(de) af rhein ruhr: Bildung selbst organisieren! - Neue Aufkleberreihe der schwarzen Ruhr-Uni

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Tue Nov 22 14:01:29 CET 2016


Anarchistische Kritik an Schule und Uni ist im deutschsprachigen Raum kaum präsent. Es 
gibt nur wenige anarchistische Gruppen an Unis und Schulen. Wir haben daher eine eigene 
Reihe von Aufklebern entworfen, um dies zu ändern und Anarchismus vermehrt an Schulen und 
Unis zu tragen. Außerdem wollen wir den Widerstand gegen die Unterdrückung und Kontrolle 
des Wissens durch diese Institutionen und ihre Noten und Prüfungen vorantreiben. Wir haben 
in diesem Bereich bisher leider zu wenig getan und suchen daher gerade nach erfolgreichen 
Strategien. Über einen Austausch mit anderen Menschen würden wir uns daher sehr freuen. 
Die Aufkleber wurden mit Unterstützung der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen 
hergestellt, in der wir organisiert sind. Sie sind jetzt über den anarchistischen 
Mailorder "Black Mosquito" bestellbar. Zu jedem Aufkleber und dessen Inhalt haben wir 
einen kurzen Text geschrieben. Da die Ablehnung von Prüfungen ein sehr umstrittenes Thema 
ist, werden wir dazu später noch einen längeren Text veröffentlichen.

Noten

Noten sind ein Mittel um uns unsere Selbstbestimmung zu nehmen. Sie machen uns zu Zahlen, 
ordnen uns in eine Rangfolge ein. Wer in dieser Rangfolge unten steht, wer in der Schule, 
Universität oder während einer anderen Ausbildung "zu schlecht" ist, dem wird der Zugang 
zu bestimmten gesellschaftlichen Ressourcen verweigert. Die Betroffenen können nicht 
studieren, eine bestimmte Ausbildung machen oder haben schlechtere Möglichkeiten, einen 
"Arbeitsplatz" zu finden.

Aber dies ist nicht die einzige Auswirkung von Noten. Sobald wir in die Schule gehen wird 
uns beigebracht, wir seien nur etwas wert, falls wir "vernünftige Leistungen" erbringen. 
Das trichtern uns Lehrer*innen, Eltern und Verwandte ein. Wenn wir diesen Erwartungen 
nicht entsprechen, wird uns mit Ablehnung begegnet. Als Kinder werden wir oft auch direkt 
bestraft, zum Beispiel indem uns verbotenen wird mit unseren Freund*innen zu spielen und 
wir stattdessen "lernen" sollen. Später haben wir die äußere Abwertung und Strafe so sehr 
verinnerlicht, dass wir uns schlecht fühlen, wenn wir keine "guten Noten haben".
Hören wir auf, uns unseren Wert nehmen zu lassen, indem wir uns einer Rangfolge von Zahlen 
unterwerfen: Wir sind Menschen, keine Nummern!

Prüfungen

Einige von uns haben bereits erlebt, was es bedeutet eine Prüfung endgültig nicht zu 
bestehen. Viele andere treibt die Angst, auch sie könnte dieses Schicksal ereilen. Das 
Nicht-Bestehen einer Prüfung raubt uns Möglichkeiten und Freiheiten in unserem Leben 
(Siehe den Text zu Noten). Prüfungsangst macht uns krank. Manche leiden psychisch, andere 
physisch oder auf beide Arten.

Wir bekommen vorgegaukelt, Prüfungen sollten unsere Eignung zu einer bestimmten Tätigkeit 
testen, doch dies ist häufig eine Lüge. Würdest du lieber von einem*r Mediziner*in 
behandelt werden, die*der gut in einem Multipel-Choice-Test war und danach alles wieder 
vergisst oder von einer*m, die*der ihre Tätigkeit wirklich liebt und versteht? Wer kommt 
im Alltag in eine Situation in der sie*er in einem abgeschotteten Raum sitzt und Fragen 
beantworten muss, ohne äußere Hilfe in Anspruch nehmen zu können? Aber selbst jene 
Prüfungen in denen wir praktische Dinge tun müssen, verbessern die Qualität z.B. von 
medizinischer Behandlung nicht unbedingt. Wenn eine Prüfung gesellschaftlich verbindlich 
durchgesetzt werden sollen, braucht es dafür Zwang. Wer würde einen Abschluss machen, wenn 
mensch auch behandeln könnte ohne bestraft zu werden?.

