(de) FDA-IFA, Gai Dao #70 - Die gewaltfreie Revolution Warum Herrschaft und Gewalt 1 den frühen Sozialismus korrumpierten Von: Benjamin

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Sat Oct 22 14:05:28 CEST 2016


Einem Revolution ist gewiß das autoritärste Ding, das es gibt; sie ist der Akt, durch den 
ein Teil der Bevölkerung dem anderen Teil seinen Willen vermittels Gewehren, Bajonetten 
und Kanonen, also mit denkbar autoritärsten Mitteln aufzwingt 2 (Engels) ---- Wenn diese 
erschreckende Revolutionsdefinition Engels' wahr wäre, würde sie sich nicht sonderlich von 
der Definition eines Militärputsches unterscheiden. Einen Militärputsch jedoch als 
Revolution zu betrachten, wäre nicht nur zynisch, sondern würde zudem auch bedeuten, dass 
sie lediglich ein militärischer und formaler Machtwechsel wäre. Für das vergossene Blut 
von Millionen Menschen würde es jedoch keinen Unterschied machen; sie wären ohnehin 
umsonst gestorben. Revolution wäre nichts anderes als Krieg, Kampf um die Vorherrschaft 
des Willens eines Teils der Gesellschaft. Und während im Laufe der Geschichte Millionen in 
blutigen Konflikten ihr Leben verloren, machten es sich im-
mer wieder einige wenige bequem in ihrer errungenen Machtposition,
in ihren Schlössern und Palästen. Doch mehr und mehr begriffen, dass
genau dies das größte Unrecht war. Die Welt, die von jeher allen gehör-
te, wurde sich von wenigen gewaltsam angeeignet und was einst für al-
le da war, gehörte von da an einigen wenigen. Diese bereicherten sich
an den Schätzen der Erde, während die Mehrzahl um ihr Leben schufte-
te. Die ökonomischen Verhältnisse, die eigentlich für alle die gleichen
waren, wurden gewaltsam verzerrt, blieben aber durch ihren Bezug zu
allen seit jeher politisch. Die Revolution sollte, Marx' Auffassung zufol-
ge, die Weltrevolution des Proletariats sein, dessen historische Aufgabe
es gewesen wäre, eine gerechtere, herrschafts- und gewaltfreie Gesell-
schaft aufzubauen, doch - und das wurde ihre größte Herausforderung -
im Idealfall ohne selbst Gewalt anzuwenden und eine neue Herrschaft
zu errichten. Und umso mehr Fehler begangen wurden und umso mehr
Kritik auch aus den eigenen Reihen kam, wurde aus einer stillen Ver-
mutung ein immer klarer erscheinendes Prinzip: Der Zweck heiligt nie-
mals die Mittel! Und auch die edelsten Ziele werden durch die falschen
Mittel korrumpiert. Und bezüglich Herrschaft und Gewalt wurde klar:
Die radikalste Revolution wäre die herrschaftslose und gewaltfreie Revo-
lution!

Diese These möchte ich in diesem Essay im Rahmen des alten Konflik-
tes zwischen den frühen Kommunist*innen und Anarchist*innen be-
gründen und erörtern, warum gerade Herrschaft und Gewalt
Revolutionen und damit auch den frühen Sozialismus korrumpierten.
Die alten gemeinsamen Ideale der Kommunist*innen und Anarchist*in-
nen haben aber an ihrer Aktualität nichts eingebüßt, sie müssen jedoch
immer wieder durch radikale Kritik der immer noch Unterdrückten
eingefordert und im horizontalen Diskurs immer wieder von allen neu
begründet werden.

Das gemeinsame Ziel: Die herrschaftslose Gesellschaft

Im ersten Teil meines Essays soll es zunächst darum gehen, die Prinzi-
pien der frühen Kommunist*innen (Marx/Engels/Lenin) mit denen der
frühen Anarchist*innen (Godwin/Proudhon/Bakunin) zu vergleichen.
Die Bemühungen der späteren Vertreter*innen des kommunistischen
Anarchismus (z.B. Kropotkin oder Berkman), die Ideale der Bewegun-
gen zu vereinen, entsprechen in etwa meinem Anliegen und wurden
später noch von pazifistischen Anarchist*innen wie Tolstoi, Goldman,
Wichmann, de Ligt, Malatesta, Mühsam oder Landauer um die not-
wendige Kritik ergänzt, um die es mir hier gehen soll. Auch Vertre-
ter*innen des kritischen Marxismus veranlassten Annäherungsversuche
an die gemeinsamen Ideale, diese scheinen mir aber leider erst viel spä-
ter die anarchistische Kritik ernst genommen zu haben.

