(de) fda-ifa: Aktion gegen Lohnarbeit und die Traurigkeit des kapitalistischen Alltags von ag dortmund

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Fri Sep 23 08:23:03 CEST 2016


Am 13. September haben wir das erste Mal unsere Aktion gegen Lohnarbeit im Dortmunder 
Hauptbahnhof und am Nordausgang des Hauptbahnhofs durchgeführt. Ab circa 6.00 Uhr morgens 
trafen wir uns im Bahnhof und bauten unseren Stand auf. Wir verteilten vegane Mettbrötchen 
und Kaffee an die Horden von (wie jeden morgen) nicht so glücklich wirkenden Menschen, 
welche zur Arbeit hasten, dazu reichten wir circa 600 Stück von unseren "Guten Morgen" 
Flyern. Ein großes gelbes Transparent fragte die vorbei Eilenden "Warum bist du zufrieden 
mit deinem Job?". Zu Beginn der Aktion kam recht schnell die Bahn Security zu uns und 
klärte erst mal sehr entspannt ab, was wir denn da so machen. Als wir ihnen mitteilten, 
dass unsere Aktion bewusst nicht angemeldet ist, schlugen sie uns vor, uns stattdessen 
direkt vorm Bahnhof am Nordausgang zu positionieren. In diesem Fall ließen wir uns darauf 
ein, weil wir von der Qualität unseres Standorts keinen Unterschied sahen. Das erwies sich 
im Nachhinein auch als richtige Einschätzung. Am Nordausgang konnten wir viele Menschen 
erreichen, welche oft etwas weniger gehetzt waren und auch Zeit für ein Gespräch 
mitbrachten, was im Bahnhof so eher weniger der Fall war.

Mit circa 4 Stunden ungestörter und unangemeldeter Aktion sind wir mehr als zufrieden. Die 
gesamte Aktion war ein riesiger Erfolg, unser Konzept ist voll aufgegangen. Wir wollten 
auf einer niedrigschwelligen Ebene alle Menschen erreichen, die von Lohnarbeit direkt oder 
indirekt betroffen sind (also fast alle Menschen). Außerdem war es uns wichtig, dass 
mensch unsere Aktion auf den ersten Blick nicht einer bestimmten Gruppe zuordnen kann, so 
dass erst einmal eine neutrale Betrachtung unserer Inhalte und Aktion zustande kommen 
kann. So konnten wir interessante Gespräche führen und unsere Inhalte transportieren. 
Unser Anliegen war vor allem auch, den Lohnabhängigen einfach etwas Gutes zu tun: Ein 
netter Start in den Tag mit gratis Kaffee und Brötchen.

Wir sind überwältigt von der Masse an Feedback, welches im ersten Moment bis auf die 
üblichen Vorbeiziehenden durchweg positiv war. Klar hat sich dann im zweiten Satz der eine 
oder andere eher national gesinnte deutsche Mensch enttarnt, der versuchte seine 
Lebenssituation auf "die Ausländer" zu schieben. Was aber besonders erfreulich war: aus 
beinahe allen sozialen und beruflichen Hintergründen haben wir Zuspruch für die Aktion 
bekommen, von der leicht rebellischen Arbeitsvermittlerin aus dem Jobcenter, zu dem 
Bauarbeiter von der Baustelle nebenan, zu dem zufällig vorbei laufenden Genossen, bis hin 
zu zwei Polizist*innen, welche (obwohl deutlich war, dass wir Anarchist*innen sind) die 
Aktion positiv bemerkten, ohne auch nur eine Frage darüber zu verlieren, ob wir für das, 
was wir hier gerade tun, eine Genehmigung haben.

Für uns hat diese Aktion deutlich gemacht, dass alle Lohnabhängigen in bestimmten 
Bereichen der Lohnarbeits-Realität Erfahrungen teilen und auch ein Problembewusstsein 
dafür aufweisen. Natürlich ist uns das nicht neu - aber es ist schon etwas Besonderes, das 
so klar von der Straße zu hören. Es ist einfach bewegend, wenn sich die 
Krankenpflegekraft, welche sich seit Jahrzehnten kaputt schuftet, unseren Text durchliest 
und danach sagt, dass es genau das sei, was sie umtreibt, genau das sei, was sie berührt.

Klar ist zwar auch, dass wir oft keine Antwort wussten, wenn wir gefragt wurden, was 
unsere konkrete Alternative sei. Gewerkschaftliche Organisierung und Kollektivbetriebe 
sind nun mal aus verschiedensten Gründen für viele Menschen nicht so naheliegende 
Lösungsansätze, wenn es darum geht, die dringendsten Alltagsprobleme zu bewältigen. Es 
gibt nun mal oft keine einfachen Antworten und zwischen schnell einen Kaffee holen und 
dann zur Bahn hasten ist es schwer unsere Alternativen rüber zu bringen. Wichtig ist aber, 
dass wir als Anarchist*innen wahrnehmbar sind, dass wir draußen sind auf der Straße. Dass 
wir einen kleinen tropfen Farbe in den grauen Morgen einiger Menschen träufeln konnten. 
Auf dass noch viel viel mehr Menschen mit Anarchismus nicht mehr Chaos und Bomben werfen 
verstehen, sondern das Anarchismus etwas Positives, Erfahrbares ist. Sei es nur durch die 
Erfahrung, das erste Mal veganes Mett gegessen zu haben oder eben dass wir keine Monster, 
sondern die netten hilfsbereiten Menschen aus der Nachbarschaft sind.

Raus aus dem Szenetrott - es geht voran!

Anarchistische Gruppe Dortmund - http://agdo.blogsport.eu

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