(de) direkteaktion: FAUD con GAS ---- ...oder wie die „Granatrote Flut“ an Düsseldorfs Ufer schlug

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Tue May 31 12:45:52 CEST 2016


Seit Sommer 2015 bietet die FAU Düsseldorf zusammen mit der Grupo de Acción Sindical NRW 
eine kostenlose gewerkschaftliche Erstberatung an. Die meisten spanischsprechenden 
Arbeiter*innen, die seitdem zu uns gekommen sind, haben den Weg über das Oficina Precaria 
von Marea Granate NRW genommen. Die Probleme der Kolleg*innen sind bisher sehr ähnlich – 
wenn es auch einige Ausreißer gegeben hat, die wir nur an Rechtsanwält*innen weiterleiten 
konnten. Fast immer geht es um Unregelmäßigkeiten mit dem Lohn, Fragen zum Urlaub, zu 
Arbeitszeiten und natürlich auch immer wieder um Kündigungen. Zwei Konflikte möchten wir 
euch etwas näher vorstellen, da sie unserer Meinung nach nicht nur exemplarisch sind, 
sondern auch über reine Abwehrkämpfe hinausgehen.

MARIA UND DAS HOTEL

Maria hat eine Berufsausbildung in Spanien gemacht, in der Tourismusbranche. Im März 2015 
fing sie als Putzfrau in einem Hotel in der Düsseldorfer Altstadt an. Noch in der 
vertraglichen Probezeit von sechs Monaten wurde sie aufgrund eines Arbeitsunfalls 
entlassen. Als sie zu uns kam, hatte sie natürlich erst einmal eine ganze Reihe von 
Fragen, zum Beispiel, ob es in Deutschland üblich ist, dass Arbeiter*innen Arbeitsunfälle 
selbst bei der Berufsgenossenschaft melden müssen. Doch die wichtigste Frage:

Was tun?

Wir haben ihr dann die grundsätzlichen rechtlichen Rahmenbedingungen erklärt und, nachdem 
sie sich dazu entschlossen hatte, ihr auch geholfen beim Arbeitsgericht zu klagen. Die 
Bosse hielten es nicht für nötig zum Gütetermin zu erscheinen. Uns war es recht, bekam 
Maria so doch einen vollstreckbaren Titel in Form eines Versäumnisurteils. Das bedeutet, 
dass sie ihre Forderungen durch einen Gerichtsvollzieher pfänden lassen kann. Damit war 
die Frage „Was tun?“ noch lange nicht beantwortet. Also haben wir uns danach noch einmal 
getroffen und gemeinsam überlegt, was wir noch tun könnten. Das Ergebnis unseres 
gemeinsamen Nachdenkens war:

Eine Demo für unsere Würde

Bei dieser Demo ging es nicht darum, vor einer juristischen Entscheidung Druck auf die 
Bosse auszuüben. Juristisch war der Fisch gegessen – nein, es ging Maria und uns einzig 
und alleine darum, zu zeigen, dass wir als Arbeiter*innen uns die Frechheiten der Bosse in 
Düsseldorf nicht länger widerspruchslos gefallen lassen. Marias Aufruf, sie bei der 
Behauptung ihrer Würde als Arbeiterin zu unterstützen, kamen gut 20 Menschen nach. Neben 
Mitgliedern der FAU Düsseldorf kamen vor allem Unterstützer*innen aus den Reihen von Marea 
Granate NRW, GAS NRW und der FAU Duisburg, die uns von Anfang an tatkräftig unterstützt 
hat. Am Samstag, den 5. März versammelten wir uns direkt am Hotel. Knapp zwei Stunden 
riefen wir zusammen Slogans in unseren verschiedenen Muttersprachen:

Spanisch: No hay pan - para tanto chorizo

Französisch: Qui sème la misère, récolte la colère

Englisch: an injury to one - an injury to all

An dieser Stelle müssen wir uns auch bei den zahlreichen Menschen bedanken, die uns 
spontan ihr Interesse und ihre Solidarität bekundet haben. Ganz besonders bedanken wir uns 
bei dem Bäcker der es sich nicht nehmen ließ, seine Pause dafür zu nutzen, uns mit einem 
neuen Slogan zu versorgen: „Helau! Helau! Hier arbeitet man für lau!“. Besonderes 
Erstaunen erregte die Tatsache, dass wir „den ganzen Aufriss“ (was ganz offensichtlich 
positiv gemeint war) für eine einzige Kollegin veranstalteten. Die Aktion zeigte noch am 
gleichen Abend eine unerwartete Wirkung: beide Hotelchefs meldeten sich reuig aus dem 
Urlaub mit der Ansage, alles schnellstens richtigstellen zu wollen (Was sie dann 
erwartungsgemäß nicht taten).

KHADIJA UND DIE REINIGUNGSFIRMA

Khadija ist ausgebildete Altenpflegerin. Ohne Deutschkenntnisse bekommt sie in diesem 
Bereich keine Arbeit. Also hat sie erst einmal angefangen zu putzen. Als sie krank wurde, 
wurde sie entlassen. Allerdings war ihre Probezeit schon vorbei, eine Kündigung also nicht 
einfach so möglich. Auch sie entschloss sich, mit unserer Hilfe zum Arbeitsgericht zu 
gehen. Sie hat zum einen gegen ihre Entlassung geklagt und zum anderen ausstehende Löhne 
eingeklagt. Gegen das Versäumnisurteil wegen der Kündigung hat der Boss Berufung 
eingelegt. In dieser Sache werden wir ihn also noch einmal zum Arbeitsgericht müssen. Aber 
auch Khadija wollte von Anfang an mehr als nur ihr juristisches Recht.

Und jetzt kommt Ihr ins Spiel:

Achtet auf Ankündigungen, denn ab Mai werden wir je nach Bedarf kurzfristig zu mindestens 
einer Kundgebung aufrufen. Schaut auf
... unsere Homepage fau-duesseldorf.org
... und unseren Blog vsechs.blogsport.eu
... oder folgt uns auf Twitter: twitter.com/faudsseldorf

Eines ist klar: This is not the end – only the beginning.

F.T. und B.R., FAU Düsseldorf

https://www.direkteaktion.org/verteilzeitung-mai/faud-con-gas


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