(de) FDA-IFA, Gai Dao #70 - Chilenische Gemeinden im Kampf gegen den Staudamm von Relaves Talabre Von: El Sol Ácrata /Übersetzung: Benjamin

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Sat Oct 8 09:10:58 CEST 2016


Anmerkung der Redaktion: Aufgrund einer Bitte unserer Freund*innen der anarchistischen 
Zeitschrift "El Sol Ácrata" aus Chile haben wir diesen Artikel über den aktuellen 
Kampfgegen den Bau eines Staudamms und den Widerstand der lokalen Gemeinden übersetzt. 
Dieser erschien erstmals im April 2016 in der 31. Ausgabe von "El Sol Ácrata" und wurde 
außerdem auf dem anarchistischen Blog "Theory without borders" aufEnglisch veröffentlicht. 
---- Dieser Artikel soll einen der vielen territorialen Konflikte in der Atacamawüste in 
Chile vorstellen, die von verschiedenen kapitalistischen (internationalen und 
chilenischen) Unternehmen verursacht werden, welche die natürlichen Ressourcen der Region 
ausbeuten und das Land und Leben der lokalen Gemeinden zerstören. Wir hoffen, dass dieser 
Artikel auf Webseiten oder in Zeitschriften von ausgewählten aktiven Gruppen weltweit 
zirkulieren wird, die sich bewusst sind, dass der Kapitalismus ausbeutet und mordet aber 
sich eben nicht alles auf der Welt
kaufen lässt. Die Atacama-
wüste ist mehr als ein schö-
nes, touristisches Postkarten-
motiv. Deshalb senden wir
diese Botschaft aus jeder Ecke
der Bucht von Antofagasta:
Gegen die Ausbeutung von
Aktivist*innen und für deren
Autonomie und deren Kämp-
fe!

Wir teilen diesen Artikel, in
dem aus geopolitischer Sicht
über das problematische Pro-
jekt "RT-Sulfuros" berichtet
wird, welches unter anderen
fatalen Folgen v.a. den Aus-
bau des Staudammes von Re-
laves in der Salzwüste von
Talabre plant, aber auch An-
klageverfahren gegen Akti-
vist*innen und den Ausbau
der wirtschaftlichen Infrastruktur der Gegend herbeiführen will. Die
Initiativen des Mega-Bergbau-Projektes werden aber lediglich die Aus-
beutung der natürlichen Ressourcen verschlimmern und beabsichtigen
u.a. die Enteignung der Gemeinden der Atacamawüste im trockenen
Norden Chiles. Deshalb unser Kampf für die Erde und gegen den Mega-
Bergbau!

Seit ein paar Monaten haben sich die Gemeinden von Chiu Chiu und
Calama zusammengefunden, um gegen die Absegnung des "RT-Sulfu-
ros"-Projektes zu kämpfen, durch die dem Ausbau des Staudamms von
Relaves grünes Licht gegeben wurde, welcher sich in der salzhaltigen
Hochebene von Talabre befindet. "RT-Sulfuros" scheint diese Region in
eine riesige industrielle Deponie des Bergbaus verwandeln zu wollen.
Das Projekt, welches mit dem Unternehmen "Codelco" und dessen
Tochterfirma "Radomiro Tomic" zusammenhängt, versucht den Ge-
schäftszweig des Staudammes auszubauen, diese "Opfer-Zone" zu ver-
größern, wie sie dreisterweise einige Politiker*innen genannt haben,
vollkommen ignorant gegenüber den unheilvollen ökologischen und
sozialen Folgen, die dieses Projekt für die Gemeinden mit sich bringt.

Zu den unmittelbaren Konsequenzen gehört auch die unwiderrufliche
Schädigung des Grundwassers des Flusses Loa, der bereits betroffen ist
vom Durchsickern umweltschädlicher Elemente und das nun unterirdi-
sche Vorkommen von Fluor, welche Produkte der sinnlosen Blockierung
durch das Staubecken sind. Diese Situation wirkt sich vor allem enorm
auf die Gemeinde Chiu Chiu aus, in der die Landwirtschaft eine der
Hauptquellen zum Überleben der Menschen dort ist, was auch dazu
führt, dass sie zu einem Verfall der sozialen Beziehungen führen könnte,
da es unmöglich für die Leute sein wird, in traditioneller Weise ihren10
Boden zu kultivieren, während das Bergbaumodell ihnen einen neuen
Lebensstil aufzwingen will und mit die Plünderung der natürlichen
Ressourcen vorantreibt, gestützt durch den Mythos des Überflusses und
der angeblichen Notwendigkeit von "Entwicklung und Fortschritt" für
die Menschen vor Ort.

