, 
Branchenbereichen und Städten. Von den Kollektiven sieht nur das IT Kollektiv das Netzwerk 
in seiner Struktur vor und kümmert sich um dessen Infrastruktur, Aufnahme und sonstigen 
Support. Hier stellte sich uns besonders die Frage, wie wir ein Prinzip der Autonomie und 
Freiwilligkeit erhalten und gleichzeitig verbindliche Solidarität schaffen können. Denn 
das Prinzip der freien Vereinbarung kann auch bedeuten, dass sich die produktivsten 
Beteiligten zusammenschließen und nicht so lukrative Strukturen oder Hintergrundarbeiten 
zurücklassen. Wie bei fast allen Kollektivbetrieben üblich gab es auch großen 
Klärungsbedarf bei der Frage: Was ist Arbeit und wie soll diese entlohnt werden?

Wie auch immer wir uns strukturieren, stehen wir als Arbeiter*innen ohne Kapital vor dem 
unangenehmen Problem, unsere Arbeitskraft auf den Markt tragen zu müssen. Dabei setzen wir 
auf die Stärke unserer solidarischen, egalitären Selbstorganisation und lassen uns nicht 
vereinzeln. Dennoch fällt es uns erst einmal schwer, in unserer Vielfalt ein schlüssiges 
Portfolio zu schaffen und unsere Akquisebemühungen strategisch zu koordinieren. Zwar 
konnten wir die erste Person mit einem Arbeitsvertrag versehen, aber wir müssen 
Kundenbeziehungen aufbauen und kalkulierbare Einnahmequellen schaffen, um weitere Personen 
fest einstellen zu können und unsere Existenz zu sichern.

Um unsere Gemeinschaft etwas zu konsolidieren und uns auf Akquise konzentrieren zu können, 
wird es zunächst einen Aufnahmestop für das Netzwerk geben, wobei sich Interessierte 
weiterhin melden können und Rückmeldung erhalten, wenn sich das in nicht ganz ferner 
Zukunft wieder ändert. Dies gilt nicht für Frauen*, da sich bei uns in überwiegender Zahl 
männlich sozialisierte Personen eingefunden haben. Dieser Umstand verwundert wenig in 
einem auf "Technik" ausgelegten Kollektivbetrieb in Anbetracht der Absolvent*innenquoten 
in IT Berufen. Allerdings soll gerade ein Projekt wie unseres den Raum bieten, sich 
jenseits von sexistischen Diskriminierungen technisches Wissen anzueignen. Auch um 
kulturelle Vielfalt ist es trotz unserer antinationalen Positionen schlecht bestellt. Wir 
haben uns in der Diskussion um dieses Thema auch vor Augen geführt, dass es nicht um 
"Integration der Anderen" um der Vielfalt willen gehen kann, sondern dass Diversität vor 
allem bedeutet, unsere eigenen Wesenszüge zu hinterfragen, ggf. anzupassen und uns auf 
andere Herangehensweisen einzulassen.

Ein etwas sperriges Thema, an dem aber kein Weg vorbeiführt, sind die eingesetzten 
Softwaretools für unsere dezentrale Zusammenarbeit. Wir besitzen einige nützliche 
OSS-Werkzeuge, die nach dem UNIX-Prinzip, ein spezialisiertes Tool für eine Aufgabe, 
ausgewählt wurden. Nun bringt jede*r von uns ihre/seine spezifischen Vorlieben mit, die im 
Einzelnen nicht immer berücksichtigt werden können, weil sonst keine Zusammenarbeit 
möglich wäre. So wollen wir uns erst einmal auf die bestehenden Werkzeuge einlassen.

Obwohl für eine dezentrale Projektarbeit mittlerweile ausgezeichnete Werkzeuge existieren, 
so fehlt es stark an Lösungen für hierarchiearm geführte Strukturen. Hier haben uns 
Gefährt*innen aus dem Netzwerk zwei sehr nützliche, eigen entwickelte Anwendungen 
vorgestellt, die wir einsetzen möchten. Das eine unterstützt bei der Dokumentation von 
Treffen und Entscheidungsfindung. Das andere ermöglicht eine sichere dezentrale Verwaltung 
von Passwörtern. Uns fehlt damit aktuell noch Software für transparente interne 
Buchführung, Zeiterfassung und Ressourcenplanung. Für diese Bereiche beginnen wir aktuell 
mit einer Eigenentwicklung.

Insgesamt blicken wir auf ein sehr produktives Treffen zurück. Die Diskussionskultur war 
von gegenseitigem Verständnis geprägt und sehr konstruktiv, ohne inhaltliche Differenzen 
unter den Teppich zu kehren. Aufgrund der Themenvielfalt blieb wenig Raum für 
unstrukturiertes soziales Miteinander oder Wissensaustausch oder auch nur einen Gang für 
die Tür. Dazu hat der verregnete Harz allerdings auch nicht eingeladen. Wir ließen unsere 
Kurkarten verfallen. ohne das Kneippbecken genutzt zu haben. What a pity...

Zum Originalbeitrag

Schlagworte: Nachrichten von FdA und IFA

https://fda-ifa.org/wir-werden-groesser/


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de