(de) Kuba: Tod eines Diktators -- Anlässlich des Todes von Fidel Castro dokumentieren wir folgenden Artikel

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Wed Nov 30 11:53:25 CET 2016


"50 Jahre Fidelismus" ---- Am 01. Januar 2009 war der 50. Jahrestag der Flucht des 
Diktators Fulgenico Batista von der karibischen Insel Kuba. Das war der Beginn von dem, 
was heute allgemein als kommunistisches Regime unter der Leitung von Fidel Castro 
bezeichnet wird. Heutzutage wurden die Zügel natürlich an Raúl weitergeben, den jüngeren 
Bruder von Fidel. Aber die sozialistische Rhetorik hat in den 50 Jahren, die dazwischen 
liegen, nicht nachgelassen. ---- Viel ist gesagt worden über die Verfolgung von 
politischen Dissident/innen, Homosexuellen und anderen Nicht-Angepassten durch die 
Castro-Dynastie. Und viele Leser/innen werden verwundert sein, wie fehlerhaft das oft 
zitierte "sozialistische Paradies" Castos in der Presseberichterstattung zu den 
Jubiläumsfeiern des Regimes erscheint.

Natürlich ist es für die Castro-Brüder nötig, dass sie sich selbst als Sozialisten 
bezeichnen, damit sie als solche angesehen werden. Und das gleichermaßen vom 
US-Außenministerium (das eine Handelssperre gegen die Insel durchgesetzt hatte, kurz 
nachdem Fidel an die Macht gekommen war), wie von der internationalen Linken, für die 
Fidel eine Art Volksheld war (und noch immer ist), der diesen eingebildeten gringos, die 
nur 60 km weiter nördlich sitzen, frech den Mittelfinger zeigt.

Beide Seiten behaupten, dass eine Unterstützung von Fidel (was auch immer das praktisch 
heissen mag) bedeutet, den Sozialismus zu unterstützen und sich dem US-geführten 
Kapitalismus entgegen zu stellen. Aus diesem Grund sei es - nach dieser Logik - die 
Pflicht eines jeden Revolutionärs, das "anti-imperialistische" Kuba trotz all seiner 
offensichtlichen Fehler zu unterstützen.

Jedoch schon ein oberflächlicher Blick auf die kubanische Geschichte zeigt, wie weit 
entfernt Fidel von den sozialen Umbrüchen der 1950er Jahre war und wie er von 
verschiedenen amerikanischen Wirtschaftsvertretern geformt und geknetet wurde, bis er der 
nach-revolutionäre Führer wurde. Hauptsächlich hatte er dies seiner offenen Loyalität 
gegenüber ihren Interessen zu verdanken, wobei er so lange treu blieb, bis er den 
ursprünglichen Klassenkampf in Kuba ausgelöscht hatte.

Spanisch-amerikanischer Krieg

Seit der ersten Fahrt von Columbus zum amerikanischen Kontinent bis zu den bedeutenden 
Ereignissen vom Januar 1959 war Kuba ein besetztes Gebiet. Es war den wirtschaftlichen und 
politischen Machtansprüchen zuerst Spaniens und dann der USA dienlich. Es war im Jahr 1898 
als die beiden imperialen Mächte planten, einen Krieg auf kubanischem Boden um den Besitz 
dieses Landes zu führen. Das führte zum Sieg der USA und zur Einverleibung der Insel als 
ein amerikanischer Trabant für die folgenden 60 Jahre. Und das führte auch zu den 
Umständen in denen Castro seinen anti-imperialistischen Kampf führte.

Das ist aber nur eine Seite der Geschichte, denn die spanische Kolonialherrschaft über die 
Insel war durch zivile Unruhen andauernd unterlaufen worden. Diese waren durch die 
Aufstände der schwarzen Sklaven angestiftet und von der Arbeiterbewegung weitergeführt 
worden, die durch spanische Anarchist/innen im kubanischen Exil beeinflusst war. 
Tatsächlich war der Einfluss der Anarchist/innen auf die kubanische Arbeiterbewegung der 
1890er Jahre so groß, dass José Martí, ein für die nationale Unabhängigkeit kämpfender 
Journalist und Schriftsteller, sich stark bemühte Verbindungen zur kubanischen 
anarchstischen Bewegung aufzubauen. Er versuchte sie davon zu überzeugen, dass es für die 
soziale Revolution notwendig sei, die Spanier/innen zu vertreiben.