Die Ideale des frühen Kommunismus

"Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revoluti-
on zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ket-
ten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder vereinigt
euch!" 3 (Marx/ Engels)

Diese weltbekannten letzten Zeilen des kommunistischen Manifest of-
fenbaren in wenigen Worten zwei Hauptaspekte der kommunistischen
Idealvorstellung. In ihr enthalten sind bereits die Protagonist*innen der
kommunistischen Weltanschauung: die momentan weltweit herrschen-
de Klasse der wenigen (die Kapitalist*innen) und der ihr gegenüberste-
hende Teil der Gesellschaft der vielen, der Arbeiter*innen, der
Arbeiterklasse, dem Proletariat. Des Weiteren scheint bereits die inter-
nationale Solidarität zwischen den Ausgebeuteten enthalten zu sein,
durch die die Arbeiterklasse mit vereinten Kräften die Machtverhält-
nisse umwälzen kann. Es ist an dieser Stelle vielleicht zunächst einmal
nötig, in einigen wenigen Sätzen die Hauptthesen des von Marx be-
gründeten historischen Materialismus zu beschreiben. Bereits aus einem
frühen Werke Marx' kann der Grundgedanke seiner Erkenntnistheorie
entnommen werden: "Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, son-
dern das Leben bestimmt das Bewusstsein". Gemeint ist, dass allein die
materiellen, die physikalischen Lebensumstände der Menschen deren
Bewusstsein prägen würden und dieses eben keine eigene Geschichte
hat, sondern die Geschichte die Fortsetzung ihrer eigenen materiellen
Bedingungen und dessen Auswirkungen auf die Menschen ist. Darüber
hinaus versuchte Marx wissenschaftlich zu begründen, warum die Aus-
beutung durch die Klasse einer sich selbst gewaltsam bereicherten Min-
derheit (die Kapitalist*innen) notwendig aus der materiellen
Begebenheit der ökonomischen Verhältnisse und ihrer Entwicklung ent-
sprang, dass aber zugleich auch dispositiv die Auflehnung des Proleta-
riats eine notwendige Konsequenz darstellt. In einer Analyse der
Aneignung der Produktionsmittel, der Anhäufung von Schätzen, der
Errichtung des Privateigentums, der Einführung der Währung (des Gel-
des) und der Ausbeutung der Arbeiter*innen in ihrer Entmenschlichung
als Ware durch die Kapitalist*innen zeichnet Marx ein differenziertes,
wissenschaftliches Bild der Macht des Kapitals. Weil aber die aus dieser
Begebenheit entstandenen Machtverhältnisse auf Dauer notwendiger-
weise in die Ausbeutung und Zerstörung der gesamten Menschheit füh-
ren müssten, da die Ressourcen der Erde nicht unerschöpflich sondern
eben endlich sind, folgt aus ihr, laut Marx, auch die notwendige Revo-
lution des Proletariats. Meiner Ansicht nach bedarf es jedoch zuallererst
einer moralischen und politischen Empörung über die ungerechten Ver-
hältnisse. Durch eben diese Empörung entscheidet sich ja die*der Ein-
zelne ob sie*er sich mit der erkannten Ungerechtigkeit abfinden wird
oder ihr eben entschieden entgegen wirken will. Ich bin deshalb über-
zeugt davon, dass "das Kapital" Marx' ohne die ihm zu Grunde liegende
moralische Empörung keine politische Botschaft enthalten würde. Des-
halb will ich an dieser Stelle nun die im Kommunismus begründeten
moralischen und deshalb auch politischen Ideale kurz zusammenfassen:
1. Die Herrschaft weniger über die vielen gilt es abzuschaffen, 2. Der
Staat ist lediglich eine Institution, die der Gesellschaft dienen kann, um
jedem*r so viel Freiheit wie möglich zu verschaffen, jedoch absterben
wird, 3. Das Privateigentum und eine freie Marktwirtschaft gehören ab-
geschafft, da sie das Wohl der Menschheit bedrohen, 4. Die Gleichheit
der Menschen kann nur durch die Abschaffung der Klassengesellschaft
wieder hergestellt werden.

