(de) fau.org: Kundgebung am 9. September in Leipzig vor dem US Konsulat -- Solikundgebung zum Streik- und Aktionstags der US-amerikanischen Gefangenen
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Sun Sep 11 11:45:38 CEST 2016
Die Gefangenengewerkschaft (GG/BO) ruft am 9. September zu einer Solidaritäts-Kundgebung
anlässlich des Streik- und Aktionstags inhaftierter Arbeiter*innen in den USA auf. Seit
längeren schon organisieren sich Inhaftierte (mit Unterstützung der IWW) in den USA um
gegen ihre Haftbedingungen und die Ausbeutung im Strafvollzug zu protestieren. Mit dem
Streik am 9. September soll jene "Fortführung der Sklaverei" nun zum Erliegen gebracht
werden. Die FAU Erfurt/Jena unterstützt die Forderungen und den Kampf der inhaftierten
amerikanischen Arbeiter*innen und ruft dazu auf, sich an der Solikundgebung der GG/BO zu
beteiligen. ---- Leipzig: 9. September 2016, 16h - Amerikanisches Generalkonsulat,
Simsonplatz / Wilhelm-Seyfferth-Straße ---- Mehr Infos auf Support Prisoner Resistance
(englisch) und im folgenden der Aufruf der GG/BO Leipzig.
Vereint gegen die Knast-Sklaverei! Solidarität mit dem Gefangenenwiderstand in den USA!
Aufruf der Gefangenen-Gewerkschaft / Bundesweite Organisation (GG/BO) zu
Solidaritätskundgebungen anlässlich des Streik- und Aktionstags der US-amerikanischen
Gefangenen am 9. September:
Leipzig: 9. September 2016, 16h - Amerikanisches Generalkonsulat, Simsonplatz /
Wilhelm-Seyfferth-Straße
Zunehmende Gefangenenkämpfe in den USA
In den letzten 6 Jahren hat eine Reihe massenhafter Kämpfe von Gefangenen gegen das
Knastsystem und die Gefängnis-Sklaverei in den USA stattgefunden. Die bekanntesten dieser
Kämpfe waren: 2010 haben Tausende inhaftierte Arbeiter*innen in mindestens sechs
Haftanstalten in Georgia einen landesweiten Knaststreik für bessere Lebensbedingungen und
Entlohnung für die Knastarbeit organisiert.
In der Folge gab es Proteste in Gefängnissen in Illinois, Virginia, North Carolina und
Washington. 2013 kam es in den Knästen von California zur bisher größten
Hungerstreikbewegung in der Geschichte der US-amerikanischen Gefangenenkämpfe. Am ersten
Tag des 60 tägigen Massenhungersteiks gegen die Isolationshaft beteiligten sich 30.000
Gefangene.
Seit Frühjahr dieses Jahres haben wilde Streiks das Knastsystem von Texas und Alabama
erfasst, während es in Holman/Alabama im März zu einer Knastrevolte kam, in derem Verlauf
die Gefangenen ganze Trakte übernahmen, einen Wärter und den Gefängnisdirektor erstachen.
Der Streik- und Aktionstag am 9. September 2016
Aus dieser Dynamik heraus brachten inhaftierte Arbeiter*innen aus verschiedenen
Haftanstalten der USA am 1. April 2016 einen Aufruf zu einem USA-weiten Knaststreik für
den 9. September heraus. Der 9. September ist nämlich der 45-jährige Jahrestag des
Aufstands von Attica. Am 9. September 1971 hatten 1200 Häftlinge im Gefängnis von Attica
einen Aufstand gestartet und die Kontrolle über das Gefängnis erlangt. Vier Tage später
stürmten 500 State Troopers den Knast, schlugen den Aufstand nieder und richteten ein
Massaker an: 32 Gefangene wurden erschossen, 10 Geiseln kamen um und 83 Gefangene wurden
schwer verletzt.
Auch zum Aktions-und Streiktag am 9. September 2016 ist mit Repression zu rechnen. Die
rebellischen Häftlinge sind auf unsere Solidarität angewiesen. In ihrem Aufruf heißt es:
"Wenn wir uns gegen die Herrschendenauflehnen, werden sie zurückschlagen und der einzige
Schutz, den wir haben, ist die Solidarität von draußen." Deswegen haben wir als GG/BO für
den 9. September Solidaritätskundgebungen organisiert.