Schließlich war Martí mit seinem schmeichelhaftem Umwerben erfolgreich und ein großer Teil 
der kubanischen anarchistischen Bewegung wandte sich vom Arbeitskampf ab und folgte Martí 
in seinen Aufstand von 1895. Sie versuchten außerdem die Arbeiter/innen und Bäuer/innen 
davon zu überzeugen, es ihnen gleich zu tun. Als der Aufstand ins Stocken geriet, rief 
Martí zu einer selbst­mörderisch erscheinenden Schlacht auf, um sicher gehen zu können, 
dass er der größte Nationalheld Kubas würde - er ist heute noch populärer als Castro. Den 
vielen einfachen Kubaner/innen, die neben ihm in seinem Kampf um die Macht starben, wurde 
eine solcher Traum nicht gegönnt.

Schließlich erlangte der kubanische Aufstand die US-amerikanische Unterstützung, was dann 
zu dem folgenden Spanisch-amerikanischen Krieg (1895-98) führte. Aber die Kubaner/innen 
mussten bald feststellen, dass die Versprechen von Martí auf nach-koloniale Freiheit bloß 
Fassade waren: die US-Truppen hielten die Insel bis 1902 besetzt, um die problemlose 
Überführung der kubanischen Zucker- und Zigarrenindustrie von spanischen in 
US-amerikanischen Besitz sicherzustellen. Die kubanischen Arbeiter/innen mussten 
feststellen, dass sie anstatt keiner Herren nun neue hatten.

Klassenkampf

Im gleichen Jahr 1902 kehrten die anarchistischen Organisator/innen zu der mehr Erfolg 
versprechen­den Aufgabe des Klassenkampfes zurück. Sie starteten den ersten kubanischen 
Generalstreik der Tabakarbeiter/innen in Havanna. Der Streik wurde von der neuen 
kubanischen Regierung nieder­geschlagen, aber er diente als Vorbild für 20 Jahre 
andauerndes leidenschaftliches Organisieren und Streiken, besonders unter den 
Arbeiter/innen in den Tabak- und Zuckerfabriken und bei der Eisenbahn.

Im Mittelpunkt der Arbeitskämpfe dieser Zeit standen die Idee der direkten Demokratie und 
eine Ab­lehnung von Wahlen. Diese anarchistischen Ideen wirkten 1924/25 auch bei der 
Gründung des ersten kubanischen Gewerkschafts­bundes (Confederación Nacional Obrera de 
Cuba, CNOC) mit,[dem 200.000 Arbeiter/innen angehörten].

Nach der Wahl des Generals Gerardo Machado[zum Staatspräsidenten]im Jahr 1925 begann die 
Repression gegen anarchistische Vereinigungen innerhalb der erstarkten Arbeiterbewegung. 
Außerdem wurde die von Moskau geführte Kommunistische Partei Kubas (Partido Comunista 
Cubano, PCC) gegründet[mit Hilfe von Ricardo Flores Magón, Vertreter der Mexikanischen 
Kommunistischen Partei im Auftrag der bolschewistischen III. Internationale]. Es folgte 
eine Säuberungswelle während der der Generalsekretär der CNOC von Unbekannten ins Meer 
geworfen und von Haien gefressen wurde.

Im Jahr 1931 hatte es die wachsende Kommu­nistische Partei geschafft, die Kontrolle über 
den Gewerkschaftsbund zu erlangen und begann dann schrittweise seine anarchistischen 
Methoden abzubauen. Damit begann die Zeit der Verhandlungen des CNOC mit der 
Machado-Regierung, während die staatlichen Schlägerbanden die streikenden Arbeiter/innen 
angriffen und ermordeten. Trotzdem gingen die Arbeitskämpfe weiter und im Jahr 1933 wurde 
eine Serie von Streiks gemeinsam von einem anarchistischen Streikkomitee geführt. Dieses 
hatte es geschafft der Kontrolle des CNOC zu entgehen und der Streik wuchs zu einem 
landesweiten Aufstand heran, der schließlich den Tyrannen Machado stürzte.

