(de) Heraus zum 1. Mai! Geschichte und Perspektive aus anarchistischer Sicht.

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Sun May 1 11:25:34 CEST 2016


Im Hinblick auf den 1. Mai haben wir einen Text verfasst, der sich mit der Geschichte, der 
heutigen Situation und Perspektiven aus anarchistischer Sicht befasst. Viel Spaß beim 
Lesen! ---- Termine: ---- Am 1. Mai sind wir ab 10 Uhr mit einem Info - Stand auf dem DGB 
- Fest vertreten, ab 16 Uhr laden wir zu gemeinsamem Grillen ins Roachhouse 
(Richard-Wagner-Straße 78) ein. ---- Weitere Termine anarchistischer Aktivitäten sind hier 
zu finden: ---- https://fda-ifa.org/wohin-am-1-mai/#fda ---- Ursprung des 1. Mai - Der 
Haymarket Riot ---- Haymarket Riot ---- Der Ursprung des 1. Mai geht zurück ins Jahr 1886. 
Am 1. Mai dieses Jahres streikten in den USA viele tausende Arbeiter*Innen für den 
8-Stunden Tag. Eine Protestkundgebung am 4. Mai wurde ohne ersichtlichen Grund von der 
Polizei angegriffen, Teilnehmer*innen der Demonstration wurden getötet. Daraufhin 
explodierte eine Bombe in den Reihen der Polizei, die 7 Polizist*Innen tötete. Bis heute 
ist unklar wer die Bombe geworfen hat. Für diese Tat wurden jedoch acht bekannte 
Anarchist*Innen willkürlich ausgewählt und angeklagt. Die meisten wurden zum Tode 
verurteilt, andere zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Es gab eine große Solidaritätswelle mit den willkürlich Inhaftierten und 1889 wurde der 
1.Mai zum internationalen Kampftag der Arbeiter*Innen erklärt.

Der 1. Mai heute

„Die Gegenwart soll an die Zukunft keine Fragen stellen, sondern Forderungen.“ - Erich 
Mühsam, Alle Macht den Räten

In vielerlei Hinsicht ist der heute begangene Tag der Arbeit eine Pervertierung der Ziele 
der damaligen Arbeiter*innenbewegung. Damals wurden neben der Forderung nach dem 8-Stunden 
Tag noch weiter reichende Ziele, wie die Überwindung der Lohnarbeit und eine solidarische 
Gesellschaft ohne Kapitalismus formuliert.

Auch heute produziert der Kapitalismus am laufenden Band Ungerechtigkeiten. Die 
Leidtragenden sind die Arbeitenden und Arbeitslosen. Es gibt es viele Menschen in 
Deutschland, die mehrere Jobs machen müssen um über die Runden zu kommen, die Zahl der 
Minijobs und Jobs mit Teilzeitverträgen steigt. Ca. 40 % der Beschäftigungsverhältnisse 
sind Minijobs, Teilzeitverträge oder Leiharbeit. Viele leben an der Armutsgrenze. Die 
reichsten 62 Menschen der Erde besitzen genau so viel wie die ärmere Hälfte aller Menschen 
zusammen, ein Beispiel, dass sich mit kleineren Zahlen auch auf Deutschland übertragen lässt.

Die reformistischen Gewerkschaften begehen den 1. Mai heute in ritualisierten 
Veranstaltungen. Statt an die kämpferische Tradition dieses Tages anzuknüpfen kommen sie 
nicht über Forderungen hinaus, die sich im Rahmen der kapitalistischen Ordnung bewegen. 
Statt ein Ende des ausbeuterischen Kapitalismus zu fordern sind die reformistischen 
Gewerkschaften auf den sozialen Frieden bedacht und wollen bloß nicht den 
Wirtschaftsstandort gefährden. An dem Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital wird nicht 
gerüttelt. Echte Verbesserungen sind jedoch außerhalb einer Sozialpartnerschaft zwischen 
Unternehmenden und Arbeitenden zu suchen.
Die reformistischen Gewerkschaften gehen mit ihren Forderungen konsequent am Kern des 
Problems vorbei, da der ausbeuterische Kapitalismus systematisch Ungleichheit produziert.
Nur durch kosmetische Korrekturen ist keine solidarische Gesellschaft zu erreichen!

Perspektiven

"Nous portons un monde nouveau dans nos cœurs - Wir tragen eine neue Welt in unseren 
Herzen". - Buenaventura Durruti

Es ist an der Zeit sich an die revolutionären Wurzeln des 1. Mai zu besinnen und der 
Marktwirtschaft und dem Lohnsystem dem Kampf anzusagen.

Wir wollen eine Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Der 
Reichtum der Gesellschaft wird gemeinsam produziert, deshalb sollen alle 
gleichberechtigten Zugang dazu haben. Doch anstatt an Stellvertreter*Innen wie Parteien zu 
appellieren, setzen wir auf eigenständigen Einsatz, der an den Problemen und 
Ungerechtigkeiten unmittelbar ansetzt.

Es gibt bereits vielfältige Konzepte, Organisationen und Initiativen, die an der 
Realisierung einer solidarischen Gesellschaft arbeiten, Alternativen entwickeln, gegen die 
herrschenden Verhältnisse protestieren und eigene Strukturen aufbauen, zum Beispiel 
basisdemokratische, kämpferische Gewerkschaften wie die Freie Arbeiter*Innen Union(FAU), 
Kollektivbetriebe, Mieter*Innenvereinigungen, Hausprojekte oder anarchistische Gruppen.

Der 1. Mai ist ein Tag, in dessen Tradition gegen Kapitalismus und Arbeitswahn auf die 
Straße gegangen werden sollte, ein Tag mit einer widerständigen, aufsässigen und 
antikapitalistischen Tradition.

Für einen kämpferischen 1. Mai!

Für eine herrschaftsfreie und ausbeutungsfreie Gesellschaft!
Eingestellt von Anarchistische Initiative Kaiserslautern / Kusel

http://anarchistische-initiative-kl.blogspot.co.il/2016/04/heraus-zum-1-mai-geschichte-und.html


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