(de) FDA-IFA, Gai Dào N°65 ­ Mai 2016 - Antisemitismus boykottieren -- Über die falsche Solidarität mit der BDS-Kampagne Von: Marcos Denegro / Anarchists against Antisemitism

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Wed May 18 15:23:08 CEST 2016


Es mag der Hauch von direkter Aktion sein, der bei dem Wörtchen „Boykott“ mitschwingt und 
bei einigen linken und anarchistischen Aktivist*innen Begeisterung hervorruft. Was sich 
hinter der Kampagne von Boycott, Disvestment and Sanction, kurz BDS, verbirgt, ist jedoch 
alles andere alles sympathisch. Nachdem Aktionen mit der Anmutung eines 
„Kauft-nicht-bei-Juden“ grundsätzlich suspekt sind, lohnt sich ein genauer Blick auf die 
Kampagne, die sich im eigenen Wortlaut gegen die „Apartheids- und Kolonialpolitik“ Israels 
und gegen „die Besetzung allen arabischen Landes“ richtet. Der Grundstein für die Kampagne 
wurde bereits 2001 bei der DurbanWeltkonferenz in Südafrika gelegt. Auf dem parallel 
stattfindenden NGO-Forum wurde – vor allem von Vertreter*innen der PLO, der Islamischen 
Konferenz und westlichen Gruppen vorangetrieben – eine Erklärung verabschiedet, die 
ideologisch die Grundlage für die weltweite Boykott-Kampagne bildete. So heißt es dort u.a.:

[Wir] rufen die internationale
Gemeinschaft auf, eine Politik
der vollständigen und totalen
Isolation Israels als Apartheids-
staat genauso umzusetzen wie
einst im Fall Südafrikas, was die
Auferlegung verpflichtender und umfas-
sender Sanktionen und Embargos beinhaltet und
die Aufhebung aller Beziehungen (diplomatischer, wirtschaftlicher, so-
zialer, unterstützender, militärischer) zwischen allen Staaten und Israel. 1

Neben der Bezeichnung als Apartheidsstaat wurden in der Erklärung
des NGO-Forums Israel systematischer Rassismus, ethnische Säuberung
und Völkermord vorgeworfen. Der Anti-Rassismus-Kongress bzw. vor
allem das NGO-Forum waren geprägt von antisemitischen Positionen,
wie Teilnehmer*innen berichteten. 2 So wurden u.a. Kopien der “Proto-
kolle der Weisen von Zion” verkauft, jüdische Delegierte beschimpft
und bedroht und eine Palästina-Soli-Demonstration, die eigentlich am
Rathaus enden sollte, führte weiter bis zur Synagoge in Durban, wo
Plakate mit Hitlerbild gezeigt wurden. 3

Auf dem 5. Sozialforum in Porto Alegre (Brasilien) wurde die Kampa-
gne vorgestellt und kurz danach als „Aufruf der palästinensischen Zivil- gesellschaft“ 
offiziell gestartet. Bei der ersten BDS-Konferenz 2007 in
Ramallah wurde außerdem das Nationale BDS-Komitee (BNC), als Ko-
ordinationsstelle der Kampagne, gegründet. Mitglied des Komitees ist
u.a. das Council of National and Islamic Forces in Palestine – einem
Zusammenschluss von Hamas, Fatah, PFLP und anderen bewaffneten
(terroristischen) Gruppen – das zu Beginn der zweiten Intifada (Okt.
2000 – Feb. 2005) gegründet wurde, um Angriffe gegen Israel besser zu
koordinieren. 4

Das selbsterklärte Ziel der BDS-Kampagne ist ein umfassender Boykott
gegen Israel, um ein Ende der israelischen „Besatzung“ bzw. der
„Apartheid“ in Israel herbeizurufen und den israelischen Staat zur Ein-
haltung der „universellen Prinzipien der Menschenrechte“ zu zwingen.
Die Doppelmoral wird dabei recht schnell deutlich. Wie wichtig man es
mit den Menschenrechten in den palästinensischen Gebieten nimmt,
zeigte Human Rights Watch 2012 auf und berichtete
von willkürlichen Verhaftungen, Folterun-
gen und Morden durch die Hamas im
Gazastreifen. 5 Erinnert sei auch
an den Lynchmord zweier Is-
raelis im Oktober 2000 durch
einen palästinensischen Mob in
Ramallah (Westjordanland).6
Nicht einmal vor sich selbst macht
die Hamas dabei halt: Anfang 2016 wurde
ein führender Hamas-Offizier – nachdem man ihn
als homosexuell beschuldigte – kurzerhand von seinen eigenen Leuten
erschossen.7