Streikbruch

Durch einen Militärputsch gelangte dann 1933[Oberst]Fulgenico Batista an die Regierung. 
Batista schaffte es bis 1959 an der Macht zu bleiben, was er einerseits durch eine 
Amtsnachfolge seiner Handlanger schaffte, die er als Präsidenten ernannte und die ihm alle 
Entscheidungen überließen. Andererseits vertrat er eine Art Reformismus, der auf einem 
Ausgleich zwischen verschiedenen Fraktionen in der kubanischen Politik aufbaute. Batista 
war besonders von der Unterstützung der Kommunis­tischen Partei abhängig, denen er die 
Kontrolle über die neue Kubanische Gewerkschaftsföderation (Confederación de Trabajadores 
de Cuba, CTC) garantierte. Außerdem bekamen sie Posten in der Regierung im Austausch für 
die Hilfe der Kommu­nist/innen beim Streikbruch, wie beim Generalstreik im Jahr 1935.

Zwischenzeitlich ermutigte die[sozialdemokratische]Reform der kubanischen Verfassung von 
1940 eine Reihe von politischen Parteien zu lebhafter Oppo­sition gegen Batista und Co. In 
diesem Jahrzehnt machte ein junger Fidel Castro auf der politisch unbeständigen 
Universität von Havanna seinen Abschluss als Jurist. Fidel begann schnell mit seiem 
Aufstieg in der wichtigsten Oppositionspartei, der Orthodoxen Partei. Die wurde zunehmend 
beliebt durch die wöchentlichen Radiosendungen ihres Anführers Eduardo Chibás, in denen er 
die Korruption der Regierung aufdeckte. Als es 1951 danach aussah, dass sie die nächsten 
Wahlen gewinnen würden, erschoss sich Chibás seltsamer­weise live auf Sendung und 
hinterließ eine zum Scheitern verurteilte Partei. Fidel, ein Schützling von Chibás, war im 
Studio dabei als der Schuss fiel und brachte ihn ins Krankenhaus.

Fidel Castro hatte sich als sprachgewandter Nationalist und Kritiker der US-Einmischung in 
Kubas innere Angelegenheiten einen Namen gemacht. Er plante zu den nächsten Wahlen im Jahr 
1952 für das Parlament zu kandidieren, doch Batista putschte erneut gegen den unabhängig 
gesinnten Präsidenten Prío Socarras und sagte die Wahl kurz vorher ab. Fidel kehrte der 
parlamentarischen Demokratie frustriert den Rücken zu und führte eine kleine Truppe zu dem 
abenteuerlichen Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago im Osten der Insel.

Der Angriff war ein riesiger Reinfall und führte zum Tod von 60 Aufständischen. Doch da 
Batista international auf die Finger geschaut wurde, ersparte er den beiden Castro-Brüdern 
lange Haftstrafen. Nach ihrer Freilassung[Amnestie]flohen die Putschisten nach Mexiko, wo 
Fidel unter dem[marxistisch-leninistischen]Einfluss seines Bruders Raúl und seines neuen 
Begleiters Che Guevara die Bewegung 26. Juli (M26J) gründete. Ihre Absicht war, nach Kuba 
zurückzukehren und einen Guerillakrieg gegen den Diktator Batista zu führen.

Schwere Verluste

Im Jahr 1956 landete die M26J mit 82 Männern verschiedener Nationalität mit dem heute 
legendären Boot Granma an einem verlassenen Strand im Osten der Insel . Fast sofort 
mussten die schlecht ausgerüsteten Rebellen in Folge eines Gefechts mit dem kubanischen 
Militär schwere Verluste erleiden. Batista erklärte daraufhin sogar, dass Fidel getötet 
worden sei, doch Fidel, Raúl und Che gehörten zu den 20 wenigen Überlebenden. Sie 
schafften es sich neu zu gruppieren und zogen sich weit in die dichten Wälder der Sierra 
Maestra zurück.