Die Ideale des frühen Anarchismus

"Das Ziel der demokratischen und sozialen Revolution[...]ist, mit ei-
nem Wort, die Rückgabe der Freiheit an Alle, Personen, Kollektivkörper,
Assoziationen, Gemeinden, Provinzen, Regionen und Nationen und die
gegenseitige Garantie dieser Freiheit durch Föderation" (Bakunin)
In der "Zusammenfassung der Grundideen des Revolutionären Kate-
chismus" (1866) beschreibt Bakunin die Ideale seines Revolutionsver-
ständnisses. Indem er den Begriff "Rückgabe" verwendet, spricht er
allen Menschen ihr ursprüngliches Recht auf deren Freiheit und Mitbe-
stimmung zu, welches ihnen durch Gewalt entrissen wurde. Da der Be-
griff Freiheit ein sehr abstrakter ist, lohnt es sich aufzuzählen wovon
aus anarchistischer Position heraus, die Menschen frei sein müssten
(negativer Freiheitsbegriff) und wofür sie ihre eigene Freiheit nutzen
sollten (positiver Freiheitsbegriff). Zunächst eignet sich folgendes Zitat
zur Veranschaulichung des positiven Freiheitsbegriffs Bakunins, wel-
ches er als das "große Prinzip der französischen Revolution" vorstellt:
"daß jeder Mensch die materiellen und moralischen Mittel haben muß,
seine ganze Menschlichkeit zu entfalten". Aus diesem Prinzip würde zu-
dem die Herausforderung einer Organisation der Gesellschaft folgen,
und zwar, sie "so zu organisieren, daß jedes auf die Welt kommende
männliche oder weibliche Wesen ungefähr die gleichen Mittel zur Ent-
wicklung seiner Fähigkeiten und ihrer Nutzbarmachung durch die Ar-
beit vorfindet". Vorher hatte auch schon Proudhon erklärt, dass das Ziel
einer Revolution kein rein "dynastischer" Regierungswechsel sein kann,
sondern dass dieses vielmehr "das Recht, die Waage der Kräfte, die
Gleichheit" sei. Was der Anarchismus idealerweise erreichen will, äh-
nelt also in seiner Konsequenz den Idealen des Kommunismus: Die Ab-
schaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen. Des Weiteren
betonten aber schon damals die ersten Anarchist*innen, dass sie unter
Herrschaft eben auch erzwungene Autorität begriffen, die nicht auf
freiwilliger Anerkennung beruhe. Eine Bevormundung einer oder meh-
rerer Personen über Andere durch gewaltsame Unterdrückung wider-
spricht demnach prinzipiell dem anarchistischen Ideal. Insbesondere die
Kritik an der Institution Staat als reines Machtinstrument einer herr-
schenden Klasse und dessen exekutiven Institutionen wie Militär, Poli-
zei oder Gefängnis war von Anfang an Teil der anarchistischen
Positionen. Diese radikale Kritik traf jedoch schon bald auf scharfe Re-
aktion von allen Seiten, wurde von kommunistischer Seite jedoch am
härtesten von Lenin formuliert: Er wirft den Anarchist*innen ein "drei-
faches Nichtbegreifen" vor: Das "Nichtbegreifen der Ursachen der Aus-
beutung", das "Nichtbegreifen der gesellschaftlichen Entwicklung" und
das "Nichtbegreifen des Klassenkampfes". Und auch Marx und Engels
schienen sich besonders bedroht gefühlt zu haben von den als utopisch
und illusorisch verurteilten Idealen der ersten Anarchist*innen. So kam
es dazu, dass sie sich während der Verfestigung ihrer Sozialismuskon-
zeption immer mehr von der libertär-sozialistischen Strömung provo-
ziert fühlten und es sich nicht nur in theoretischer Hinsicht zur
Aufgabe machten, sich von den Anarchist*innen zu distanzieren. V.a.
setzten sie sich literarisch mit Proudhon und Max Stirner auseinander,
dessen "anarchistischer Individualismus" jedoch ebenfalls umstritten
ist. Leider konnte es so auch dazu kommen, dass in der späteren mar-
xistischen Literatur verurteilende Schlussfolgerungen gezogen wurden
wie etwa die des Herausgebers des marxistischen Sammelbandes "Über
den Anarchismus" Hans Adamo, dass nämlich bewiesen wäre, "daß die
Theorie und Praxis des Anarchismus ausschließlich den Feinden der
Arbeiterklasse" diene und dass der Anarchismus lediglich eine "bürger-
liche Ideologie", ein "Produkt des Kapitalismus" und "dogmatisch und
wissenschaftsfeindlich" sei.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Alle Vertreter*innen der beiden politischen Philosophien waren also
mehr oder weniger davon überzeugt, dass die Welt so wie sie war, nicht
bleiben sollte, da die Menschen auf ihr in unwürdigen Verhältnissen
lebten. Eine ideale Gesellschaft wäre aus beiden Perspektiven heraus
konsequenterweise eine Gesellschaft ohne Herrschaft und Ausbeutung.
Beide Strömungen teilten die Ansicht, dass die Ursache für die Unge-
rechtigkeit unter den Menschen einerseits das Aufkommen der Macht
des Kapitals war anderseits aber auch die dieser zu Grunde liegende
konkrete Gewaltanwendung und Ausbeutung der vielen durch die we-
nigen. Alle wollten die Abschaffung der Klassengesellschaft, die Zer-
störung der alten Ordnung und die Errichtung einer neuen besseren
Gesellschaft, die Befreiung, die Revolution. Doch als es um die konkrete
Frage ging, wie denn diese Gesellschaft nach der Revolution genau aus-
sehen würde, verfielen sie in unterschiedlichste Lager und Positionen
und ein langer und schwerwiegender Diskurs über die ideale Gesell-
schaft nahm seinen Lauf. Der Umsturz allein konnte also die Revolution
nicht sein. Denn wie es nun vielleicht ersichtlich wird, ist es nicht nur
möglich, sich über ideale Gesellschaftsverhältnisse zu streiten, sondern
eben auch - und das ist vielleicht der weit schwerwiegendere Teil - über
die geeigneten Mittel einer radikalen Veränderung. Selbst der marxisti-
sche Philsoph Étienne Balibar schreibt hierzu in seinem Text über den
sogenannten "Bakunismus": "Das Problem bleibt, zugleich 'die Macht zu
erobern' und kollektiv eine 'andere Praxis der Politik' zu erarbeiten, die
sich von denjenigen unterscheidet, die der Staat formalisiert"

Die vorgeschlagenen Mittel

Ich werde nun jeweils drei frühe Vertreter (leider nur Männer) der je-
weiligen Strömung mit einem Zitat und einer persönlichen Positionie-
rung zu den Mitteln der Revolution also auch der Gewaltfrage
vorstellen. So soll es möglich sein die verschiedenen Ideen der frühen
Vertreter*innen beider Strömungen differenzierter zu betrachten. Wäh-
rend dieser Auseinandersetzung sollte aber nicht vergessen werden,
dass auch in diesem Diskurs viel zu viele Stimmen und Perspektiven
nicht repräsentiert worden sind bzw. aktiv unterdrückt wurden. Zudem
wird es auch um die Frage gehen, ob eher von einer erneut höher ge-
stellten Position aus oder vielmehr durch eine immer wieder von unten
ausgehenden politischen Aktion die Mittel einen revolutionäreren Ef-
fekt haben würde.

