(de) FAU direkteaktion: Nationalismus und Emanzipation Hand in Hand? -- Hundert Jahre irischer Osteraufstand

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Thu Mar 31 14:46:35 CEST 2016


Irische Soldaten in Stafford Gaol nach dem gescheiterten Osteraufstand von 1916 
Ostermontag 1916, Dublin – mitten im großbritischen Imperium George des V. geschieht 
Beispielloses: Über dem Hauptgebäude der Post wehen zwei neue Fahnen, eine grüne, mit 
Schriftzug der soeben ausgerufenen irischen Republik, dazu flattert etwas tiefer eine 
Trikolore in Grün, Weiß, Orange, die Irland gleichermaßen als Land der Katholiken (Grün) 
und der Protestanten (Orange) ausweist. ---- Kurz zuvor hatte Patrick Pearse (1879–1916) 
vor Passanten auf der Straße die Unabhängigkeitserklärung gegenüber England verlesen. 
Pearse ist Schulleiter und Schriftsteller, aber auch Herausgeber der gälischen Zeitschrift 
An Claidheamh Soluis, „Das Schwert des Lichts“1, dazu gläubiger Katholik, der Parallelen 
der Auferstehung Jesu mit der Erweckung seiner Nation sieht.

Allerdings gab es bis dahin nie einen irischen Nationalstaat.2 Auch die alte gälische 
Sprache und Kultur hatte sich nur in entlegenen Landesteilen erhalten, denn in den letzten 
Jahrhunderten waren Millionen der armen, meist gälisch sprechenden Iren nach England, 
Schottland, USA, Kanada, Australien, usw. ausgewandert.3

An diesem kirchlichen Feiertag scheinen die meisten der zahlreichen Spazierenden im 
städtebaulich gesehen sehr britisch wirkenden Zentrum von Dublin mehr verwirrt als 
begeistert; Zustimmung erhält Pearse für seine Rede kaum. Auch die Bewegungen der 1200 mit 
Gewehren Bewaffneten, die sich zunächst ohne nennenswerten Widerstand in der ganzen Stadt 
auf strategisch wichtige Gebäude verteilen, werden mit Misstrauen beobachtet.

Unabhängigkeitserklärung, Ostern 1916
Die meisten der Aufständischen sind einfach gekleidet, stammen aus der Arbeiterklasse. Ihr 
Anführer ist der Sozialist und Gewerkschaftsführer James Connolly, dessen proletarische 
Irish Citizen Armee (ICA) sich erst vor wenigen Tagen mit den Aufständischen der Irisch 
Republikanischen Bruderschaft (IRB) zusammengeschlossen haben. Vielerorts, vor allen auch 
in Cork und Belfast warten weitere Männer der IRB auf ihre Befehle.

Was sich an diesem Montag vor den Augen der unwilligen Dubliner*innen abspielt, schwelte 
lange: Seit 1913 traten die Irish Volunteers, „irische Freiwillige“, immer offener als 
eine Art Gegenmacht gegenüber der englischen Polizei auf, jedenfalls bis die Eskalation 
zum Weltkrieg im Sommer 1914 ihre Organisation gehörig durcheinander wirbelte. Der weitaus 
größte Teil, etwa 175.000, befolgte den Aufruf des gemäßigten irischen Führers John 
Redmonds, sich der englischen Armee anzuschließen, um durch diese Loyalität später mehr 
Rechte zu erhalten. Die kleinere radikalere Gruppe innerhalb der Freiwilligen, etwa 13.500 
Männer, im Geheimen von der IRB geleitet, sah die Sache genau umgekehrt: England war der 
Feind und durfte nicht unterstützt werden. Die IRB, verbunden mit der 1905 gegründeten 
Partei Sinn Fein, „Wir selbst“, organisierte den Osteraufstand an der offiziellen Führung 
der Irish Volunteers vorbei, was einen Teil der auftretenden Abstimmungsschwierigkeiten 
erklärt. In Dublin stellt die IRB 1000 der 1200 Kämpfenden. Die übrigen zweihundert Männer 
und Frauen der ICA entstammen dem bisher heftigsten Klassenkampf Irlands: Vom August 1913 
bis Januar 1914 versuchten, angefangen mit der Straßenbahn4, etwa 400 Unternehmer, in 
ihren Betrieben Gewerkschaften zu verhindern. Davon betroffene 20.000 Arbeiter*innen in 
Dublin streikten und wurden ausgesperrt. Nach Unruhen, die zwei Menschenleben und viele 
hundert Verletzte kosteten, bildeten die Gewerkschaften die ICA zum Selbstschutz.