Währenddessen hatte es in den letzten zehn Jahren zunehmend Angriffe auf die 
Arbeiterorganisationen gegeben. Die neue anarchistische 
Gewerkschaftsföderation[Confederación General de Trabajadores, CGT]war infolge der 
Staats­propaganda zerschlagen worden und die anti-bolschewistische Einstellung des 
vorherigen Präsidenten Prío hatte zu einem Verbot der kommunistischen Nachfolgepartei 
namens Sozialistische Volkspartei (Partido Socialista Polpular, PSP) geführt. Daher hatten 
die Marxisten-Leninisten den Putsch von Batista im Jahr 1952 unterstützt, aber die Partei 
wurde dafür nicht belohnt, denn Batista suchte Unterstützung in Washington.

Nach dem angeblichen Tod von Fidel Castro im Jahr 1956 begann ein scheußlicher Machtkampf 
zwischen dem diskreditierten Batista und seinen verschiede­nen Gegnern in Havanna, zu 
denen auch eine zunehmend aktive Bewegung im Umfeld der Universität gehörte. Jedenfalls 
war es Fidel im Januar 1957 gelungen Herbert Matthews, einen Journalisten der New York 
Times, in der Sierra Maestra zu empfangen. Ermöglicht hatten ihm das seine Kontakte aus 
der Zeit als Politiker in Havanna, zu denen der Präsident von Bacardí Rum gehörte, der 
ehemalige Vorsitzende der kubanischen Nationalbank, sowie ein paar Bekannte aus der 
katholischen Kirche.

Matthews war eine bekannte und vertrauenswürdige Persönlichkeit in den liberalen US-Medien 
und der bei der illegalen Flucht vor Batistas Truppen entstandene Exklusivbericht über 
Fidels Weiterleben wurde drei Tage lang zur Titelstory. Fidel nutzte die Gelegenheit, um 
sich als romantischen Idealisten im Stil eines Robin Hood darzustellen und um Batistas 
Verleumndungen gegen ihn zu zerstreuen, dass er ein Kommunist sei.

Er sagte Matthews, dass er "für ein Ende der Diktatur" und für die Rückkehr zur Verfassung 
von 1940 kämpfen würde. Matthews vermutete, dass er "demokratisch und daher 
anti-kommunistisch" sei. Seine offensichtliche Ausstrahlung wurde noch unterstrichen von 
den Fotos von Fidel in Militäruniform mit Zigarre und Bart - ein Bild, das bald zur 
Uniform aller linksradikaler Revolutionäre wurde.

Fidels Antikommunismus

Das Interview war ein riesiger PR-Erfolg für beide Beteiligten. Matthews wurde nun durch 
seine Überzeugung für Fidels Sache zum inoffiziellen Berater des US-Außenministeriums in 
kubanischen Fragen. Darüber hinaus hatte das Interview Fidel Castro in den Augen der USA 
zur führenden Figur der kubanischen Opposition gemacht, trotz seiner unbedeutenden Rolle 
als Anführer von 30 Männern, die sich ohne Ausrüstung und Unterstützung im Wald versteckt 
hielten.

Der Einfluss der US-Medien auf Kuba wurde klar als eingeschmuggelte Kopien der New York 
Times in den Cafés von Havanna eintrafen. Das führte zu dem meteoritenhaften Aufstieg von 
Fidel Castros Bekanntheitsgrad, wobei er als lebensfähige und sichere Alternative zu 
Batista dargestellt wurde, hinter der sich die zerspaltene Opposition in der kubanischen 
herrschenden Klasse vereinigen könnte. Für die vielen mit Batistas Korruption und 
Rücksichtslosigkeit Unzufriedenen stellten die anti-kommunistischen Aussagen eine Art 
Garantie des Privateigentums dar, sowie das Versprechen den Klassenkampf zu zügeln.