Wir wissen aber sehr gut, dass diese Diskurse genau so verlogen sind
wie die "Städtischen Wahlen" und die "Studien" über den "notwendi-
gen" Eingriff in die Umwelt, den der Bergbau repräsentiert. Dessen Er-
träge, dessen Maß an "Linderung" und Versprechen von
"Firmenverantwortung" und "technologischer Innovation" bedeuten
aber nicht mehr als Steuerhinterziehung und Verantwortungslosigkeit
gegenüber der ökologischen Zerstörung eines Großteils der Atacama-
wüste.

Zudem ist die Erweiterung des Staudammes von Relaves nur ein Zweig
des Projektes "RT Sulfuros", welches sich über insgesamt sechs Kom-
munen der Region breit macht (Calama, Sierra Gorda, Antofagasta, Me-
jillones, Tocopilla und María Elena) und welches 14 km südlich von
Tocopilla den Bau eines Entsalzungswerkes plant, das 160 km unterirdi-
sche Rohrleitungen (unter dem Fluss Lua) verlegen will, Stromleitun-
gen, eine Knotenstation und andere, neue Formen der Plünderung
durchsetzen will und ihren Export Hafen, in dem sich bereits jetzt in ei-
nem sehr kritischen Zustand befindenden Hafenkomplex von Mejillo-
nes, haben sollen. All das geht einher mit der von dem Konzern
"Codelco" erklärten Absicht, jährlich bis zu 354000 Tonnen feines Kup-
fer und mehr als 7000 Tonnen konzentriertes Molybdän ausbeuten zu
können.

Dieses "Projekt" repräsentiert also nur einen von vielen Zerstörungsplä-
nen der Gegend, die zum Teil von internationalen Firmen finanziert
werden, welche meistens in totaler Komplizenschaft mit der chileni-
schen Regierung und dem Rest der lateinamerikanischen Staaten zu-
sammenarbeiten, die sie durch die berüchtigte "Integration" des
Kontinentes versuchen zu rechtfertigen, jedoch nichts anderes tun als
Preise auf die natürlichen Ressourcen zu setzen, deren Ausbeutung zu
befürworten und die schnelle Warenzirkulation durch die ozeanischen
Wege, großen Autobahnen, zentralen Energiestationen und andere Me-
ga-Projekte auf internationaler Skala zu erleichtern, für die sich das
Abkommen I.I.R.S.A. (Integration der Infrastruktur der Regionen Süd-
amerikas), als im Mai 2008 auf der UNASUR (Union der südamerikani-
schen 'Nationen') unterzeichneter Pakt, einsetzt. Neben "RT Sulfuros",
der Bewilligung des Baus der Regionalstraßen, der Erweiterung des
Hafens von Mejillones, dem Bau der ATI-Hütten und der Internationa-
lisierung des Flughafens von Antofagasta reagieren wir auf eine Ver-
netzung von Projekten, die sich in gleicher Weise in die Region der
Atacamawüste wie auch die der argentinischen Pampa einmischen, ge-
nau so wie sie es auch im uruguayischen Territorium und im brasiliani-
schen Süden tun. Es scheint also ein sehr weitreichendes Gebiet zu sein,
welches die Achse des Wendekreis bildet im ausbeuterischen Plan der
I.I.R.S.A.

Aus all diesen Gründen werden wir die Notwendigkeit, für die Vertei-
digung und die Autonomie der Gemeinden zu kämpfen, bestärken und
diejenigen zurückweisen, die versuchen, unsere Bewegungen als ein
politisches Trampolin für ihre Karriere zu benutzen und auf den Rücken
der Gemeinden ihre Geschäfte treiben. Außerdem verschlimmert sich
diese problematische Situation aus einer geopolitischen Perspektive ge-
rade noch mehr, wie es uns die Freunde von "El Kintral" bestätigen. Als
eine Überlegung, die weit hinter den "Umweltschutz des eigenen Qua-
dratmeters" reicht, werden wir also gleichzeitig zur Praxis übergehen
und neue kommunenübergreifende, horizontale Beziehungen zwischen
uns und der Natur aufbauen. Allein davon und nicht von gerichtlichen,
staatlichen Eingriffen wird die Autonomie unseres Gebietes und das
Wohl unserer Gemeinden abhängen.

Kämpfen für unsere Erde und gegen das Kapital und den Mega-Berg-
bau!

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Quelle und weitere Infos
Spanisch:
https://periodicoelsolacrata.wordpress.com/2016/04/13/comu
nidades-en-lucha-contra-el-tranque-de-relaves-talabre-
algunas-consecuencias-de-la-megamineria-y-el-saqueo-
extractivista/
Englisch:
https://periodicoelsolacrata.wordpress.com/2016/05/31/com
munities-fighting-against-the-reservoir-of-relaves-talabre/
El Sol Ácrata: https://periodicoelsolacrata.wordpress.com/
Theory Without Borders:
https://theorywithoutborders.wordpress.com/


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