(de) FAU-IAA Direct Action #233 - COP21: Zielvereinbarung ohne Fahrplan -- Ein Kommentar von Martin Diener

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Tue Mar 29 11:18:00 CEST 2016


Im Jahr 2013 hielt Yeb Sano eine kurze aber ergreifende Rede auf der Weltklimakonferenz in 
Warschau, in der er die Zerstörungen seiner philippinischen Heimat durch den Taifun Haiyan 
schilderte. Tränen kullerten, betretene Zustimmung, aber es passierte – nichts. Daraufhin 
trat Sano in den Hungerstreik und VertreterInnen der sogenannten Entwicklungsländer 
verließen zusammen mit Umweltorganisationen die Konferenz. ---- In Paris sollte alles 
anders werden. Vom Diplomaten zum Aktivisten gewandelt und mit dem Segen des Papstes 
machte sich Sano dieses Jahr zu Fuß von Rom aus über die Alpen auf den Weg nach Paris. 
Andere folgten diesem Beispiel in einem wortwörtlichen Pilgermarsch, nur um sich am Ende 
der Reise in einer von Terrorangst erschütterten Stadt nicht mehr unter freiem Himmel 
versammeln zu dürfen. Was war nicht alles geplant, um die „United Nations‘ 21st Conference 
of the Parties“ (COP21) mit zivilem Ungehorsam zu begleiten: Eine Menschenversammlung, die 
den People‘s Climate March des letzten Jahres in New York noch in den Schatten stellen 
sollte; eine Gruppe britischer Studierender wollte gar ganz Paris lahmlegen. Unter der 
herrschenden Paranoia schafften es zum Protest jedoch gerade einmal 20.000 Paar Schuhe auf 
den Platz der Republik und ein paar Eimer gelbe Farbe auf den Place Charles-de-Gaulle.

Den DiplomatInnen der COP21 gelang es dennoch, sich auf ein verbindliches Ziel von 1,5°C 
maximaler Temperatursteigerung zu einigen. Zu Recht stellt aber zum Beispiel der NABU die 
Frage, wie dieses Ziel ohne Dekarbonisierung oder Berücksichtigung des immer weiter 
zunehmenden globalen Handels umgesetzt werden soll. Seinen Schätzungen zu Folge werden wir 
ohne geänderte Energie- und Verkehrspolitik mindestens 2,7°C erreichen. Das wäre eine 
Katastrophe für den globalen Süden, aber nicht nur für diesen.

Von Paris aus lässt sich nicht nur wegen COP21, sondern auch aufgrund der zuvor begangenen 
Anschläge und ihren Folgen der Bogen zu unser aller Zukunft in einem heißeren Klima 
spannen. Nicht nur brechen in Europa gerade soziale Konfliktlinien auf, wie die Attentäter 
aus den Banlieues zeigen. Ihre mutmaßlichen Strippenzieher sitzen in einem auch als Folge 
einer Dürre destabilisierten Syrien. Diese will die BRD nun zusammen mit dem in 
ungebrochen kolonialer Tradition agierenden Frankreich militärisch bekämpfen. Dadurch 
werden weitere Flüchtlinge zur Überquerung des Mittelmeers gezwungen, während sich in 
Europa durch die Einschränkung bürgerlicher Rechte und nationalistischer Polemik im Alltag 
die soziale Situation verschärft. Das Klima macht bereits Politik!

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