Daraufhin begannen einige Leute aus dem städtischen Bürgertum mit einem Schmusekurs 
gegenüber der Bewegung 26. Juli und in ganz Kuba begann eine Welle widerständischer 
Arbeitskämpfe gegen Batista. Im Jahr 1957 versuchten Student/innen ein erfolgloses 
Attentat auf Batista in seinem Büro, wobei ihr Anführer José Antonio Echevarría von der 
Palastwache erschossen wurde.

Echevarría war Leiter einer militanten Studenten­gruppe, aber seine unüberlegten Methoden 
führten zum Tod von 35 Student/innen und hatten zur Folge, dass nun keine 
Studentenbewegung gegen Batista mehr organisiert werden konnte. Von da an zogen sich die 
Student/innen zurück und verübten vereinzelte Bombenanschläge und andere Terrorakte, um 
den allgemeinen Widerstand gegen den Diktator Batista zu voranzutreiben. Tatsächlich wurde 
das ganze Land bald von einer Reihe von Bombenanschlägen erschüttert, die später dem 
Anti-Batista-Widerstand zugerechnet wurden. Die meisten davon standen jedoch nicht in 
Verbindung mit Fidel Castro und seiner aufständischen Guerillabewegung.

Skepsis

Fidel hatte, angespornt durch seine Berühmtheit in den USA und folglich in Kuba, einen 
Teil der Sierra Maestra zu seiner eigenen "befreiten Zone" erklärt und es gab Gerüchte, 
dass er Santiago de Cuba stürmen wolle, die nächstgrößte Stadt in der Provinz Oriente. Die 
Kubaner/innen verhielten sich jedoch weitgehend skeptisch gegenüber seinem Vorhaben. In 
der Provinz Escambray gelang es einer anderen Rebellenmiliz die taktisch wichtige Stadt 
Cienfuegos zu erobern, wo im Jahr zuvor ein vergeblicher Aufstand stattgefunden hatte. 
Gleichzeitig hatte Batista alle Hände voll zu tun, um die andauernden Bombenanschläge, die 
nun landesweit verübt wurden, in den Griff zu bekommen, damit er Recht und Ordnung 
aufrecht erhalten konnte.

Letzlich floh Batista aus dem unruhigen Havanna praktisch um Punkt Mitternacht an 
Silvester 1958. Vermutlich tat er das, weil er seine treuesten Anhänger in der Armee 
angesichts der destabili­sierenden Wirkung des zivilen Aufstands verloren hatte, gegen den 
er als Caudillo ein Vierteljahr­hundert zuvor angetreten war. Seine letzte Amts­handlung 
war die Ernennung seines Nachfolgers als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, der sofort 
kapitulierte und die gesamte nationale Macht und die Streitkräfte an Fidel Castro übergab. 
Der hatte zuvor erklärt, die Provinz Oriente befände sich bereits unter seiner Gesetzgebung.

Nach der Übergabe der Macht des kapitulierenden Batista-Regimes an den auserwählten 
Nachfolger feierte Fidel seinen offensichtlich Sieg als der wortgewandte und romantische 
Robin Hood, dessen Bild Matthews dem Westen verkauft hatte und an dem die Linke bis heute 
festhält. Er stellt jenes Spiegelbild des besiegten Batista dar, das die internationalen 
Medien gesucht hatten. Nur sieben Tage nachdem Batistas Flugzeug den Internatio­nalen 
Flughafen von Havanna verlassen hatte, hatte das Weiße Haus Fidel Castro bereits als den 
neuen kubanischen Staatschef anerkannt.

Einschmeicheln

In Wahrheit hatte sich nach der Entfernung von Batista aus dem Amt die Machtübergabe an 
Fidel Castro natürlich länger hingezogen. Nachdem Fidel als Premierminister den liberalen 
bürgerlichen Dissi­denten Manuel Urrutia zum Präsidenten der Über­gangsregierung ernannt 
hatte, fuhr er nach New York, wo er sich bei den Medien einschmeichelte: Basketball 
spielen in Harlem, einen Hotdog essen und dann den US-Vizepräsidenten Richard Nixon davon 
überzeugen, dass er kein Kommunist sei.

