(de) fau.org: Beschäftigte der Helios Amper Kliniken Dachau fordern mehr Personal

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Tue Nov 1 09:20:06 CET 2016


Die Botschaft war klar, der Andrang groß. Über 80 Klinikbeschäftigte stellten auf einer 
Podiumsdiskussion am 25.10.2016 im völlig überfüllten Café Gramsci in Dachau eine 
Forderung gegenüber der Helios Unternehmensführung nach mehr Personal und eine Sperrung 
von Betten bis dahin auf. ---- Die Unabhängige Betriebsgruppe am Klinikum lud zu der 
Veranstaltung mit Matthias Gramlich (Unabhängige Betriebsgruppe), Stefan Löwl (Landrat, 
Mitglied des Aufsichtsrats) und Claus Dieter Möbs (Bettriebsratsvorsitzender), ein. 
Bereits Anfang Oktober wurden die KollegInnen seitens der Betriebsgruppe in einem 
Flugblatt aufgefordert, dafür zu sorgen das ständige Arbeiten in Unterbesetzung nicht mehr 
zu dulden, stattdessen zusammen zu halten und für mehr Personal zu kämpfen. Mitte Oktober 
griff auch die Presse den Personalmangel und die schlechten hygienischen Zustände im 
Klinikum auf.

Im Februar 2014 übernahm die zum Gesundheitskonzern Fresenius gehörende Helios Klinken 
GmbH den Großteil ihres Konkurrenten Rhön Klinikum AG, zu der auch die Amper Kliniken in 
Dachau und Markt Indersdorf zählten. Seitdem ist Helios der größte Klinikkonzern in 
Europa. Helios steht in dem Ruf, seine Beschäftigten auszupressen und wird für seinen 
autoritären Führungsstil kritisiert. Es wird gespart an allen Ecken und Enden, um die 
angestrebte Gewinnspanne von 15% EBIT zu erreichen. So geschah es auch in Dachau, einer 
der fünf wirtschaftlich erfolgreichsten Kliniken innerhalb der 53 Rhön Kliniken. Die 
Arbeitsbelastung war bereits hier enorm, der Personalmangel existenziell. Mit der 
Übernahme durch Helios verschärfte sich Lage binnen zwei Jahren. Die Beschäftigten sind 
reiner Spielball der Konzerninteressen.

Am 21.10. musste Dachauer Klinikgeschäftsführer Engelbrecht im Kreistag über die 
Missstände berichten. Der Landkreis hält 5,1% Anteile an der Amper Kliniken AG. Dort wurde 
ein 7 Punkte Programm vorgelegt. Ein externer Dienstleister erledigt seit Mitte Oktober 
Reinigungsarbeiten, die zuvor im Juli der völlig überlasteten Pflege übertragen wurden.

Auf der Podiumsdiskussion wurden die Missstände, die in der Presse nur oberflächlich 
geschildert wurden, detailliert zur Sprache gebracht: Unbesetzte Stellen in Pflege, 
Service Personal und Reinigung. Dienstpläne mit bereits eingeplanten Überstunden, massive 
Krankheitsausfälle, Arbeiten mit zwei Pflegekräften weniger bei vollem Programm, 
PatientInnen, die nicht mehr versorgt und überwacht werden können, Herabwürdigens 
Verhalten der Helios Pflegedienstleitung, Einschüchterungen und Abmahnungen. Verstöße 
gegen geltendes Recht, wie mündliche Kündigung einer Krankenschwester im Januar, die 
Verplanung des Urlaubs des Reinigungspersonals. Die Liste war endlos. Gerade in dem 
Geflecht aus konzerneigenen Untergesellschaften gesellt sich Lohndumping zu freier 
Interpretation der Gesetzeslage. Von nachträglich geänderten Dienstplänen bis zu 
prophylaktischen Abmahnungen um die Leute unten zu halten.

Landrat Löwl war sichtlich erschrocken von dem Bild, das ihm dort von den Beschäftigten in 
den vielen Wortmeldungen dargeboten wurde. Helios führt seine Kliniken alle nach dem 
gleichen straffen Prinzip. Dachau ist kein Einzelfall, aber ein Spezialfall, durch die 
Anteile des Landkreises und die Rechtsform der AG. Die Veranstaltung wurde nach über zwei 
Stunden beendet, aber es hätte noch einmal so lang weiter gehen können. Das Café Gramsci 
war völlig überfüllt, Leute standen bis vor die Tür und hinter der Theke. Es war 
beeindruckend zu sehen, wie viele KollegInnen kamen und sich auch zu Wort meldeten. Man 
spürte, dass hier das Eis gebrochen war, dass man sich gegenseitig ermutigt fühlte und 
dass alle gemeinsame Interessen haben. Dies mündete in der wiederholten Forderung umgehend 
Betten zu sperren und mehr Personal in den genannten Berufsgruppen, v.a. in der Pflege, 
einzustellen. Nun gilt es dran zu bleiben, da Helios nicht für seine Nachgiebigkeit 
bekannt ist. Aber jetzt ist auch klar: Die Beschäftigten lassen sich nicht länger 
hinhalten. Die Veranstaltung war eine Initialzündung zu neuem Selbstbewusstsein und 
wiedergewonnenem Gemeinschaftsgefühl. Jetzt wird der Spieß umgedreht. Jetzt bekommt Helios 
Druck.

http://www.fau.org/artikel/art_161029-180645


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