Nicht nur diese einseitige Sichtweise auf Israel sondern auch der
Sprachgebrauch der „Apartheid“ hat der BDS-Kampagne den Vorwurf
des Antisemitismus eingebracht. Und tatsächlich erscheint die An-
schuldigung, Israel wäre ähnlich wie Südafrika ein Apartheidsstaat
reichlich absurd. So bildet die arabische Fraktion die drittgrößte Gruppe
im israelischen Parlament 8 , in israelischen Gerichten urteilen auch ara-
bische Richter 9 , die meisten Verkehrsschilder sind dreisprachig – hebrä-
isch, arabisch und englisch – und für religiöse Angelegenheiten gibt es
drei Gerichtsbarkeiten: eine jüdische, eine muslimische und eine christ-
liche. Im Zusammenhang mit „Besetzung“ und „Apartheid“ taucht oft-
mals auch der von Israel errichtete Schutzzaun auf. Der Verlauf des
Zaunes (an einigen Stellen eine hohe Mauer) ist natürlich zu kritisieren,
ebenso die damit einhergehende Einschränkung der palästinensischen

Bewohner*innen des Westjordanlandes. Zu einer kritischen Betrachtung
gehört aber auch, die Gründe für den Bau zu beleuchten. Als Reaktion
auf die zunehmenden Anschläge und Attentate während der „Zweiten
Intifada“ (2000 – 2005) wurde ab 2003 damit begonnen, die Sperranlagen
zu errichten, was zu einem deutlichen Rückgang von Anschlägen in Is-
rael führte. 10

Eine andere nicht unwichtige Passage im BDS-Aufruf betrifft die Beset-
zung „allen arabischen Raumes“. Es bleibt etwas diffus, ob hier nur die
West Bank (Westjordanland) oder ganz Israel gemeint ist. Bei näherer
Betrachtung wird allerdings klar, worauf die Beschreibung zielt. BDS-
Sympatisant*innen wünschen sich ganz offen ein Ende des „Kolonial-
staates“ Israel und oft genug erschallt bei BDS-Aktionen der Ruf eines
„Free Palestine“, was natürlich das ganze Gebiet zwischen Jordan und
Mittelmeer meint und somit – zu Ende gedacht – die Vernichtung des
jüdischen Staates bedeutet. In Berlin ist die Zusammenarbeit und ge-
genseitige Sympathie mit der Gruppe F.O.R. Palestine offensichtlich. Die
marxistischen Palästina-Freund*innen werben ganz unverblümt für das
Ende Israels
und verkünden
auf ihrer Web-
site, dass im
Kampf gegen
den israelischen
Staat neben
Boykottaktio-
nen natürlich
auch „alle an-
dere Mittel le-
gitim sind und
[ihre] Solidari-
tät haben“. 11
„Alle Mittel“
schließt in die-
sem Zusam-
menhang auch
die mittlerweile
allwöchentlich,
wenn nicht gar
täglich verüb-
ten Messerat-
tacken oder ähnliche Mordanschläge auf Juden*Jüdinnen ein. Und
welches Schicksal ihnen bei einer Auflösung des Staates Israel ereilen
würde, lässt sich leicht erahnen. Die umliegenden arabischen und isla-
mischen Staaten sind mittlerweile nahezu „judenrein“. Ca. 750.000 –
850.000 Juden*Jüdinnen wurden seit 1948 aus den nordafrikanischen
Ländern wie Algerien, Tunesien, Libyen, sowie dem Irak, Libanon und
Syrien vertrieben. Ein Umstand, der von den BDS-Akteur*innen gerne
vergessen wird, wenn sie sich auf das Rückkehrrecht für Palästinen-
ser*innen laut UN-Resolution 194 berufen, die genau genommen auch
das Recht auf Rückkehr bzw. die Entschädigung für die vertriebenen
Juden*Jüdinnen beinhaltet.

