(de) FDA-IFA, Gai Dao #70 - Einladung zum Kongress "Anarchistische Pers­pektiven auf die Wissenschaft" Von: Vorbereitungskreis

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Fri Oct 21 10:10:43 CEST 2016


Liebe Interessierte, ---- im Laufe ihres Lebens eignen sich alle Menschen auf 
unterschiedlichste Arten und Weisen Wissen an. ---- Nach persönlichen Interessen oder auch 
nach alltagspraktischen Erfordernissen entstehen Wunsch oder Notwendigkeit, zu lernen, zu 
verstehen und unabhängig handlungsfähig zu sein. Im Alltag ist es schwer, darin eine 
Praxis außerhalb von gesellschaftlich institutionalisierten Wegen, fernab von den dafür 
vorgesehenen Orten oder Formen, über vorgegebene Themenbereiche hinaus zu leben. ---- Zu 
sehr ist der Zugang zu Wissen an die vorherrschende Grundordnung gebunden, die in dem 
jeweiligen Teil der Gesellschaft, in der mensch sich befindet, regiert - sind Zeit, Geld 
oder das Milieu Faktoren die grundlegend zu bestimmen scheinen, in welchem Umfang, in 
welcher Qualität und wie selbstbestimmt gelernt werden kann.

Wissensinstitutionen wie Kindergärten, Schulen, Betriebe/Hochschulen
sind dabei der Reproduktion der gesellschaftlichen Verhältnisse ver-
pflichtet und zunehmend auch ausschließlich der eigenen ökonomi-
schen Verwertung in einer neoliberal kapitalistischen Ideologie folgend.
Wissenschaft trägt zum Festlegen von Menschengruppen auf vermeint-
lich nachweisbare und objektive Kerneigenschaften bei, welche ewig
und unveränderlich angelegt sind. Gruppierungen werden nach Eigen-
schaften der Essenz kategorisiert, die auf problematischen Kriterien wie
Geschlecht, sexuelle Orientierung, Rasse, Ethnizität, nationaler
und/oder sozialer Herkunft basieren.

Wenn Wissenschaft somit als die Institutionalisierung von Wissen, als
Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse verstanden werden kann, so ist
sie und die aus ihr entstehende Wissensproduktion weder frei von Herr-
schaftsverhältnissen, noch ist sie in der Auswahl ihrer
Beschäftigungsfelder und ihrer angewandten Methoden und Techniken
wirklich frei.

Es wäre auch möglich, dass bisher über Wissenschaft Geschriebene nur
als den akademisierten Teil dessen, was unter dem Begriff verstanden
werden kann, zu verstehen. Gibt es doch in jedem Bereich der Gesell-
schaft Lücken bzw. Räume, die nicht vollständig unter Kontrolle oder
von einer Herrschaftslogik durchzogen sind, sogar in einem kleinen Teil
an den Hochschulen.

Außerhalb dieser lässt sich durchaus in den sozialen Bewegungen eine
Wissensproduktion erkennen. So könnte Wissenschaft auch unabhängig
von den einzwängenden Institutionen verstanden werden, sich der Ver-
einnahmung durch ein ökonomisch ausgerichtetes Herrschaftssystem
entziehend: Eigeninitiatives Aneignen, Weitergeben und Weiterentwi-
ckeln von Wissen, dass sich jeglicher Repräsentation, Kommerzialisie-
rung und Begrenzung durch Privilegierte in dieser Form entzieht.

Daraus ergeben sich interessante Themenfelder, von denen Wege zu ei-
ner anarchistischen Wissenschaft, Forschung zu anarchistischer
Ideengeschichte und anarchistische Analyse/Betrachtung von wissen-
schaftlichen Erkenntnissen als grober Rahmen ausgewählt wurden.
Zu Vertiefung, Diskussionen und Weiterentwicklung lädt vom 28.-
30.10.2016 der Kongress "Anarchistische Perspektiven auf die Wissen-
schaft" mit Vorträgen, Workshops und Gesprächskreisen nach Hamburg
ein. Dieser möchte als Ergebnis seinen ganz eigenen Beitrag zu den
Thematiken leisten und ein offener und angenehmer Begegnungsort
sein.

Wo ist der Ort für eine anarchistische Wissensaneignung/-vermittlung?
Welche bestehenden oder zukünftigen Formen können als anarchisti-
sche Wissensaneignung und Theorieproduktion gelten? Welche Wege
können diesbezüglich den eigenen Idealen gemäß gegangen werden?
Wie kann die lange anarchistische Ideengeschichte angemessen er-
forscht und zugänglich gemacht werden? Was können brauchbare an-
archistisch-wissenschaftliche Methoden sein? Was können
Anarchist*innen aus der Wissenschaft an Erkenntnissen zur Weiterent-
wicklung der eigenen Ideen nutzen?

Diese und viele andere Fragen bilden einen inhaltlichen Rahmen für
das Programm, das unter www.a-perspektiven.org eingesehen werden
kann.

Herzlichst
Eure diesjährige Vorbereitung


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