(de) fau berlin: Sklaverei im Knast: Wir lieben es nicht

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Sat Nov 12 10:41:40 CET 2016


Veröffentlicht am 08.11.2016 - Kategorien: Solidarität Foreigners ---- Am Samstag, den 5. 
November, haben Mitglieder der FAU Berlin eine Transparent- und Flyeraktion vor einer 
McDonald's-Filiale durchgeführt. Die Aktion erfolgte in Solidarität mit dem 
Gefangenenstreik in den USA, der seit September diesen Jahres läuft. ---- Warum 
McDonald's? ---- McDonald's macht, wie viele andere in den USA ansässige Unternehmen 
(Microsoft, Nike, Starbucks...; die Liste ist lang), von Gefängnisarbeit Gebrauch. Von 
diesem "Insourcing" erzwungener Arbeit sind etwa 2,4 Millionen Gefangene betroffen. Dabei 
bekommen etwa die Gefangenen, die in Oregon Uniformen für McDonald's nähen, für ihre 
Arbeit einen noch niedrigeren Stundenlohn als die Menschen, die diese Uniformen tragen.

Nun gibt es Widerstand

Seit zwei Monaten haben Gefangene ihre Werkzeuge niedergelegt und tun sich das erste Mal 
in der Geschichte der USA für einen bundesweiten Streik der Gefangenenarbeit zusammen. Es 
ist schwierig einzuschätzen, wie viele sich daran beteiligen, aber in Knästen, wo 
Gefangene sich organisiert haben oder Streiks stattfanden, wurden mindestens 15.310 
inhaftierte Arbeiter_innen in ihre Zellen eingesperrt.

Das Datum, das für den Beginn des Streiks gewählt wurde, der 9. September, ist der 
Jahrestag des berühmten Gefängnisaufstands in Attica 1971, in dem Inhaftierte für 
Gefangenenrechte und gegen die unmenschlichen Haftbedingungen aufgestanden sind.

Diesmal lehnen sich Gefangene gegen die rechtlich sanktionierte Sklavenarbeit auf. Sie 
arbeiten durchschnittlich 8 Stunden am Tag ohne gewerkschaftliche Vertretung und verdienen 
zwischen 20 Cent und 1 Euro pro Stunde, über sechs mal weniger als der bundesweite 
Mindestlohn. Niedrige Löhne und abgebaute Ausbildungsprogramme führen als Konsequenz zu 
tiefer Verschuldung und wenig Chancen für die Zukunft, was dazu beiträgt, dass aus dem 
Gefängnis Entlassene kaum aus der Abwärtsspirale rauskommen und schnell wieder im Knast 
landen.

Gefangenenarbeit als Fortsetzung der Sklaverei

Währenddessen werden Großunternehmen wie McDonald's mit riesigen Gewinnen und 
Steuergutschriften in Höhe von jährlich Millionen US-Dollar dafür belohnt, dass sie 
Knastarbeit nutzen - sanktioniert von dem 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten 
Staaten (der die Sklaverei verbietet ... außer "als Strafe für ein Verbrechen").

Nicht nur Kritik an Haftbedingungen

In diesem Streik geht es um viel mehr als nur um Löhne und unmenschliche Lebens- und 
Arbeitsbedingungen im Knast. Ereignisse rund um den Streik haben weltweit Aufmerksamkeit 
auf sich gezogen: Ein Aufstand von 400 Personen am Abend vor dem Streik im Gefängnis 
Florida Holmes, ziviler Ungehorsam (u.a. eine Aktion von 40 Personen in einem anderen 
Gefängnis in Florida), ein Hungerstreik, kollektive Arbeitsniederlegungen und 
Demonstrationen in vielen anderen Gefängnissen in den ganzen USA. Der Streik hat nicht nur 
das Thema "Lohn- bzw. Sklavenarbeit im Knast" ins öffentliche Bewusstsein gebracht, 
sondern verband auch dieses Thema mit den Protesten in der letzten Zeit gegen die 
Wegsperrpolitik, gegen Polizeirepression und den systemischen Rassismus (die schwarze 
Minderheit macht 12,6 % der Bevölkerung aus, aber 60 % der Gefangenen sind Schwarze!)

"Wenn wir die Sklaverei abschaffen, werden sie das meiste von dem Anreiz verlieren, unsere 
Kinder einzusperren; sie werden aufhören, Fallen zu bauen, um die, welche sie entlassen 
haben, wieder einzufangen."

Free-Alabama-Bewegung, beteiligt an der Organisierung der Aktionen

Unterstützt den Gefängnisstreik in den USA gegen Sklavenarbeit!

Exponiert die Unternehmen, die von der Zwangsarbeit inhaftierter Arbeiter_innen profitieren!

https://berlin.fau.org/news/sklaverei-im-knast-wir-lieben-es-nicht


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