Wie sehr sich die Kampagne auf die Zerstörung Israels und weniger auf
das Wohlergehen der palästinensischen Bevölkerung konzentriert, zeigt
das Beispiel der israelischen Firma „Soda Stream“, deren Produktions-
stätte bis vor wenigen Monaten noch im Westjordanland lag. Mehrere
hundert Palästinenser*innen waren dort beschäftigt, die im Vergleich zu
anderen Arbeiter*innen in den palästinensischen Gebieten überdurch-
schnittlich gut – weil nach israelischem Standard – verdienten und so-
zial abgesichert waren. Nachdem der Druck der Boykott-Kampagne
gegen Soda Stream immer größer wurde, beschloss die Firma das Werk
zu schließen und in den Süden Israels zu verlegen. Die palästinensi-
schen Arbeiter*innen verloren daraufhin dank BDS ihre Existenz-
grundlage. 12

Der Boykott betrifft jedoch nicht nur israelische Waren, sondern auch
den Wissenschafts- und Kulturbereich. Die Kampagne ruft u.a. Akade-
miker*innen und Intellektuelle dazu auf, israelische Institutionen und
Hochschulen zu meiden. Gleichzeitig werden Veranstaltungen von Is-
raelis, die sich im Ausland aufhalten, gestört und boykottiert. Es geht
mittlerweile so
weit, dass jü-
dische/israeli-
sche
Student*innen
an Universitä-
ten etwa in UK
oder den USA
regelrecht ge-
mobbt werden
und/oder bei
Prüfungen
bzw. Punkte-
vergaben be-
nachteiligt
werden. Für
den Mitbe-
gründer der
„Palestinian
Campaign for
the Academic
and Cultural
Boycott of Is-
rael“ Omar Barghouti ist es jedoch kein Problem selbst die Vorzüge ei-
nes Philosophiestudiums an der Universität von Tel Aviv in Anspruch
zu nehmen während er gleichzeitig zum Boykott von israelischen
Hochschulen aufruft.

Auch auf kultureller Ebene wird versucht, Veranstaltungen mit Künst-
ler*innen aus Israel zu verhindern. Beim Rototom Sunsplash Festival
2015 in Spanien sollte etwa der jüdische Reggae-Sänger Matisyahu auf
Drängen der dortigen BDS-Gruppe als einziger Künstler eine Pro-pa-
lästinensische Erklärung ablegen, um dort auftreten zu dürfen. Nach-
dem er sich weigerte, wurde Matisyahu vom Festival ausgeladen, und
erst nach öffentlichem Druck wurde die Einladung erneut ausgespro-


chen. 13 Auch die Band „Eagles of Death Metal“, die während des An-
schlags auf das Bataclan in Paris auftrat, geriet ins Fadenkreuz der BDS-
Kampagne. Pink Floyd Mitbegründer und BDS-Sympathisant Roger
Waters hatte die Band 2015 dazu aufgefordert, nicht in Israel aufzutre-
ten, was die Band lediglich mit einem „Fuck you“ kommentierte und ihr
Konzert in Tel Aviv spielte. Doch nicht nur die Band, auch der Pariser
Veranstaltungsort Bataclan selbst, war, als es noch
von jüdischen Besitzer*innen geführt wur-
de, mit Protesten von BDS-Akti-
vist*innen konfrontiert. Was sich
damals noch in Transparen-
ten, Sprechchören und
Rangeleien vermummter
trDemonstrant*innen
isäußerte, führten die
Terrorist*innen des
Daish (ISIS) im Herbst
2015 blutig zu Ende.

Bei dem Attentat auf
den Pariser Club wäh-
rend eines Konzertes der
„Eagles of Death Metal“ wur-
den 89 Konzertbesucher*innen
erschossen und zahlreiche Weitere
zum Teil schwer verletzt. „Das nächste Mal
kommen wir nicht zum Reden.“, hatten die BDS-Ak-
tivist*innen im Dezember 2008 angekündigt. 14 Wer derartige Drohungen
ußert, sollte sich dann nicht wundern, in die (geistige) Nähe von mor-
denden Dschihadist*innen gebracht zu werden.

