(de) ag freiburg: »Firmenhymnen«- Ein analytisch-satirischer Abend mit guter und schlechter Musik

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So Apr 9 07:59:41 CEST 2017


Ein analytisch-satirischer Abend mit guter und schlechter Musik, zur Erforschung eines 
Phänomens, das Schlüsse auf die Verrücktheit des kapitalistischen Ganzen erlaubt. Von und 
mit Thomas Ebermann und Kristof Schreuf. ---- 28. April | MensaBar (Rempartstraße 18) | 
20:30 Uhr ---- In den vergangen Jahren haben sich einige Tausend Unternehmen eine 
Firmenhymne zugelegt. Sie versprechen sich davon - in Kombination mit anderen Maßnahmen 
von Gehirnwäsche und corporate identity - dass die Motivation der Belegschaft steige und 
der Krankenstand sinke. Wenn man schon, um in der Arbeitswelt zu bestehen, immer neue 
Höchstleistungen der Entsagung meistern muss, so soll man doch besingen, wie gut man es 
gerade in dieser Firma mit ihren fairen Chefs und menschheitsbeglückenden Produkten 
angetroffen hat. Die Fernsehberichte, die infantile Belegschaften beim Singen ihrer Hymne 
zeigen, lassen uns in scheinbar glückliche Gesichter blicken. Aber - so lautet der letzte 
Hoffnungsstrohhalm der Gesellschaftskritiker_innen - vielleicht sind sie ja gar nicht 
freiwillig angetreten. Vielleicht fürchten sie ja bloß die Repression, die allen 
Verweigerern des gutgelaunten Mitmachens droht.

Vielleicht aber - das wäre die schrecklichere Variante - ist der Fremdzwang, die 
Erniedrigung zum Humankapital, schon in das Fühlen und Wollen der Lohnarbeiter_innen 
eingedrungen. Oder man kann die ganze Scheiße - die Arbeitswelt und die ihr so ähnliche 
Gestaltung der ‘Freizeit' - nur ertragen, indem man sich beides als erfüllt und spannend 
zurecht lügt.

Thomas Ebermann (Autor des Theaterstücks "Der Firmenhymnenhandel") reflektiert diese 
Zusammenhänge; Kristof Schreuff ("Kolossale Jugend", letzte CD: "Bourgeois with guitar") 
fällt ihm musikalisch ins Wort, bebildert und widerspricht.

Auf der Leinwand: Firmenhymnen wortgetreu, aber teilweise mit verführerisch guter Musik 
unterlegt: Bernadette La Hengst, Lisa Politt, Thomas Pigor, Dirk von Lowtzow (Tocotronic), 
Gustav Peter WöhLer, Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen), Rocko Schamoni, Harry 
Rowohlt, Horst Tomayer, Jens Rachut, Dieter Glawischnig, Andreas Spechtl (Ja, Panik) und 
viele mehr..

Stimmen zu "Der Firmenhymnenhandel":
Ebermann ist ein anspruchsvolles, gesellschaftskritisches Stück gelungen, in dem er einen 
genauen Blick auf die Abgründe moderner Arbeitsbeziehungen wirft.
Rainer Link / Deutschlandfunk
Die ideologiekritische Einsicht des Abends lautet: "Je dreckiger es einem geht, desto 
größer ist der Wunsch, die Scheiße zu besingen." Kann man so sagen. Der Knaller sind aber 
die eingespielten Videos mit Firmenhymnen. Zu sehen und zu hören sind hier Hamburger 
Größen wie Dieter Glawischnig, Schorsch Kamerun, Harry Rowohlt oder Rocko Schamoni.
Christian Schlüter / Berliner Zeitung
...dreht sich um Zumutungen am Arbeitsplatz. Aber auch um die Verrenkungen des Künstlers 
im Angesicht des Geschäfts und die merkwürdigen Konsequenzen einer Welt, in der 
Selbstverwirklichung und Arbeit, Freiheit und Zwang nicht mehr zu unterscheiden sind.
Robert Matthies / taz
Darum geht es im Stück: Was ist, wenn die Ideale einem nicht mehr als eine kalte Heizung 
im Winter und einen leeren Kühlschrank zu allen Jahreszeiten bescheren?
Thomas Ewald / Jungle World
Wenn man diese Lieder hört, weiß man nicht, ob man lachen oder erschrecken soll.
Heinrich Oehmsen / Hamburger Abendblatt

http://www.ag-freiburg.org/cms/termin/firmenhymnen


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