Trotzdem erkannte Fidel, wie vor ihm Batista, die Macht der Kommunistischen Partei Kubas 
(PCC) als ein schwacher liberaler Minister nach dem anderen wegen Unstimmigkeiten über die 
(teilweise) Wiedereinführung der Verfassung von 1940 aus der Übergangsregierung 
zurücktrat. Auch die erstmaligen Mehr-Parteien-Wahlen und die Unter­stützung der, von der 
Sowjetunion unterstützten, Kommunist/innen in der mitregierenden Sozialis­tischen 
Volkspartei (PSP) zwangen innerhalb weniger Monate den Präsidenten Urrutia zum 
Rücktritt[nachdem er sich geweigert hatte Fidel zum Obersten Revolutionsführer zu ernennen].

Dieser wurde ersetzt durch Osvaldo Dorticós Torrado, ein reiches Mitglied der PSP. Im Jahr 
1961 schloss sich die Bewegung 26. Juli mit der Sozialis­tischen Volkspartei (PSP) 
zusammen, die sich nun wieder Kommunistische Partei Kubas (PCC) nannte. Der 
Generalsekretär wurde Fidel Castro.

Wegen dem ganzen internen Streit und der Jagd nach Ämtern riskierte die Übergangsregierung 
die Kontrolle über die schnell voranschreitende soziale Revolution zu verlieren, die in 
dem annähernden Machtvakuum in der Zeit direkt nach der kuba­nischen Revolution von 1959 
entstanden war. Daher erließ die Regierung einige Reformen, um einen ernsthaften sozialen 
Wandel zu verhindern. Mieten und Strompreise wurden von der neuen herrschen­den Kaste 
drastisch gekürzt, die ausserdem endlich ein Gesetz zu Landreform erließ, welches 20 Jahre 
zuvor von Batista vorgeschlagen worden war.

Die Verstaatlichung ausländischer Unternehmen, mit denen 1960/61 am meisten geprahlt 
wurde, fand vor allem wegen der gewünschten Profite für den kuba­nischen Staat statt, die 
nun nicht mehr, wie gewohnt, das Land verließen. Aber Fidel und Co. kamen so in 
zunehmenden Konflikt mit der beleidigten US-Regierung unter Präsident Eisenhower, der es 
ihm heimzahlen wollte. Das führte schließlich 1961 zu der berüchtigten Ausrufung des 
Sozialismus und der anschließenden Allianz mit der Sowjetunion.

Verschobener Blick

In den Bereichen in denen Fidel Castros Regime es geschafft hatte der kubanischen 
Bevölkerung[durch Währungsreserven und Rohstoffausbeutung]materiellen Wohlstand zu 
schaffen, wurde das hauptsächlich möglich durch das Ersetzen der korrupten Batista-Manager 
durch abkassierende Castro-Bürokraten (was nicht heissen soll, dass das Regime ohne 
Korruption sei). Ausserdem gab es die Reform-Häppchen, die der Bevölkerung vorgeworfen 
wurden, um ihre Unterstützung zu bekommen und die Welle der flüchtenden Familien 
einzudämmen, die das Land verließen. Die Revolution fand ihren Widerhall in Havannas 
Korridoren der Macht insofern, dass sie die Politik der herrschenden Klasse zu einem 
verschobenen Blick angeregt hatte.

Die Herrschaft nahm ein menschliches Gesicht an, seit das Kapital dazu vom Staat verwaltet 
wurde. Die Sozialprogramme wurden wichtiger als die freie Marktwirtschaft, aber die 
Klassenstruktur und die Machtverhältnisse wurden nicht beseitigt, ebensowenig wie Batistas 
treueste Anhänger/innen. Mindestens zwei Minister der Kommunistischen Partei in Castros 
Übergangsregierung waren eigentlich Veteranen des Militärputsches von 1952.

Gleichzeitig zu dem, was als Zweite Kubanische Revolution (1959-61) bezeichnet wird, 
hatten Castro und Co. die Jagd auf die unermüdlich militante und unabhängige 
Arbeiterschaft eröffnet, die versuchte sich dem wieder einmal veränderten politischen 
Klima anzupassen. Die Kooperativen der Arbeiter/­innen und Bäuer/innen waren landauf und 
landab hervorgesprossen: Schustereien, neu angelegte Reisfelder, Tabakfabriken (wie in 
Pinar del Río). Sie alle standen nun unter der zentralisierten Kontrolle des staatlichen 
Nationalen Instituts für Agrarreform und seiner kommunistischen Bürokrat/innen. Diese 
waren damit beschäftigt, die ehemals von Batista entworfenen Reformen umzusetzen.