Welche zum Teil absurden Züge die BDS-Kampagne führt, zeigt ein an-
deres Beispiel aus Deutschland. Eine Gruppe selbsternannter „Inspek-
teure“ kontrollierte Ende 2015 in Bremen gekleidet in weißen
Schutzanzügen mit der Aufschrift „Inspektion“ Wochenmärkte und
Drogerien nach Produkten, die in den „illegal besetzten“ Gebieten des Westjordanlandes 
hergestellt wurden. Da man sich scheinbar nicht si-
cher genug war, wurden kurzerhand alle in Israel produzierten Waren,
die man ausfindig machen konnte, in deutscher Gründlichkeit mit ei-
nem Warnhinweis versehen und in einer Liste notiert.15

Den vorerst letzten traurigen Höhepunkt der BDS-Kampagne bildete die
Auseinandersetzung um die Vorführung des Films „Even though my
Land is Burning“ im Berliner Kino Moviemento im Rahmen der soge-
nannten „Israeli Apartheid Week“ Anfang März 2016. Israel-solidarische
Demonstrant*innen protestierten in der Nähe des Kinos gegen die Film-
vorführung und wurden dabei mit „Judenschweine“-Rufen und Ver-
nichtungswünschen wie „Euch sollte man vergasen!“ bedacht.16 Unter
Polizeischutz wurden die Demonstrant*innen zur U-Bahn gebracht,
wobei sie von einigen BDS-und F.O.R. Palestine-Sympathisanten be-
drängt und mit Hitlergruß verabschiedet wurden.17

Als linke/anarchistische Aktivist*innen sollte man sich daher genau an-
sehen, mit wem man Bündnisse eingeht und sich solidarisch erklärt. In Berlin versuchen die 
Aktivist*innen des BDS-Ablegers verstärkt in der
Refugees-Bewegung Einfluss zu nehmen. Beim „Carnival Al-Lajiìn“
(Karneval der Geflüchteten) am 20. März 2016 prägten sie an der Spitze
des Aufzugs deutlich das Bild und schwenkten trotz Konsens der Orga-
gruppe, keine Nationalfahnen mitzuführen, un-
übersehbar ihre Palästinafahnen. Die
Befürchtungen der jüdischen Com-
munity, Geflüchtete aus arabi-
schen/islamisch geprägten
Ländern könnten mit ei-
nem mindestens latent
vorhandenen Israel-
und Juden-Hass eine
Bedrohung für sie
darstellen, wird durch
die BDS-Aktiven da-
durch nur bestätigt,
wenn sie nun versuchen,
in genau dieser Bevölke-
rungsgruppe Propaganda für
ihre antisemitische Kampagne zu
betreiben.

Die BDS-Kampagne und ihre Unterstützer*innen
beschuldigen und dämonisieren Israel als alleinigen Aggressor, setzen
letztlich auf das Ende des jüdischen Staates und befeuern den Hass ge-
gen Juden*Jüdinnen unter dem Deckmantel gewaltfreier Grassroot-Ak-
tionen. 18 Wem es tatsächlich um das Wohl der Menschen in „Palästina“
und eine einvernehmliche Lösung des Nahostkonflikts geht, sollte sich
von Kampagnen wie der BDS distanzieren und vielmehr Gruppen und
Projekte unterstützen, die sich für ein gewalt- und hassfreies Zusam-
menleben einsetzen. Antisemitische Positionen und Gruppierungen
dürfen in anarchistischen Zusammenhängen keinen Platz finden und
sollten daher konsequent aus allen linken/emanzipatorischen Bündnis-
sen gedrängt werden.

[1] World Conference against Racism NGO Forum Declaration, Article 425, Durban, 3 
September 2001, http://www.i-p-o.org/racism-ngo-decl.htm
[2] Vgl. Wolfgang Benz (Hg.): Handbuch des Antisemitismus, Band 5, Berlin/Boston, 2005, S. 
223f.
[3] Vgl. http://www.hagalil.com/antisemitismus/europa/wiesenthal.htm [aufgerufen: 11.4.2016]
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Palestinian_National_and_Islamic_Forces [5] 
https://www.hrw.org/report/2012/10/03/abusive-system/failures-criminal-justice-gaza
[6] 
http://www.rp-online.de/politik/zdf-reporter-mob-in-ramallah-zog-brennende-leiche-ueber-die-strasse-aid-1.2266800
[7] 
http://www.nytimes.com/2016/03/02/world/middleeast/hamas-commander-mahmoud-ishtiwi-killed-palestine.html?_r=0
[8] Sitzverteilung der 20. Knesset: Likud 30, Zionistisches Lager 24, Vereinigte Arabische 
Liste 14, Yesh Atid mit 11, Kulanu 10, Bayit Yehudi 8, Shas 7, Yisrael Beytenu, 
Vereinigtes Torah-
Judentum 6 und Meretz 4 Sitze. (Quelle: http://www.israel-nachrichten.org/archive/16924) 
[9] der arabischstämmige Salim Joubran ist z.B. seit 2003 Richter am Obersten Gericht Israels.
[10] 
http://www.mfa.gov.il/mfa/foreignpolicy/terrorism/palestinian/pages/in%20memory%20of%20the%20victims%20of%20palestinian%20violence%20a.aspx
[11] http://for-palestine.org/de/uber-uns-4/
[12] s. http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/23295

