(de) a-s j bonn: Raus zum 1. Mai!

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Do Apr 6 09:34:34 CEST 2017


Wir erleben im Moment einen gesellschaftlichen Roll-Back. Rechte aller Couleur haben 
Zulauf und wähnen sich zu Recht im Aufwind. In fast allen europäischen Staaten konnten 
rechte Parteien starke Zuwächse verzeichnen und haben in manchen Ländern sogar 
Perspektiven, die Macht zu übernehmen. Gleichzeitig nehmen rassistische, antisemitische, 
sowie homo- und transfeindliche Angriffe stark zu, während die deutschen Asylgesetze so 
weit verschärft wurden, dass von einem "Recht auf Asyl" nur noch die größte Zyniker*in 
sprechen kann. ---- Dem entsprechend hat der radikale Islam weiterhin starken Zustrom, 
auch wenn sich der selbst ernannte "Islamische Staat" inzwischen in der Defensive 
befindet. Die öffentlichkeitswirksame "Sharia-Polizei", sowie die "Lies"-Stände waren 
hierzulande nur die offensichtlichsten Ausprägungen dieser Ideologie. Unterdessen mutiert 
in den USA ausgerechnet der Hidjab zu einem feministischen Symbol.

So erfreuen sich inzwischen auch autoritäre Identitätspolitiken im antirassistischen und 
queeren Spektrum immer größerer Beliebtheit, deren Vertreter*innen jede ihnen nicht 
genehme Stimme zum Schweigen zu bringen versuchen; einen Anspruch an ökonomische Analysen 
patriarchaler Verhältnisse haben sie nur noch in Einzelfällen. Das Bewusstsein für die 
gesellschaftliche Vermittlung eben jener Identitäten geht darüber verloren, wodurch auch 
die Verlagerung ehemals staatlicher Kontrollmechanismen ins Individuum völlig aus dem 
Blick gerät. Wenn alle ihres eigenen Glückes Schmied sind, gehen kollektive und 
solidarische Perspektiven verloren.

Unterdessen hat mensch sich an die autoritären Linken, die immer noch in (schon damals 
weltfremden) Feindbildern des Kalten Krieges hängen geblieben sind und für die Israel und 
die USA dem großen Satan entsprechen, traurigerweise schon längst gewöhnt.

Arbeitsgesetze, die in Deutschland schon seit Jahren Realität sind, veranlassen Menschen 
aller gesellschaftlichen Positionen in Frankreich Molotow-Cocktails auf Polizist*innen zu 
schmeißen noch bevor sie verabschiedet werden. Währenddessen erliegen Menschen in 
Deutschland immer mehr ihrem Arbeitsfetisch und eine Perspektive zur Verbeserung der 
eigenen Situation wird gar nicht mehr in Betracht gezogen oder geht im liberalen 
Gewerkschaftssumpf und chauvinistischen Ressentiments unter.

Bei all dem scheinen wir momentan nicht viel mehr tun zu können, als gewonnene Freiheiten 
zu verteidigen und alles zu tun, damit diese Gesellschaft nicht noch schlimmer wird. 
Trotzdem ist es gerade in solchen Zeiten wichtig, eine Alternative aufzuzeigen: Das Ideal 
einer Gesellschaft, in der jeder Mensch sich nach seiner Façon selbst entfalten und 
glücklich werden kann, in der der Kapitalismus überwunden und eine Wirtschaft eingerichtet 
wurde, die zum Ziel hat, die Bedürfnisse der Menschen so gut es geht zu befriedigen. Eine 
Gesellschaft, in der Antisemitismus, Sexismus, Rassismus, Homo- und Transphobie, sowie 
jede andere Art von Chauvinismus ausgerottet wurden, in der es kein Patriarchat mehr gibt 
und es unerheblich ist, welches Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe oder Herkunft 
ein Mensch hat.

Mag der erste Mai inzwischen zum Ritual verkommen sein, so symbolisiert sein Ursprung eben 
doch die Sehnsucht nach einer Gesellschaft, in der die Freiheit des Menschen das oberste 
Ideal darstellt! Während im 19. Jahrhundert der Acht-Stunden-Tag und tarifliche Bezahlung 
erkämpft wurden, muss heute ein neuer Ansatz für solche Kämpfe gefunden werden. Dabei muss 
reproduktive Arbeit (ob unbezahlt oder nicht), ebenso wie patriarchale und rassistische 
Ausbeutung und Gewalt mitgedacht und sich nicht nur auf produktive Lohnarbeit versteift 
werden.

Wir müssen neue Aktionsformen für neue und alte Arbeitskämpfe finden. Wir müssen uns und 
unseren Alltag solidarisch und selbstbestimmt organisieren und dabei all jene 
Ausgebeuteten, Unterdrückten, Lohnabhängigen einbeziehen.

Denn die Befreiung aller Menschen kann nur das Werk aller Menschen sein!

Veröffentlicht am 1. April 2017Kategorien Allgemein

http://asjbonn.blogsport.eu/2017/04/01/raus-zum-1-mai/


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