Die Gefangenenbewegung in den USA und der Streik- und Aktionstag am 9. September werden
von zahlreichen Solidaritätsgruppen, Anti-Knast-Gruppen, den ABCs und
Community-Initiativen sowie von der revolutionären Basisgewerkschaft Industrial Workers of
the World (IWW) unterstützt. Die IWW hat ein eigene Gefangenen-Sektion, das Incarcerated
Workers Organizing Committee (IWOC), Organisationskomitee der Inhaftierten Arbeiter*innen,
mit über 800 Mitgliedern. Wir schicken kämpferische Grüße und Kraft für die kommenden
Streik an unsere Schwestergewerkschaft!
Die Fortsetzung der Sklaverei im gefängnis-industriellen Komplex der USA
Seit den 1970er Jahren wurde in den USA über den Neubau unzähliger Gefängnisse, die
pauschale Kriminalisierung ganzer Bevölkerungsgruppen und ihre Masseninhaftierung ein
gigantischer gefänignis-industrieller Komplex aufgebaut. Heute befinden sich 2 bis 2,5
Millionen Gefangene in den Haftanstalten der USA. Damit ist dauerhaft ein Prozent der
Gesamtbevölkerung inhaftiert. Die Gefangenen werden als billige oder kostenlose
Sklavenarbeiter*innen vom Staat und der Privatwirtschaft ausgebeutet. Der überwiegende
Teil der Gefangenen gehören demschwarzen oder migrantischen Proletariat der USA an. Damit
stellt dergefängnis-industrielle Komplex der USA die Fortsetzung der Sklaverei dar. Als
mit dem 13. Zusatzartikel zur Verfassung 1865 die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde,
wurde sich eine Lücke offengehalten: "Weder Sklaverei noch Zwangsdienstbarkeit darf, außer
als Strafe für ein Verbrechen, dessen die betreffende Person in einem ordentlichen
Verfahren für schuldig befunden worden ist, in den Vereinigten Staaten oder in irgendeinem
Gebiet unter ihrer Gesetzeshoheitbestehen." Den Platz der schwarzen Sklav*innen haben
heute schwarze und Latino-Knast-Sklav*innen eingenommen. Mit ihren Massenhungerstreiks,
den wilden Streiks und dem Aufruf für den 9. September üben sie nun den Aufstand.
Eine andere zentraleInstitution des US-amerikanischen Rassismus stellt der massenhafte
ungeahndete Mord an Schwarzen durch Polizeibeamte dar. Auch hiergegen hat sich in den
letzten Jahren eine Bewegung gebildet, deren Kämpfevon bewaffneten Aufständen wie in
Ferguson bis hin zu breiten öffentlichkeitswirksamen Kampagnen wie der "Black
LivesMatter"-Kampagne reichen. In ihrem Aufruf solidarisieren sich die Gefangenen mit
dieser Bewegung.
Die Gefangenen-Gewerkschaft in Deutschland
Seit den 1990er Jahren formiert sich auch in der BRD ein gefängnis-industrieller Komplex
nach dem Vorbild der USA. Mittlerweile gibt es 4(teil)privatisierte Haftanstalten und von
den insgesamt 65.000 Gefangenen werden ca. 45.000 in staatlichen oder
privatwirtschaftlichen Betrieben ausgebeutet. Seit 2014 formiert sich mit der
Gefangenen-Gewerkschaft / Bundesweite Organisation (GG/BO) eine Gefangenenbewegung, die
mit ihren drei Kernforderungen nach Mindestlohn, Sozialversicherung und
Gewerkschaftsfreiheit hinter Gittern versucht, der extremen Abwertung und Ausbeutung der
inhaftierten Arbeitskraft etwas entgegenzusetzen. Im letzten Jahr haben zahlreiche Kämpfe
stattgefunden, an denen die GG/BO beteiligt war: der Hungerstreik in der JVA Butzbach vom
Dezember 2015, der Hungerstreik in der österreichischen JA Graz-Karlau vom Januar 2016 und
zuletzt der Hungerstreik in der JVA Würzburg vom Juli 2016.
Das Grundprinzip der GG/BO besteht in der Solidarität und dem gemeinsamen Kampf - sowohl
unter den Gefangenen selbst als auch zwischen den inhaftierten Gewerkschafter*innen und
ihren Kolleg*innen aus den Soli-Gruppen, aber eben auch zwischen den Gefangenenbewegungen
der verschiedenen Länder. 2015 wurde von Gefangenen in der JA Graz-Karlau eine
GG/BO-Sektion in Österreich aufgebaut. Mit den Solidaritätskundgebungen vor den
US-amerikanischen Vertretungen in Berlin und Leipzig gehen wir nun den nächsten Schritt
und unterstützen die Gefangenen in den USA in ihrem Kampf gegen die Knast-Sklaverei.
http://www.fau.org/artikel/art_160906-105054
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