Patrick Pearse im Jahre 1916
Hintergrund: Irland als Kolonie

Seit jeher war vielen Iren aller Schichten die englische Krone mit ihren Lords, 
Handelsherren und Großgrundbesitzern verhasst. Schließlich waren sie es, die ihnen über 
Jahrhunderte das Land raubten, im 17. Jahrhundert Klöster und Kirchen zerstörten, einige 
zehntausend Menschen direkt versklavten und in die Karibik deportieren ließen. Mitte des 
19. Jahrhunderts verhungerten gar eine Million arme Iren, weil ihre zum Eigenbedarf 
angebauten Kartoffeln verfaulten, während englische Geschäftemacher massenhaft andere 
Lebensmittel aus Irland nach England ausführten. In den letzten fünfzig Jahren vor dem 
Osteraufstand gab es zähe Kämpfe der Landbevölkerung, um das enteignete Land 
zurückzuerhalten, und starke politische Bewegungen, die zur irischen Home Rule führen 
sollten. Dennoch war auch der Gedanke mächtig, dass England mit Irland vereinigt sein 
sollte und das nicht nur im Norden, wo sich seit 1912 die Nachfahren englischer und 
schottischer protestantischer Siedler bewaffneten, um diese Union und damit ihre 
Vorherrschaft zu verteidigen.

Königstreue Iren und eine verlorene Waffenladung

Ostern 1916 wäre die Gelegenheit an sich günstig gewesen, das Kolonialregime 
abzuschütteln, da die Hauptstreitmacht Englands in Flandern und Nordfrankreich stand. Doch 
wie angedeutet, wird der Krieg gegen die „Hunnen“ von der großen Mehrheit in Irland 
unterstützt. Insgesamt bis zu zweihunderttausend irische Soldaten kämpfen für die 
Alliierten, wobei im Gegensatz zu den Katholiken nur die protestantischen Unionisten 
eigene Offiziere haben dürfen. Ihr Blutzoll ist ungeheuerlich: Gezählt wurden 49.400 
Soldaten aus den irischen Regimentern von England, Kanada, USA oder Australien, die im 
Grabenkrieg starben.5 Als Robert Casement6 in Vorbereitung des Aufstandes versucht, mit in 
Deutschland gefangenen irischen Soldaten eine Einheit zur Befreiung ihres Landes 
aufzustellen, weigern sich diese. Viele glauben wie ihre Leitfigur John Redmond noch an 
Home Rule, das vom englischen Parlament bereits bewilligt, allerdings aufgrund des Krieges 
ausgesetzt worden war.

Es gibt weitere Schwierigkeiten. So durchbricht das Dampfschiff „Libau“ aus Deutschland 
mit zwanzigtausend Gewehren, zehn Maschinengewehren und Munition zwar als norwegischer 
Trawler „Aud“ getarnt die englische Seeblockade und landet vor der Grafschaft Kerry. Doch 
gelingt es nicht, die Waffen an Land zu bringen. Die deutsche Mannschaft muss ihr Schiff 
am nächsten Tag selbst versenken, um sie nicht an die Briten zu verlieren. Auch Casement, 
der die Lieferung in monatelangen zähen Verhandlungen in Deutschland ermöglicht hat und 
von einem deutschen U-Boot ganz in der Nähe abgesetzt wird, verfehlt seine Kontaktleute 
und muss sich in einer frühzeitlichen Festung verbergen.