Die kubanische Gewerkschaftsbewegung, die sich kaum von Batistas Repression erholt hatte, 
wurde "vorübergehend" übernommen von nicht-gewählten Führer/innen der Kommunistischen 
Partei. Die begannen sofort damit die Gewerkschaften von allen unabhängigen Stimmen zu 
säubern und verboten schließlich alle nicht-staatlichen Zusammenschlüsse von 
Arbeiter/innen und sogar das Streikrecht. Das führte dazu, dass Castros Regime vermehrt 
mit der korporativen Vereinnahmung der italienischen Arbeiter/innen durch den 
faschistischen Staat Mussolinis 40 Jahre zuvor verglichen wurde.

Eingesperrte Anarchist/innen

Der Widerstand gegen diese Konterrevolution führte zu Gefängnisstrafen und viele 
kubanische Anarchist/innen landeten gemeinsam mit Homo­sexuellen und rechtsradikalen 
Dissidenten in den berüchtigten kubanischen Arbeitslagern. Glücklicher­weise konnten die 
meisten Aktivist/innen in die USA fliehen, wo sie 1961 die Kubanische Libertäre Bewegung 
im Exil (Movimiento Libertario Cubano en el Exilio, MLCE) im Exil gründeten, die bis heute 
weiterhin aktiv ist[siehe Interview">Interview].

Währenddessen scheint die Castro-Dynastie ihre kosmetischen Post-Fidel-Reformen 
(2006-2008) überstanden zu haben und macht in Havanna unbeirrt weiter. Die Kubaner/innen 
sind gezwungen sich ihre Grundnahrungsmittel auf dem Schwarzmarkt zu besorgen, während der 
Staat auf den Tourismus baut, um seine[nach dem Ende der Finanzhilfe der 
Sowjetunion]eingegangene Wirtschaft wiederzubeleben. Der kubanischen Arbeiterklasse wird 
sogar das Recht auf Auswandern verweigert, ebenso wie die rechtlichen Mittel, um sich 
gegen die Angriffe des Staatskapitalismus[wie unbezahlte Überstunden und Arbeitszwang]zu 
verteidigen. Sie hat dagegen irgendetwas zwischen stoischem Überlebensinstikt und 
trotzigem Humor entwickelt, während die internationalen Bedenkenträger/innen die 
unmenschliche Behandlung der Unzufriedenen durch den kubanischen Staat beklagen.

Das Beispiel Kubas steht als überprüfbarer Beleg für die Narretei, eine ganze 
Volksrevolution als den Verdienst eines einzelnen Mannes und seiner Clique darzustellen. 
Ausserdem dient sie der Unter­scheidung zwischen den leeren Versprechungen des 
Anti-Imperialismus im Gegensatz zu den eigent­lichen Aktivitäten des Klassenkampfes.

aus:

Direct Action (#45, Winter 2009), Magazin der Solidarity Federation (SolFed-IAA), 
http://solfed.org.uk, Internationale Arbeiter/innen-Assoziation (IAA), http://iwa-ait.org

Übersetzung: Anarchosyndikat Köln/Bonn (August 2009), http://anarchosyndikalismus.blogsport.de

Weiterführende Literatur:

- Sam Dolgoff: "Leuchtfeuer in der Karibik. Eine libertäre Betrachtung der kubanischen 
Revolution". Libertad-Verlag, Berlin, 1983;

- Frank Fernández: "Anarchismus auf Kuba". Syndikat-A, Moers 2007

- Augustin Souchy: "Die kubanischen Libertarios und die Castro-Diktatur"

Wikipedia: "Anarchismus in Kuba"

CreativeCommons: BY-NC

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2016/11/26/kuba-tod-eines-diktators/


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