[13] 
http://www.rototomsunsplash.com/noticias/declaracion-publica-institucional-del-rototom-sunsplash-sobre-la-cancelacion-de-matisyahu/
[14] 
http://www.watson.ch/Angriff%20auf%20Paris/International/959974065-Drohungen-und-Anschlagspläne--Das-Bataclan-war-vermutlich-kein-zufälliges-Ziel
[15] http://www.taz.de/!5255916/ [16] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/24853
[17] 
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/-ihr-sollt-alle-vergast-werden-----polizei-ermittelt-nach-demo-in-kreuzberg-23683134
[18] Selbst israelkritische Friedensaktivisten wie Uri Avnery werfen BDS vor, pauschal 
gegen Israel und seine Bewohner*innen vorzugehen und nicht etwa nur gezielt gegen Produkte 
aus den
Siedlungen.


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Wann ist Israelkritik antisemitisch?

Natürlich kann - wie jeder andere Staat auch - Israel kritisiert werden. Leider ist diese 
Kritik oftmals antisemi-
tisch geprägt. Zur besseren Unterscheidung hilft der sogenannte 3-D-Test. i

Dämonisierung: Wird der Staat Israel dämonisiert und z.B. als besonders böse, brutal, 
gewalttätig und rach-
süchtig oder mit dem Attribut „Kindermörder“ versehen dargestellt oder werden gar 
Nazi-Vergleiche gezogen?

Delegitimiert: Wird das Existenzrechts Israels angezweifelt oder in Abrede gestellt, z.B. 
in dem Israel als un-
rechtmäßige Besetzung des arabischen Raums (Palästinas) angesehen wird?

Doppelte Standards: Werden an Israel andere Maßstäbe gesetzt, wie an andere Länder (des 
Nahen Ostens), z.B.
in Sachen Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Militäreinsätze usw.

Neben dem 3D-Test stellt die »working definition of antisemitism« der EUMC (European 
Monitoring Centre on
Racism and Xenophobia) ii eine weitere Definitionshilfe dar. Zu israelbezogenem 
Antisemitismus ist dort zu le-
sen:

„Beispiele von Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Staat Israel und unter 
Berucksichtigung des Ge-
samtkontextes konnen folgende Verhaltensformen einschließen, ohne auf diese beschrankt zu 
sein:

- Das Abstreiten des Rechts des judischen Volkes auf Selbstbestimmung, z.B. durch die 
Behauptung, die Exis-
tenz des Staates Israel sei ein rassistisches Unterfangen.

- Die Anwendung doppelter Standards, indem man von Israel ein Verhalten fordert, das von 
keinem anderen
demokratischen Staat erwartet und verlangt wird.

- Das Verwenden von Symbolen und Bildern, die mit traditionellem Antisemitismus in 
Verbindung stehen (z.B.
der Vorwurf des Christusmordes oder die Ritualmordlegende), um Israel oder die Israelis zu 
beschreiben.

- Vergleiche der aktuellen israelischen Politik mit der Politik des Nationalsozialismus.

- Das Bestreben, alle Juden kollektiv fur Handlungen des Staates Israel verantwortlich zu 
machen. Allerdings
kann Kritik an Israel, die mit der an anderen Landern vergleichbar ist, nicht als 
antisemitisch betrachtet werden.“

[i] http://www.hagalil.com/antisemitismus/europa/sharansky.htm.Der 3-D-Test findet auch 
bei anderen Gruppen und Initiativen Verwendung, wie AnzeigenGai Dào
z.B. der Amadeu Antonio Stiftung
[ii] http://www.antisem.eu/eumc-arbeitsdefinition-antisemitismus/



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