(de) FAU-IAA Direct Action #233 - Tief im Subsubsumpf -- FAU Freiburg und polnische Bauarbeiter erkämpfen vor Gericht ausstehenden Lohn

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Thu Mar 31 14:45:44 CEST 2016


In Arbeitskämpfe um Lohnraub am Bau sind in den letzten Jahren einige Syndikate der FAU 
involviert gewesen. Da war der Kampf von polnischen Bauarbeitern in Dortmund sowie die 
aktuellen Kampagnen um die „Mall of Shame“ in Berlin und „Bezahlt Vladimir“ in Dresden. 
Allen diesen Kämpfen ist gemeinsam, dass sie im prekären Milieu migrantischer 
Arbeitskräfte stattfinden. Oft haben es die um ihren Lohn geprellten Arbeiter mit einem 
Subunternehmensgeflecht zu tun, auf das sie mit einer Vielzahl von Kampfformen reagierten. 
---- So auch in Freiburg: Getrennt von den übrigen Arbeitern wohnte der Vorarbeiter Mari 
mit dem polnischen Subunternehmer Mariusz Prucnal und seiner Prokuristin zusammen. Nachdem 
wochenlang kein Lohn gezahlt worden war, drängten ihn die beiden dazu, die Arbeiter auf 
der Baustelle offen zu belügen. Im Streit zog Mari daraufhin in einen Wohncontainer auf 
der Baustelle. Sodann begann ein fünftägiger Streik auf der Baustelle des 
Luxusstudentenwohnheims Campo Novo. Der Vorarbeiter suchte Unterstützung für den 
Arbeitskampf und stieß im Internet auf die FAU Freiburg.

Mari schrieb eine Mail mit der Bitte um Hilfe.Das Syndikat war rasch zu entflammen für den 
Kampf. Die erste Mahnung an den Arbeitgeber blieb jedoch unbeantwortet. Daraufhin warf die 
FAU Freiburg ihre medialen Netzwerke an und siehe da – das Echo auf die Vorkommnisse bei 
Campo Novo war groß. Radio Dreyeckland brachte mehrere Interviews, unter anderem mit Mari, 
und auch der SWR und die Badische Zeitung berichteten. Nach und nach offenbarte sich auch 
das undurchsichtige Unternehmensgeflecht auf der Baustelle: Die Generalbauunternehmerin 
des Studentenwohnheims war die Züblin AG. Diese beauftragte die Klum GmbH in Bad Camberg 
mit der Installation von verschiedenen Gewerken. Klum gab einen Teil dieses Auftrags an 
den polnischen Subunternehmer Prucnal weiter.

UNTERNEHMEN WOLLEN SICH AUS DER VERANTWORTUNG ZIEHEN

Im Oktober 2014 kam es dann mit Unterstützung der FAU zu einer ersten Verhandlung vor dem 
Freiburger Arbeitsgericht, das mit einem Versäumnisurteil zu Gunsten der Arbeitnehmerseite 
endete. Allerdings war schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass es schwierig werden würde, das 
Geld in Polen einzutreiben. Prucnal war abgetaucht und auch die Arbeiter waren wieder 
zurück in Polen. Die Kommunikation war schwierig und lief allein über den Vorarbeiter. 
Deshalb trafen am Ende nur sechs von 14 Prozessvollmachten ein.

Weil die Tätigkeiten im Sanitärbau stattgefunden hatten, die zum Baunebengewerbe gehören, 
galt die Generalunternehmerhaftung nicht. Damit zerschlug sich die Hoffnung, juristisch 
auch die Züblin AG oder die Klum GmbH belangen zu können, die sich stattdessen aus der 
Verantwortung zogen. Die Prozesse zogen sich bis zum Mai 2015 hin und endeten unter 
anderem mit drei Vergleichen, in denen Prucnal einen Teil seiner Ausstände an Klum abtrat. 
Begleitet wurden die Prozesse von zwei Flugblattaktionen am Studentenwohnheim, die als 
Reaktion den Kontakt zu einer Facebook-Gruppe einbrachten, in der sich BewohnerInnen 
organisiert hatten. Außerdem hielt die FAU mehrere Redebeiträge auf Freiburger Demos, in 
denen sie den Fall der polnischen Bauarbeiter immer wieder in Erinnerung rief.Auf der 
juristischen Ebene war der Kampf erfolgreich, obwohl kein Anwalt hinzu gezogen wurde. 
Insgesamt erstritt die FAU Freiburg gemeinsam mit den Bauarbeitern 14.000 Euro 
ausstehenden Lohn. Doch die Klum GmbH will sich ihrer Verantwortung aus den 
Abtretungsansprüchen entziehen. Als die FAU diesbezüglich den Druck verschärfte, drohte 
die Firma mit einer Unterlassungserklärung, auf die die Gewerkschaft jedoch gelassen und 
geharnischt reagierte: „Unverständlich ist es, dass Unternehmen wie Klum und Züblin, die 
im deutschsprachigen Raum Großbauten errichtet haben, keinerlei Verantwortung übernehmen, 
wenn es um die Entlohnung ihrer mit den Prachtbauten beauftragten Beschäftigten geht.“ 
Dennoch warten die polnischen Bauarbeiter – genauso wie ihre rumänischen Kollegen aus 
Berlin – immer noch auf ihren sauer verdienten Lohn.

Jürgen Frietsch und Herbert Maier FAU Freiburg

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