In der Woche nach Ostern bewegen sich die Aufständischen innerhalb Dublins kaum, sie 
hoffen auf Verstärkung, die letztendlich nur vereinzelt eintreffen wird. So harren sie 
aus, bis die Post und einige andere wichtige Knotenpunkte von der paramilitärischen 
britischen Polizei, übrigens überwiegend Iren, umstellt und mit Granaten beschossen 
werden. Es gibt einige wenige Gefechte im Hinterland, aber im Wesentlichen bleibt das 
Geschehen auf die Hauptstadt beschränkt, vor allem, weil der offizielle Führer der Irish 
Volunteers, Eoin Mac Néill, in einer chaotischen Informationslage zeitgleich mit Beginn 
des Aufstandes den Befehl zum Abbruch gibt.

Die Gefechte in Dublin werden heftiger, ein Teil der Post wird samt anderen Gebäuden durch 
Granatenbeschuss fast dem Erdboden gleichgemacht. Schließlich stolpern die überlebenden 
Aufständischen aus den brennenden Ruinen und ergeben sich, viele sind schwer verletzt.

Die Kämpfe haben 64 Rebellen und 132 Polizisten und Soldaten das Leben gekostet, 254 
Zivilisten sind meist von der Polizei erschossen worden, oft in Panik, weil sie irrtümlich 
für Kämpfende der IRB oder ICA gehalten wurden.

Constance Markiewicz, Zeichnung des Dichters Yeats
Eine Gräfin, die Juwelen verschenkt und zu den Waffen greift

Der 2. Offizier einer ICA-Einheit im Dubliner Stephen’s Greens ist überraschenderweise 
eine Frau, Constance Markievicz. Sie distanzierte sich von ihrem gesellschaftlichen Stand 
und verkehrte in der Arbeiterklasse. Diese lebte in Slums, oft mit dutzenden von 
Familienmitgliedern in einem Haus. Jahrelang finanzierte die Gräfin Volksküchen, bis sie 
selbst völlig verarmt war. Sie war Mitbegründerin der ICA und entwarf ihre Uniformen. Auch 
Constance muss sich ergeben. Als ihr Todesurteil aufgehoben wird, weil sie eine Frau ist, 
ruft sie dem Militärgericht zu: „Ich wünschte wirklich, ihr hättet den Anstand, mich zu 
erschießen!“

Denn Großbritannien zeigt sich ansonsten hart: 90 Todesurteile werden gefällt, davon 15 
vollstreckt (oder 16, wenn man Casement mitzählt, der inzwischen gefangen, im August als 
Verräter gehenkt wird). Darunter sind alle sieben Männer, die die Unabhängigkeitserklärung 
unterzeichnet haben.

Sinn Feins Triumph 1918/1919

Hatte die irische Bevölkerung den eigentlichen Aufstand überwiegend feindselig 
gegenübergestanden, so kündigte sie der englischen Herrschaft nach der Erschießung der für 
ihren Idealismus bekannten Männer die Gefolgschaft auf.

Und als die überlebenden irischen Soldaten aus Flandern und den anderen Schauplätzen des 
1. Weltkrieges zurückkehrten und ihr Land in Aufruhr vorfanden, schlossen sich die meisten 
der Unabhängigkeitsbewegung an. Bei den (Regional-)Wahlen in Irland Mitte Dezember 1918 
für das Abgeordnetenhaus in London gewann Sinn Fein die große Mehrheit, 73 der 105 Sitze, 
einer ging an Constance Markievicz als einzig gewählte Frau. Fast alle 
Sinn-Fein-Abgeordneten waren wie die Gräfin Teilnehmer des Osteraufstandes gewesen und sie 
dachten nicht im Entfernsteten daran, ihre Sitze in Westminster einzunehmen. Stattdessen 
bildeten sie in Dublin den Dáil Éireann, die „irische Versammlung“, und riefen erneut die 
Unabhängigkeit aus. Als Antwort schickte England die „Black and Tans“ zur Verstärkung der 
Polizei, ehemalige britische Söldner, die für ihre Brutalität berüchtigt waren. Die aus 
IRB und ICA gebildete Irish Republican Armee (IRA) griff sie ihrerseits sofort an. 
Angeführt von Michael Collins (1890-1922) begann ein zweieinhalbjähriger Guerillakrieg, 
über 2000 Menschen wurden getötet. Das war aber nur der Auftakt zu dem noch blutigeren 
Bürgerkrieg der Iren untereinander, der um die Einheit des Landes geführt wurde. Bis 1923 
war er zwar weitgehend beendet, brach aber 1969 mit den „Troubles“ in Nordirland wieder 
vehement aus.