Die vorgeschlagenen Mittel der frühen Kommunist*innen

"...daß der erste Schritt in der Arbeiterrevolution die Erhebung des Pro-
letariats zur herrschenden Klasse[...]ist. Das Proletariat wird seine po-
litische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles
Kapital zu entreißen, alle Produktionsmittel in den Händen des Staats,
d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisie-
ren" 4 (Marx / Engels)

Diese Zeilen des von Marx und Engels gemeinsam verfassten Manifests
entsprechen in etwa der viel umstrittenen Formulierung der "Diktatur
des Proletariats" obwohl dieser Begriff selten wirklich in dieser Form im
Werke Marx' verwendet wurde. Wenn klar war, dass die Bourgeoisie-
diktatur gestürzt werden muss, schien für Marx ebenfalls klar zu sein,
dass das Proletariat die Herrschaft in einer Art "Übergangsphase" vor-
erst übernehmen muss, um so die wirtschaftliche und aber auch politi-
sche Neuorganisation zu veranlassen. Aus Aufzeichnungen zweier
Reden Marx' auf der Londoner Konferenz der Internationalen geht so-
wohl hervor, dass "Arbeiter in die Parlamente bringen[...]gleichbedeu-
tend mit einem Sieg über die Regierungen" ist, als auch, dass "auf
friedlichem Wege gegen" die bürgerlichen Regierungen vorgegangen
werden soll, "wo[...]das möglich sein wird" "und mit den Waffen falls
es notwendig sein sollte". Sicherlich muss auch die "Expropriation", also
die Enteignung des Privateigentums der wenigen durch den Staat als
Mittel der kommunistischen Revolution betrachtet werden. Dieser ist
auch der erste von zehn Punkten die im Manifest als Maßregeln, "als
Mittel zur Umwälzung der ganzen Produktionsweise" vorgestellt wor-
den sind. Die weiteren Punkte sind u.a. die Zentralisation durch eine
Nationalbank (5.) des Transportwesens (6.), die Abschaffung des
Erbrechts (3.), die öffentliche und unentgeltliche Bildung (10.) aber auch
der gleiche Arbeitszwang für alle (8.). Hierbei lohnt es sich zu erkennen,
inwiefern Begriffe wie Autorität und Zwang oder auch Herrschaft und
Gewalt schon immer im Zentrum der Streitigkeiten und Kämpfe zwi-
schen den Befürworter*innen der Revolution standen. Was für die einen
die notwendigen Mittel zur Umwälzung der Gesellschaft waren, verrie-
ten für andere bereits in ihrer Konzeption ein autoritäres Eingreifen in
die Wege der Revolution. An dieser Stelle wird allerdings auch eine
Schwachstelle eines solchen Vorwurfs deutlich, wenn er denn jede Ent-
scheidung schon vor ihrer Verwirklichung als autoritär verurteilen
würde. Wahrscheinlich war auch dies die eigentliche Bedrohung, die die
Kommunist*innen empfunden haben. Deshalb eignet sich die Betrach-
tung der Begriffe Herrschaft und Gewalt auch besser als der Begriff Au-
torität, um die Kritik besser und rationaler zu beurteilen. An dieser
Stelle ist darum schon ein Gedanke William Godwins von Bedeutung
nach welchem "Herrschaft[...]nichts anderes als regulierte Gewalt" ist.
Nun aber erst einmal zu den Positionen Engels:

"Wir wollen die Abschaffung der Klassen. Was ist das Mittel, um dahin
zu gelangen? Die politische Herrschaft des Proletariats.[...]Die Revolu-
tion[...]ist der höchste Akt der Politik, und wer sie will, muß auch das
Mittel wollen - die politische Aktion" 5 (Engels)

Engels verfasste diese Gedanken als eine Reaktion auf Anklagen, sich
nicht in die parlamentarische Politik einzumischen. Es geht ihm hierbei
darum zu verdeutlichen, dass eine "absolute Abstention in Sachen der
Politik[...]" schlichtweg "unmöglich" ist. Allerdings wäre es hier von
besonderer Bedeutung, zwischen Politik im Sinne sozialer Interaktion,
die natürlich jede*n einbezieht, und der sogenannten "Realpolitik", ei-
ner eigentlich bloßen Herrschaftsausübung, zu unterscheiden. Man
könnte durchaus jede Art von Politik als ein Aushandeln innerhalb von
Machtverhältnissen verstehen, was jedoch außer Acht lassen würde,
dass konkrete Gewalt und die daraus resultierende Herrschaft einen
konkreten Effekt auf eben diese Verhältnisse hat. Schließlich waren es
immer die konkrete Gewalt und Herrschaft, die die Empörung der
Menschen hervorgerufen haben, bzw. unterbunden haben. Ein Dialog,
ein Diskurs, eine Debatte, eine derartige Politik müsste aber die Empö-
rung implizieren und selbst im Diskurs stets optimiert werden. An die-
ser Stelle aber noch die Einschätzung Engels' zur Gewaltfrage in der
Revolution. In einem Brief an einen gewissen Carlo Terzaghi schreibt er:

"Ich kenne nichts Autoritäreres als eine Revolution, und wenn man sei-
nen Willen den anderen mit Bomben und mit Gewehrkugeln aufzwingt,
wie in jeder Revolution, dann scheint mir, daß man Autorität ausübt." 6
(Engels)

Die Revolution, von der er spricht, beinhaltet demzufolge also auch die
konkrete Gewalt. Und um es vielleicht noch deutlicher zu sagen, den
politischen Mord. Dieser später geprägte Begriff veranschaulicht sehr
deutlich um was es mir in diesem Essay geht. Der politische Mord ist
nämlich genauer betrachtet eher der Mord an der Politik selbst . Nun zu
Lenin:

"Sollte aber die absolutistische Regierung wirklich gestürzt werden, so
muß sie durch eine andere ersetzt werden.[...]Sie kann nur eine Diktatur
sein, d.h. nicht eine Organisation der 'Ordnung', sondern eine Organisa-
tion des Krieges. Wer eine Festung stürmt, kann, auch nachdem er sie in
seinen Besitz gebracht hat, nicht auf die Fortsetzung des Krieges ver-
zichten." 7 (Lenin)

Aus diesen Zeilen geht wohl mit aller Deutlichkeit hervor, dass die Re-
volution Lenins dem Krieg entspricht als auch, dass der angestrebte Zu-
stand nach dem Kampf weiterhin der Bedrohung eines militärischen
Konfliktes ausgesetzt wäre. Die eigentliche Befreiung der Gesellschaft
und das von Marx prophezeite "Absterben des Staates" wurde von Le-
nin nun noch weiter aufgeschoben, obwohl er diesen Idealzustand wei-
terhin fokussierte. Nun bleibt es zu erörtern inwiefern sich die frühen
anarchistischen Perspektiven von den kommunistischen unterschieden,
wenn sich doch jeweils beide Seiten Utopie, Illusion, Autorität, Herr-
schaftsdrang und Gewaltanwendung vorwarfen. Der Krieg, die bitterste
Form der formalisierten Gewalt, und mit ihm die Herrschaft über den
Menschen, konnte jedenfalls auch bis dahin noch nicht überwunden
werden.

Die vorgeschlagenen Mittel der frühen Anarchist*innen

"Wir werden viele Reformen haben, aber keine Revolutionen.[...]Revo-
lutionen sind das Produkt der Leidenschaft, nicht aber der nüchternen
und ruhigen Vernunft.[...]Revolutionen sind ein Kampf zwischen zwei
Parteien, von denen jede von der Gerechtigkeit ihrer Sache überzeugt ist,
ein Kampf, der nicht durch einen Kompromiß oder geduldige Ermah-
nungen entschieden wird, sondern allein durch die Gewalt." 8 (Godwin)
William Godwin, der als "der erste Vertreter des modernen Anarchis-
mus" und "dessen weitblickendster Theoretiker" bezeichnet worden ist,
hat bereits fast 100 Jahre vor dem Erscheinen des "Kapitals" eine Analy-
se der "politischen Ungerechtigkeit" vorgenommen, die bereits einige
prägnante Positionen bezüglich der Ausbeutung der Menschen, des Ei-
gentums, der Herrschaft und der Gewalt enthält. Wie aus dem vorange-
stellten Zitat hervorgeht, hält Godwin nichts von einer rein
kriegerischen Revolution, die eher den revolutionären Prozess des ge-
meinsamen Diskurses aufhalten würde, als dass sie ihn beschleunigt.
Darüber hinaus würde eine argumentative Diskussion schlichtweg
durch konkrete Gewaltanwendung beendet und somit die Politik ihrer
eigenen Basis beraubt werden, die Politik beendet. Es würde der Mord
der Politik sein. Einen ganz entscheidenden Unterschied zum
Marx'schen "Kapital" bspw. besteht v.a. im Fehlen der Unterscheidung
der Gesellschaft in zwei kategorisch feststehende Klassen, die laut
Marx' gegeneinander bis zum erbitterten Ende kämpfen müssten. Was
den Reichtum der Erde und den Wohlstand der Menschen betrifft "for-
dert Godwin nicht die Kollektivierung des Eigentums oder die Abschaf-
fung des Privateigentums[...]sondern die gleichmäßige Verteilung
desselben an alle Menschen." Eine Forderung, die später Kropotkin ähn-
lich in seinem Essay "Der Wohlstand für alle" reformulieren wird, ob-
wohl sich dieser sehr wohl für die Abschaffung des Privateigentums
aussprach. Doch nun zu einem anderem Vertreter des Anarchismus des-
sen Werke und Positionen insbesondere für Marx seit jeher eine Provo-
kation darstellten: Proudhon. Über die Revolution heißt es bei ihm:

