(de) fau.org: Verschnaufpause für Bio.Me

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Thu Oct 27 12:41:31 CEST 2016


Niemand wagt es, die von den Arbeiter_innen besetzte Fabrik Bio.Me zu ersteigern. Erneut 
erfolglos abgebrochen werden musste die für den 20. Oktober angesetzte Zwangsversteigerung 
des Betriebsgeländes des insolventen Konzerns Filkerem & Johnson in Thessaloníki, zu dem 
auch die selbstverwaltete, besetzte Fabrik Bio.Me gehört. ---- Es war der inzwischen 
vierte Versuch die insgesamt 14 Grundstücke des Konzerns mit einer Gesamtgröße von 158.000 
Quadratmetern für 31 Millionen Euro zu versteigern. Die drei vorangegangenen 
Versteigerungstermine waren unter anderem am Widerstand der Bio.Me-Arbeiter und ihrer 
Unterstützer_innen gescheitert.  ---- Auch diesmal kam es wieder zu Spannungen im 
Gerichtsgebäude. Ab den frühen Morgenstunden waren nicht nur starke Polizeikräfte und die 
Bio.Me-Arbeiter samt Solidaritätsbewegung in den Gängen des Gerichts präsent, sondern auch 
ehemalige Filkerem & Johnson Arbeiter, die eine Durchführung der Zwangsversteigerung 
begrüßen um so in den Genuss der Auszahlung einer Entschädigung zu kommen. Eine sinnlose 
Hoffnung wie Manolis, ein Aktivist der Solidaritätsbewegung betont. "Sollte die 
Zwangsversteigerung tatsächlich stattfinden, werden zuerst die Banken, dann andere 
Schuldner und erst zuallerletzt die entlassenen Arbeiter_innen entschädigt. Bleibt bis 
dahin überhaupt noch Geld übrig, bekommt jeder Entlassene vielleicht noch 50,- Euro."

Mákis Anagnóstou, einer der Sprecher der kämpfenden Arbeiter von Bio.Me, stellte dagegen 
erneut klar: "Wir fordern keine Besitztitel für uns. Was wir wollen sind einzig die 
Nutzungsrechte über den von uns genutzten Teil des Konzerngeländes um unseren Tageslohn 
erarbeiten zu können." (Efimerída ton syntaktón, 21.Okt.2016)

Das Fabrikgelände von Bio.Me macht nur ca. 1/7 des aus 14 Grundstücken bestehenden 
Konzerngeländes von Filerem & Johnson aus, weshalb die Solidaritätsbewegung die 
Ausgliederung der besetzten Fabrik aus der Versteigerungsmasse fordert. Eine mehr als 
angebrachte Forderung, hatte doch der griechische Staat mehrere der betroffenen 14 
Grundstücke den damaligen Besitzern von Filkerem & Johnson umsonst überlassen, da der 
Konzern "Arbeitsplätze schaffe".

2011 hatten sich die Besitzer des inzwischen Pleite gegangenen Konzerns schließlich aus 
dem Staub gemacht, über Hundert seit Monaten unbezahlte und nun arbeitslose Arbeiter_innen 
und viele Millionen Euro an Schulden hinterlassen. Während die meisten Arbeiter_innen sich 
in ihr Schicksal ergaben, besetzte ein Teil der Bio.Me-Belegschaft die Fabrik um den 
Abtransport von Maschinen und Baumaterialien zu verhindern. Nach erfolgloser 
Investorensuche und der ebenso erfolglosen Forderung nach staatlichem Eingreifen, erfolgte 
im Februar 2013, die gefeierte Wiederaufnahme der Produktion in Selbstverwaltung. Seitdem 
stellen die Arbeiter von Bio.Me nicht nur biologische Putz-, Wasch-, und Reinigungsmittel 
her, sondern sind auch ein leuchtendes Beispiel für erfolgreichen Widerstand gegen den 
kapitalistischen Normalzustand und die Verteidigung der eigenen Würde unter schwierigsten 
Bedingungen.

Vom 28. - 30. Oktober findet ein internationaler Kongress selbstverwalteter und besetzter 
Betriebe auf dem Betriebsgelände von Bio.Me statt. Abgesandte aus Griechenland, Serbien, 
Bosnien, Bulgarien, der Türkei, Italien, Spanien, Argentinien, Frankreich, Deutschland 
u.a. diskutieren, informieren und streiten über Perspektiven selbstverwalteter Betriebe im 
Krisenkapitalismus.

Ralf Dreis, Thessaloníki

http://www.fau.org/artikel/art_161024-135251


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