Wird Macht in der Form einer solchen Autorität zentralisiert, dann haben auch immer 
Menschen Interesse auf diese Einfluss zu nehmen. Es entsteht Korruption, welche dem Ziel 
der Prüfung (die Fähigkeiten der Geprüften festzustellen) entgegenwirkt. Es gibt ein 
Interesse der Geprüften spätere Fehler zu vertuschen, immerhin könnte ihnen sonst z.B. die 
eigene Zulassung aberkannt werden. Auch bräuchte eine solche Autorität eine Möglichkeit 
ihre Entscheidungen mit Zwang gegen den Willen der Geprüften durchzusetzen, andernfalls 
wäre die Prüfung nicht mehr verbindlich. Diese Möglichkeit setzt in Prinzip einen neuen 
Staat voraus.
Bei unverbindlichen Prüfungen gäbe es diese Probleme nicht und für einige von uns stellen 
diese eine Möglichkeit dar, Fähigkeiten zu testen und transparent zu machen. Andere von 
uns haben auch hieran Kritik: Auch eine unverbindliche Prüfung hat Folgen, sie schafft 
einen Bruch für die*den Geprüften sowie eine innere Legitimität. Nach der Prüfung trauen 
sich die Geprüften mehr zu, denn sie sind jetzt richtige 
Ärzte*innen/Mechaniker*innen/Busfahrer*innen/... Dadurch wird ihr Handeln für sie weniger 
hinterfragbar. Wir sind gegen Prüfungen und streben ein lebenslanges Lernen mit 
dauerhaften Feedback und Kritik an.

Lassen wir nicht die im Stich, die nicht nach den Bewertungsmaßstäben von Schulen und 
Universitäten handeln und denken. Wie wir in Prüfungen abschneiden, sagt nichts über 
unsere Fähigkeiten aus! Es gibt keine gerechten Prüfungen!

Abschreiben

Wer in Klausuren abschreibt, wird als Betrüger*in angesehen. Dabei ist es die 
Gesellschaft, die uns betrügt. Uns wird erzählt, das Bildung unsere Zukunft verbessern 
würde. Doch was bedeutet Bildung ins unserer Gesellschaft? Es beutetet vor allem, immer 
wieder vorgegebenes Wissen zu reproduzieren¹. Wenn wir von der Tafel oder den projezierten 
Folien abschreiben, ist das gewollt. Bei Klausuren dürfen wir diese Mitschriften dann 
nicht mehr benutzten. Ginge es bei Klausuren um unsere eigenen Gedanken, dann wäre dies 
anders.

Klausuren sollen uns zur Anpassung und Verinnerlichung eines ganz bestimmten Wissens 
zwingen. Dieses Wissen dient unter anderem dem Erhalt von Herrschaft und damit unserer 
Unfreiheit, seine Anwendung und Inhalte bringen Klimawandel, Kapitalismus, Staat, 
Patriarchat, Rassismus und tausend andere Probleme/Unterdrückungsformen hervor. In der 
Zeit, in der wir für Klausuren "lernen" müssen, können wir uns kein anderes Wissen 
aneignen. Indem wir gemeinsam bei Klausuren abschreiben, minimieren² wir den Aufwand und 
die Zeit, die uns Klausuren nehmen. So gewinnen wir einen Teil unserer Selbstbestimmung 
über das, was wir lernen, wieder und können beginnen uns Wissen anzueignen, das uns bei 
der Lösung unserer Probleme hilft anstatt diese hervorzubringen.

Schreiben wir uns unsere Freiheit nicht ab, schreiben wir lieber ab!

¹nachbilden und weiterführen
²möglichst klein machen

Bildung selbst machen!

Wenn wir uns nicht mehr durch Noten, Prüfungen und der Autorität von Schule/ Uni 
unterdrücken lassen wollen, müssen wir unsere Bildung selbst organisieren. Dafür sind 
unweigerliche Orte des gemeinsamen Lernens notwendig. Dieser Räume werden momentan von 
staatlichen oder kapitalistischen Institutionen³ kontrolliert. Also müssen wir uns diese 
Räume zurücknehmen - sie mit freier Bildung besetzen. Das wird der Staat in den meisten 
Fällen zu unterbinden versuchen indem er die Polizei gegen uns einsetzt, schließlich ist 
eine seiner wichtigsten Aufgaben die Verteidigung des Eigentums. Wie Mensch auf so etwas 
reagiert, sollte mensch sich am besten vorher überlegen. Auch wird es nichts bringen, 
einfach eigene Bildung zu organisieren solange kapitalistische Unternehmen nur die 
staatlichen Abschlüssen anerkennen. Wir müssen daher Netzwerke aufbauen, in denen Menschen 
wirtschaftlich überleben können ohne einen staatlichen Abschluss zu haben. Aber trotz all 
dieser Schwierigkeiten:
Lassen wir unsere Bildung nicht länger kontrollieren! Nehmen wir uns die Räume, die wir 
brauchen, zurück: Wir bleiben sitzen und bilden uns selber!

³Einrichtungen

http://schwarzerub.blogsport.de/2016/11/19/bildung-selbst-organisieren-neue-aufkleberreihe-der-schwarzen-ruhr-uni/

http://afrheinruhr.blogsport.de/2016/11/20/474/#more-474


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