(de) direkteaktion: Schluss mit prekär - Weltweit! -- Zum Arbeitskampf der CNT bei DHL gegen unsichere Arbeitsbedingungen

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Tue May 31 12:45:47 CEST 2016


Für Menschen, die sich an libertären Idealen orientieren, sieht die politische Lage in 
Europa momentan unzweifelhaft unschön aus. Allerorts ist ein rechter Populismus auf dem 
Vormarsch, dessen Irrationalität seinem Erfolg nicht im Wege zu stehen scheint. Im Osten 
Deutschlands beispielsweise wird das christliche Abendland gegen „Ausländer“ verteidigt, 
die es kaum gibt. Christen sind vor Ort nur eine Minderheit neben anderen, nicht einmal 
darin, was dieses ominöse Abendland sein soll, ist man sich einig. Die vielgewählte 
Alternative für Deutschland (AfD) vertritt eine stramm national-liberale Politik, welche 
direkt nach den sogenannten „Ausländern“ einem Großteil der eigenen WählerInnen aus der 
Arbeiterklasse auf die Füße fallen wird.

Als SyndikalistInnen sind wir bislang jedoch kaum in der Lage, diesem nationalen Wahnsinn 
eine wahrnehmbare internationalistische Perspektive entgegen zu stellen. Klar, unsere 
Bewegung ist noch immer recht klein, unsere Möglichkeiten sind somit begrenzt. Es mangelt 
aber auch an einer klaren Strategie, die über die punktuelle Unterstützung von 
gewerkschaftlichen Kampagnen der Schwestergewerkschaften hinaus weist. Es fehlt ein 
gemeinsames Projekt, über das Dynamiken in Gang gesetzt werden können. Eine 
Handlungsoption für die syndikalistische Basisbewegung ist eine länderübergreifende 
Organisation auf betrieblicher Ebene. Wenn es gelingt, parallel in verschiedenen 
Staatsgebieten die Möglichkeit einer effektiven Selbstorganisation in einem Konzern 
aufzuzeigen, dann entsteht damit auch eine politische Perspektive jenseits des 
neoliberalen und rechtspopulistischen Irrationalismus.

DER ARBEITSKAMPF DER CNT

Seit März 2015 steht die spanische Schwestergewerkschaft der FAU, die Confederación 
Nacional del Trabajo (CNT), in einem Arbeitskampf mit dem in Bonn ansässigen 
Telekommunikations- und Logistikkonzern „Deutsche Post DHL Group“, beziehungsweise dessen 
Tochterunternehmen „DHL Freight“ in Barcelona. DHL ist weltweit dafür bekannt, dem 
Menschenrecht der Gewerkschaftsfreiheit nicht sonderlich viel Achtung entgegenzubringen. 
In zahlreichen Fällen wurden Gewerkschaftsmitglieder aus dem Konzern gedrängt. Zuletzt 
erhob die Internationale Transportarbeiterföderation (ITF) im März schwere Vorwürfe gegen 
DHL in Lateinamerika. Streikende Gewerkschaftsmitglieder seien in Chile bespitzelt und 
schließlich gefeuert worden, ließ die ITF verlautbaren.

Auch in Barcelona wurden die Mitglieder einer CNT-Betriebsgruppe letztes Jahr kurzerhand 
vor die Tür gesetzt, als sie sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzten. 
Die CNT tritt dem mit juristischen und gewerkschaftlichen Maßnahmen entgegen. Im Juni 
dieses Jahres wird der Fall vor dem Arbeitsgericht in Barcelona verhandelt. Die Chancen 
stehen gut, dass die Kündigungen für illegal erklärt werden. In der Zwischenzeit hat die 
CNT den Kontakt zu den KollegInnen im Betrieb ausgebaut und die Öffentlichkeit informiert. 
Die FAU unterstützt den Arbeitskampf ihrer spanischen Schwestergewerkschaft, indem sie 
KollegInnen von DHL auf den Arbeitskampf in Barcelona anspricht und für eine gemeinsame 
Organisierung in Deutschland und Spanien wirbt. Bis zu einem weltweiten Streik bei DHL 
oder in einem anderen Konzern ist es zweifelsohne noch ein weiter Weg. Aber er wird 
beschritten und kleinere Erfolge können auch kurzfristig erreicht werden, sei es die 
Verbesserung von Arbeitsbedingungen, sei es das eine internationale Zusammenarbeit auf 
einer betrieblichen Ebene denkbar wird.

Florian Wegner (Internationales Komitee der FAU)
https://www.direkteaktion.org/verteilzeitung-mai/schluss-mit-prekaer-weltweit


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