Nationale Befreiung und soziale Revolution

James Connolly, der Gewerkschaftler und Sozialist, von dem Michael Collins sagte, er wäre 
ihm auch durch die Hölle gefolgt, war nicht nur der Anführer der Dubliner Brigade und 
damit der eigentliche Kopf des Aufstandes. Ihm war sehr bewusst, dass nationale Befreiung 
alleine keine wesentliche Änderung der sozialen Verhältnisse bringen würde. Connollys 
Worte aus dem Jahr 1915 sind immer noch aktuell:

„‚Wenn Irland frei sei wird’, sagt der Patriot, der vom Sozialismus nichts wissen will, 
‚werden wir alle Klassen beschützen. Doch wenn du deine Miete nicht mehr zahlen kannst, 
schmeißen wir dich auf die Straße. Aber diejenigen, die Zwangsräumungen ausführen und 
anordnen, werden grüne Uniformen mit einer Harfe ohne Krone tragen und der Befehl wird den 
Stempel der irischen Republik tragen!’... Deswegen sage ich, organisieren wir uns alle als 
eine Klasse, die den Herren entgegentritt und ihre Herrschaft beendet. Organisieren wir 
uns, um die Umklammerung des öffentlichen Lebens durch ihre politische Macht zu lösen, 
organisieren wir uns, um ihre Krallen wegzureißen vom Land und von den Werkstätten, in 
denen sie uns versklaven. Organisieren wir uns, um unser Leben vom sozialen Kannibalismus 
zu reinigen, vom Ausrauben des Menschen durch seinen Mitmenschen.“

Oliver Steinke

Anmerkungen

[1] In der Frühzeit und im Mittelalter beanspruchten zwar immer mal wieder einige 
keltische Stammesführer den Titel „Hochkönig“, aber diese archaische Bündnisorganisation 
war denn doch etwas anderes, als der Staat, um den es den Aufständischen ging.

[2] Lichtschwerter entstammen ursprünglich nicht George Lucas „Star Wars“, sondern der 
irischen Mythologie von Lugh mit der silbernen Hand, der gegen den einäugigen Riesen Balor 
kämpfte.

[3] Schätzungen gehen von bis zu 10 Millionen seit dem 17. Jahrhundert aus, wobei etwa 80 
Millionen ihrer Nachkommen sich auch heute noch als Iren verstehen, das entspricht mehr 
als dem Zwölffachen der Einwohnerzahl der gesamten irischen Insel.

[4] Eigentümer der Straßenbahn war ironischerweise der irische Nationalist William Martin 
Murphy, während die Streikenden von englischen Gewerkschaften unterstützt wurden – ein 
früher Hinweis, dass Klassenkämpfe nur antinational geführt werden können.

[5] Wobei nur etwa 70% in diesen Regimentern auch tatsächlich Iren waren.

[6] Sir Robert Casement (1864-1916), irischer Protestant, zunächst im Auftrag der 
englischen Krone als Gesandter tätig, klärte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Peru 
und Kongo auf und wurde dafür zum Ritter geschlagen. Ab 1913 beteiligte er sich am Aufbau 
und der Bewaffnung der Irish Volunteers.

https://www.direkteaktion.org/2016-03/Osteraufstand-1916


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