(de) ASJ Leipzig Redebeitrag zum 1. Mai in Plauen

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Sat May 7 12:08:30 CEST 2016


Auch wir als syndikalistische Linke sind der Meinung, dass der Kampf gegen rassistische 
Verhältnisse mit dem Kampf gegen kapitalistische Verhältnisse zusammen gehört und auch 
zusammen gedacht werden muss. Denn der Rechtsruck in der sogenannten bürgerlichen Mitte 
und die Radikalisierung der Rechten sind für uns Ausdruck eines sich zuspitzenden 
Verteilungskampfes. Der Sprech von den angeblich erreichten Obergrenzen für Geflüchtete, 
der Überlastung und Überforderung macht dies unter anderem deutlich. ---- Für die Rechte 
oder die besorgten Bürger*innen spielt sich der Kampf um das bessere Leben zwischen ihnen 
selbst und den Neuankommenden ab. Wir sehen es als Aufgabe, daraus einen Kampf gegen 
Ausbeutung zu machen. ---- Dafür jedoch, so scheint es, muss erst einmal die eigene 
Position reflektiert werden. ---- Wir sind Antifaschist*Innen und wir sind lohnabhängig.

Ersteres ist selbstverständlich und äußert sich in einer bestimmten Politik, einer 
bestimmten Sprache bis zum Dress Code. Die eigene Position im kapitalistischen 
Produktionssystem hingegen wird nicht selten als nebensächlich abgetan. Dabei ist die 
Frage nach einer Gesellschaft frei von Unterdrückung und Ausbeutung unmittelbar damit 
verknüpft, wie stark sich im Betrieb gegen eben diese gewehrt wird.

Die Fragen an uns selbst lauten also: Inwiefern wird linke Politik in den eigenen Betrieb 
getragen? Inwiefern weiß ich über meine eigenen Rechte Bescheid, aber vor allem über die 
Möglichkeiten, solidarische Strukturen auf der Arbeit aufzubauen und die eigene Position 
zu stärken? Und daran anknüpfend: Wie kann es gelingen eine umfassende Solidarität 
aufzubauen? Bspw. bei Repression im Job entgegen zu wirken?

Für diese Zwecke haben sich Initiativen, Basisgewerkschaften und Gruppen gegründet, die 
sich dieser Themen annehmen. Die Unterstützung ist rar, die Mitglieder zu wenige. 
Arbeitskampf und Gewerkschaft gilt bei vielen nicht als wahnsinnig schick, auch in der 
radikalen Linken und das trotz aller class struggle Rhetorik.

Dabei braucht der Kampf gegen Faschismus und Rassismus nicht nur eine antiparlamentarische 
und politisch autonome Basis, sondern auch eine Basis in den Betrieben.

Erstens, um auch bisher unpolitische Menschen in unsere Kämpfe einzubinden.
Zweitens, um auch hier Ausgrenzungsformen direkt zu begegnen und Menschen vor ihnen zu 
schützen.

Drittens bringt eine Organisierung im Betrieb nochmal ganz andere Möglichkeiten 
politischer Wirksamkeit zu Stande: So können wirtschaftliche Abläufe gestört werden.

Darüber hinaus: Die Forderung nach einem Wohnraum für alle, nach ausreichender 
Gesundheitsversorgung, nach humanitären Arbeits- und Lebensbedingungen, sind Forderungen 
wie sie von einer antikapitalistischen und ebenso antirassistischen Linken und darum von 
beiden gemeinsam gestellt werden müssen. Es müssen gemeinsam Alternativen formuliert und 
Kämpfe geführt werden. Dass sich die autonome Linke für gewerkschaftliche Themen und eine 
syndikalistische Politik öffnet, ist dabei ein wichtiger Schritt.

Wir glauben darum: Es ist ohne Zweifel wichtig, emanzipatorische Parallelstrukturen 
aufzubauen, um dort den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wo der sogenannte Sozialstaat 
versagt hat. Doch genauso wichtig ist es auch politische Ansätze mit auf die Arbeit zu 
nehmen. Selbstorganisierung, Allianzen und Selbstermächtigung sind Schlagwörter, die im 
Betrieb genauso Anwendung zu finden haben, wie in den Social Centers.
Deshalb: Solidarisiert Euch in sozialen Kämpfen, werdet Mitglied in gewerkschaftlichen 
Gruppen, kennt Eure Rechte, tut Euch mit euren Kolleg*Innen zusammen und tragt linke 
Politik in die Bereiche, in denen sie am meisten weh tun!

ASJ Leipzig, 1. Mai 2016

http://asjl.blogsport.de/2016/05/03/asj-redebeitrag-zum-1-mai-in-plauen/


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