"Sie hat keine Eroberungen durchzuführen, keine Nationen zu knechten,
keine Grenzen zu schützen, keine Festungen zu bauen, keine Armee zu
ernähren, keine Lorbeeren zu pflücken, kein Übergewicht zu behaupten.
Ihre Außenpolitik besteht darin, als Vorbild zu dienen." 9 (Proudhon)

Die "Legitimität" der Revolution "mißt er daran", so schreibt Ingeborg
Brandies über Proudhon "ob sie 'natürlich, friedlich und historisch be-
gründet ist'". "Sie zu unterdrücken erscheint ihm ebenso tyrannisch, wie
sie mit Gewalt zu machen." Der theoretische Konflikt zwischen Proud-
hon und Marx kann v.a. durch die Lektüre Proudhons Schrift "Philoso-
phie de la misère" und Marx' Reaktion darauf in seiner Schrift "Das
Elend der Philosophie" nachvollzogen werden. Auch in Briefen an
Proudhon hält ihn Marx trotz der Anerkennung seiner Vorarbeit für den
"wissenschaftl. Sozialismus" für einen "Kleinbürger" und meint über
ihn, dass "er die gegenwärtigen sozialen Zustände in ihrer Verkettung
[...]nicht begriffen hat". Wahrscheinlich wird v.a. die Betonung Proud-
hons auf die "landwirtschaftlich-industrielle", die "politische Föderation
oder Dezentralisierung" und die Weigerung einer Parteiorganisation der
sozialistischen Bewegung den ausschlaggebenden Reiz bei Marx ausge-
löst haben. Erst mit Bakunins Modell des kollektivistischen Anarchis-
mus jedoch wird die sozialistische Bewegung innerhalb der
Internationale endgültig in ihre drei Strömungen geteilt: Diese Strö-
mungen entwickelten aus der jeweiligen Perspektive jeweils Selbstbe-
zeichnungen oder Fremdbezeichnungen, wobei bestimmte
Verbindungen der Theorien noch nicht berücksichtigt worden sind. Ei-
ne relativ gängige Unterteilung wäre bspw. die im Aufsatz von P. Con-
nor und S. Leitz vorgenommene in 1. Sozialdemokrat*innen ,
2. Anarchist*innen und 3. Marxist*innen . Außerdem ist die Unterteilung
in demokratische, parlamentarische oder "bürgerliche" Sozialist*innen
(Sozialdemokrat*innen), "libertäre", "antiautoritäre", "revolutionäre" So-
zialist*innen (Anarchist*innen) und "wissenschaftliche", "dialektische",
"marxistische" "autoritäre", "doktrinäre" oder "orthodoxe" Sozialist*in-
nen (Kommunist*innen) üblich. Wie man sieht, ein Feld voller Perspek-
tiven und Strömungen mit ein und dem selben Ideal aber
unterschiedlichsten Positionen zu den Mitteln und der Organisation der
Revolution und der angestrebten befreiten Gesellschaft. Positionen wie
die des Syndikalismus (Gewerkschaftlicher Kommunismus von Sorel),
des Anarchosyndikalismus (Souchy, Durriti, Ramus...) oder des kommu-
nistischen Anarchismus (Kropotkin, Berkman) sind hier noch nicht ein-
mal mit einbezogen. Kommen wir deshalb wieder zurück zu Bakunin,
einem ebenfalls sehr umstrittenen und in seiner Betonung der unmittel-
baren Zerstörung einzigartigem Vertreter des Anarchismus:

"Die Befreiung des Volkes wünschen, heißt die schonungslose Zerstö-
rung der ganzen Ordnung des Staates, die Vernichtung aller sozialen
Verhältnisse, aller Kräfte, Mittel, Dinge und Leute, aufdenen die Macht
des Reiches beruht" 10 (Bakunin)

Bei dieser Ansage wurde vermutlich nicht nur den russischen Aristo-
krat*innen Angst und Bange. Bakunin schien die von Brousse entwi-
ckelte Theorie der "Propaganda der Tat" in jedem Falle in die Praxis
umsetzen zu wollen. In seinem Essay "Die Prinzipien der Revolution"
(1869) vertritt er ähnlich wie Marx die Perspektive "daß nur eine gewal-
tige Umwälzung, ein Kampf auf Leben und Tod zwischen den Genie-
ßenden und den Unterdrückten die entstellte Welt erneuern könne" in
welchem er später auch sehr harte Schlüsse zieht:

"Die Revolution heiligt alles in diesem Kampfe!" "Die jetzige Generation
muß[...]unaufhaltsam den Weg der Zerstörung gehen. Der gesunde,
unverdorbene Verstand der Jugend muß begreifen, daß es bedeutend
menschlicher ist, Dutzende, ja Hunderte von Verhaßten zu erdolchen
und zu ersticken, als sich im Verein mit ihnen sich an systematischen,
gesetzlichen Mordtaten, an dem Quälen und Martern von Millionen von
Bauern zu beteiligen." 11 (Bakunin)

Von diesen Vergeltungsphantasien abgesehen, sollte dennoch auch an
den positiven Effekt Bakunins radikaler Herrschaftskritik angeknüpft
werden. In seiner Schrift "Sozialismus und Freiheit" bringt Bakunin die-
se Kritik an den frühen Kommunist*innen auf den Punkt:

