(de) fau berlin: [PM]Arbeitskampf TU Berlin: Wissenschaftlerinnen kämpfen gegen Schikane

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Wed Oct 26 13:58:14 CEST 2016


Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität Berlin (TUB) sieht sich 
massiven Schikanen ausgesetzt, weil sie die Verbesserung ihrer Arbeits-bedingungen 
fordert. Mithilfe der Bildungssektion der FAU Berlin reicht sie nun Klage ein. ---- Aus 
den oberen Etagen hört man ziemlich wenig zu den Vorwürfen. ---- Während eines 
Arbeitseinsatzes in Uruguay im Winter 2015/2016 litten die wissenschaftlichen 
Mit­arbeiterinnen der Nachwuchsforschungsgruppe "RuralFutures" unter 
gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen: Heruntergekommene und verdreckte Unterkünfte 
und eine unvollständige und unsichere Ausrüstung aufgrund der mangelhaften Organisation. 
---- In dem interdisziplinären Forschungsprojekt zur nachhaltigen Landnutzung sahen sie 
sich zudem mit einer autoritär auftretenden Projektleitung konfrontiert, die ständige 
Verfügbarkeit einforderte, bei extremen Arbeitszeiten von mehr als 10 Stunden pro Tag, 
ohne freie Tage. Als sie die Verantwortlichen auf ihre schwierige Situation aufmerksam 
machten, wurden sie nicht unterstützt, stattdessen aber persönlich unter Druck gesetzt.

Sie holten sich Hilfe bei der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) Berlin. Im 
Anschluss an ein Skype-Beratungsgespräch mit Gewerkschaftern der FAU-Bildungssektion 
kontaktierten die Wissenschaftlerinnen zunächst den TUB-Personalrat. Dieser bewegte Ende 
Februar die Personalabteilung der TUB dazu, die sofortige Rückreise der drei Kolleginnen 
nach Berlin zu veranlassen.

Dies hat nun negative Konsequenzen: Die Kolleginnen sollen "kaltgestellt" werden. Die 
Lateiname­rikanerinnen werden innerhalb des Projekts isoliert und teilweise fortgesetzt in 
Einzelgesprächen unter Druck gesetzt. Es wird nicht nur versucht, jegliche kritische 
Aufarbeitung der Vorfälle in Uru­guay zu blockieren, die jungen Wissenschaftlerinnen sehen 
nun ihre berufliche Zukunft gefährdet, weil sie die Arbeitsbedingungen im 
Forschungsprojekt infrage gestellt haben.

Der TU Berlin liegt seit einem halben Jahr eine umfangreiche Dokumentation der 
Geschehnisse in Uruguay vor. Auch die anhaltenden Schikanen innerhalb der Forschungsgruppe 
sind den Verant­wortlichen aller Hierarchiestufen bis hin zum TUB-Präsidenten, Christian 
Thomsen, bekannt. Zu wirksamen Reaktionen seitens der Universität hat dies aber nicht 
geführt. Der Grund liegt auf der Hand: Im Rahmen des Formats der 
BMBF-Nachwuchsforschungsgruppe sind mehrere Millionen Euro Fördergelder des Ministeriums 
für Bildung und Forschung (BMBF) persönlich an die Projekt­leitung gebunden. Die 
Projektleiterin scheint deswegen innerhalb der TUB Narrenfreiheit zu genie­ßen.

"Unseres Erachtens ist die TU Berlin verantwortlich für strukturelles Mobbing", 
kommentiert Mika Peters, Sekretär der FAU Berlin, die Situation. "Damit toleriert die 
Universitätsleitung die anhalten­de Verletzung von grundlegenden Arbeitsrechten. Dass die 
Fixierung auf Drittmittel grundlegende Standards außer Kraft setzt, ist sehr bedenklich."

Die Bildungssektion der FAU Berlin fordert von der TU Berlin, dass diese nun endlich ihrer 
Fürsor­gepflicht nachkommt und die Einhaltung von grundlegenden Standards in ihren 
Forschungsgruppen garantiert. Zudem fordert sie die Versetzung der drei betroffenen 
Nachwuchswissenschaftlerinnen an einen anderen Arbeitsplatz ihrer Wahl innerhalb der TU 
Berlin.

Die FAU Berlin hat Klage auf Schmerzensgeld und Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz 
beim Arbeitsgericht Berlin eingereicht und wird die interessierte Öffent­lichkeit über die 
Vorkommnisse in Kenntnis setzen.
https://berlin.fau.org/news/presseinformation-tu-berlin-schikanen-in-nachwuchsforschungsgruppe


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