"Sie behaupten, nur eine Diktatur - selbstverständlich die ihre - könne
zur Entstehung eines Volkswillens führen, während wir darauf erwi-
dern: Keine Diktatur kann ein anderes Ziel haben als ihre eigene Perpe-
tuierung[...]Freiheit kann nur durch Freiheit geschaffen werden, d.h
durch eine allumfassende Rebellion von seiten des Volkes und freie Or-
ganisation der arbeitenden Massen von unten nach oben" 12 (Bakunin)
Diese radikale Kritik als kategorischen Imperativ für jede revolutionäre
Bewegung ernst zu nehmen, ist auf jeden Fall eine Anerkennung Ba-
kunins Einfluss auf den Anarchismus, den Sozialismus und die Revolu-
tionstheorie wert. "Es ist die alte Geschichte: Macht korrumpiert selbst
die intelligentesten und hingebendsten Männer wie Marx, Engels und
einige andere[...]dominierende Männer". "Das Übel" so Bakunin über
Marx "liegt in dem Suchen nach Macht, in der Liebe nach Herrschaft,
dem Durst nach Autorität". Das gegenseitige Vorwerfen von Herr-
schaftssucht und die persönliche Verleumdung und Missachtung gegen-
einander endeten schließlich auch leider bei Bakunin in einem
Dominanzverhalten, welches sich nicht gerade von den bisherigen krie-
gerischen Auseinandersetzungen des patriarchalischen Machtkampfes
unterschied. "Die Fixierung auf den 'großen Streit'" so beschreibt es
auch Antje Schrupp "verdeckt nämlich, dass Marx und Bakunin an
zahlreichen Punkten durchaus einer Meinung waren - viele andere In-
ternationale aber nicht" und "man fragt sich, ob der Einfluss der sozia-
listischen Idee in Europa nicht größer hätte sein können, wenn sie
weniger rüpelhafte und sich selbst überschätzende Helden gehabt hät-
te." Diese zeitgenössische Kritik Schrupps anzuerkennen und dadurch
die beiden selbst erklärten Helden von ihrem hohen Ross zu holen,
könnte vielleicht dazu beitragen, dem Vorschlag Philippe Kellermanns
näher zu kommen, nach dem es zwischen Marxist*innen und Anar-
chist*Iinen "einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe" bedarf "bei dem
alle Beteiligten ihre Stärken und Schwächen selbstbewusst einzubringen
vermögen". Dieser Diskurs auf Augenhöhe kann jedoch nur möglich
sein, wenn in ihr die Freiheit und Mitbestimmung einer*s jeden Einzel-
nen*r gewährleistet ist. Aus diesem Grund möchte ich nun zum Ab-
schluss dieser Arbeit durch die Kritik der Herrschaft und Gewalt die
Mittel der behandelten Theorien vergleichen und meine Anfangs vor-
gestellte These unterstreichen, dass eben gerade Herrschaft und Gewalt
die Ursachen für den Verderb der revolutionären Ideale sind, welche ih-
nen zum Trotz aber glücklicherweise überlebt haben und überleben
werden.

Schlussteil - Die gewaltfreie Revolution

"Indessen waren zu keiner Zeit der Existenz von Menschen Kriege der
normale Zustand des Lebens. Während die Krieger sich gegenseitig aus-
rotteten und die Priester ihre Gemetzel segneten und feierten, während
dessen setzten die Massen ihr tägliches Leben fort" 13 (Kropotkin)
Diese Zeilen Kropotkins will ich nun zur Verstärkung meines Argu-
mentes nutzen und die Parallele zur gewaltsamen Revolution ziehen.
Meiner Ansicht nach könnten an Stelle der "Kriege" ebenfalls die "ge-
waltsamen Revolutionen" stehen. Denn für die Opfer, die während der
Auseinandersetzungen der Mächtigen (und deshalb eben auch der re-
volutionären "Führer*innen") wieder ihr Leben lassen mussten, spielt
es, meiner Ansicht nach, überhaupt keine Rolle, warum sie gestorben
sind. Denn der Tod kann mit nichts bezahlt werden. Der Tod ist das
Aus, das Aus der Politik, der Mord der Politik . Für die Toten hat das Le-
ben keine Bedeutung mehr. War denn nicht jede*r Tote eine*r zu viel?
Nur die Lebenden interessieren sich doch für die Verbesserung ihrer
Verhältnisse, für die Abschaffung der Herrschaft und die Anerkennung
ihrer Freiheit. Selbst für ein Hinterlassen der Erde in einem annehmba-
ren Zustand für die folgenden Generationen können sich nur die Le-
benden aussprechen. So naiv es vielleicht auch scheint: Eine Revolution
macht doch nur Sinn wenn Keine/r für sie töten oder sterben muss! Die
konkrete Gewalt darf innerhalb einer emanzipatorischen Bewegung
niemals eine organisierte Form annehmen. Hier offenbart sich abermals
der entscheidende Unterschied zwischen Macht und Gewalt. Macht ist
die Position, die ursprünglich alle gleich teilen bzw. untereinander frei-
willig austauschen. Gewalt hingegen ist die Ausnutzung dieser Macht-
position für den eigenen Willen über den Willen der Anderen hinweg
und die Verunmöglichung ihres Widerstandes. Herrschaft wäre demzu-
folge lediglich das aus dieser Gewaltanwendung resultierende Macht-
verhältnis. Auch ein Slogan wie: "Keine Macht für Niemand!" würde
dem emanzipatorischen Idealen nicht gerecht werden, da es ja vielmehr
darum gehen müsste "Soviel wie möglich gleiche Macht für Alle!" zu
beanspruchen bzw. darum Machtpositionen und Vertrauen nicht auszu-
nutzen und sie nicht durch Gewalt zu Herrschaft umzuwandeln. "Keine
Herrschaft für Niemanden!" entspräche demnach den gemeinsamen
Idealen um so deutlicher. Und um noch einmal auf die Problemstellung
Balibars zurückzukommen, nämlich der Frage nach der kollektiven an-
deren "Praxis der Politik, die sich von denjenigen unterscheidet, die der
Staat formalisiert" kann nun abschließend in zwei Punkten eine Ant-
wort vorgeschlagen werden: Zum einen müsste eine solche neue Politik
eine Politik sein, die in ihrer Konsequenz wirklich Keine/n ausschließt
und zum zweiten dürfte sie in ihren Mitteln niemals organisierte Ge-
walt anwenden um die Ursache zu bekämpfen durch die Wenige erneut
eine Machtposition erlangen würden und aus der heraus sie eine neue
Herrschaft errichten könnten. Eine Revolution, so lässt es sich nun zu-
sammenfassend sagen, muss also um wahrhaftig radikal zu sein herr-
schaftslos und gewaltfrei sein.

Literaturverzeichnis

Marx/ Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. Verlag Marxisti-
sche Blätter 1980
Marx /Engels /Lenin: Über den Anarchismus. Verlag Marxistische Blät-
ter 1976
Kritisches Wörterbuch des Marxismus. 2.Aufl., Argument-Verlag 1983,
u.a. Ètienne Balibar zum "Bakunismus"
Von Borries / Weber-Brandies(Hg.) Anarchismus - Theorie, Kritik, Uto-
pie. Verlag Graswurzelrevolution 2013
Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften.
Ullstein 1972
Kropotkin, Peter: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt.
Alibri Verlag. 2011
Kellermann, Philippe k.A.: "...ein auf ewig verpasster Zug? Über die
Möglichkeit und Notwendigkeit eines anarchistisch/marxistischen Dia-
logs auf Augenhöhe."
Connor, P. / Leitz, S. 2009: "Marxismus oder Anarchismus? Eine Kritik
am Anarchismus"
Schrupp, Antje 2011, "Den 'Kampf der Giganten' Marx/Bakunin hat es
so nie gegeben"


[1]Mit Gewalt ist hier konkrete, organisierte, herrschaftsausübende Gewalt gegen Personen 
gemeint (körp. Übergriff, Folter, Freiheitsentzug, Mord etc.); situationsbedingter, 
gewaltsamer
Widerstand als konkrete Verteidigung gegen konkrete Gewalt kann meiner Ansicht nach in 
vielen Fällen gerechtfertigt sein; "Gewalt"gegen Gegenstände halte ich nicht für Gewalt
[2]Engels, Friedrich: ,Von der Autorität' in "Marx / Engels / Lenin: Über den Anarchismus. 
Marxist. Blätter 1976, S. 127, Z.20-24
[3]Marx/ Engels: "Manifest der Kommunistischen Partei."Marxist. Blätter 1980, S.83, Z. 6-10
[4]Marx/ Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. Marxist. Blätter 1980, S.66, Z.24-32
[5]Engels: "Über die politische Aktion der Arbeiterklasse"Marx/ Engels/ Lenin: Über den 
Anarchismus. Marxist. Blätter 1976, S.98, Z.15-22
[6]Engels: "Engels an Carlo Terzaghi"in Marx/ Engels/ Lenin: Über den Anarchismus. 
Marxist. Blätter 1976, S.110, Z.2-6Gai Dào
[7]Lenin: "Referat über die Teilnahme der Sozialdemokratie an einer provisorischen 
Regierung"in Über den Anarchismus. Marxist. Blätter 1976, S.190, Z.28-37
[8]Godwin: "Über die politische Gerechtigkeit"1793, in Von Borries/ Weber-Brandies (Hg.) 
"Anarchismus - Theorie, Kritik, Utopie". Verlag Graswurzelrevolution 2013, S.39, Z.8-24
[9]Proudhon: "Kleiner politischer Katechismus"in Von Borries / Weber-Brandies (Hg.) 
"Anarchismus - Theorie, Kritik, Utopie". Verlag Graswurzelrevolution 2013, S.66, Z.20-2426
[10]Bakunin: "Die Aufstellung der Revolutionsfrage (1869)"in Staatlichkeit und Anarchie 
und andere Schriften. Ullstein 1972, S.97, Z.12-15
[11]Bakunin: "Die Prinzipien der Revolution (1869)"in Staatlichkeit und Anarchie und 
andere Schriften. Ullstein 1972, S.105, Z.16-22
[12]Bakunin: "Sozialismus und Freiheit"in Von Borries/ Weber-Brandies "Anarchismus - 
Theorie, Kritik, Utopie". Verlag Graswurzelrevolution 2013
[13]Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt. Trotzdem 
Verlagsgenossenschaft. 2011, S.104, Z.4-7


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