(de) FAU-IAA Direct Action #233 - Unsere eigentliche Stärke

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Mon Mar 28 14:28:33 CEST 2016


Die FAU Dresden führt den Kampf für ausstehende Löhne eines bulgarischen Bauarbeiters 
außergerichtlich weiter ---- Als am 29. November 2015 gegen halb drei am Nachmittag etwa 
40 Personen durch Berlin-Bohnsdorf demonstrieren (s.u.), kämpft der bulgarische 
Bauarbeiter Vladimir K. bereits seit knapp anderthalb Jahren für seinen ausstehenden Lohn. 
Im Frühjahr 2014 hatte Vladimir mit 35 anderen Kollegen aus Bulgarien und Griechenland 
seine Arbeit auf einer Baustelle in Dresden-Löbtau angetreten. Die Vormil 
Grundstücksgesellschaft mbH sanierte hier seit 2013 einen großen Gebäudekomplex und hatte 
dazu als Subunternehmerin die City Aktiv GmbH aus Berlin engagiert. ---- Diese ließ, 
repräsentiert durch ihren Chef Yordan Genchev, die Arbeiter für teures Geld auf der 
Baustelle in nass-kalten, dreckigen und überfüllten Räumlichkeiten schlafen. So wanderte 
ein Teil des Lohns, der durch immer unregelmäßigere Abschlagszahlungen und immer geringer 
werdende Beträge ohnehin schon knapp wurde, auch noch zurück in die Taschen der Firma.

Mangelnder Arbeitsschutz und willkürliche Strafzahlungen rundeten das Paket der modernen 
Sklavenhalterei ab. Als die Beschwerden lauter wurden, tauchten Handlanger des Chefs auf 
und prügelten einen griechischen Arbeiter ins Krankenhaus. Ein zweiter Angriff konnte 
glücklicherweise erfolgreich abgewehrt werden. Zusammen mit der griechischen Gemeinde, dem 
Ausländerbeirat und der IG Bau organisierten die Arbeiter daraufhin im Juli 2014 eine 
Kundgebung und legten die Arbeit auf der Baustelle nieder. Dies erweckte die 
Aufmerksamkeit der FAU Dresden und des Löbtauer Nachbarschaftsnetzwerks, die ihre 
Unterstützung anboten. Diese nahm letztendlich aber nur Vladimir in Anspruch. Die City 
Aktiv GmbH hatte inzwischen den Konflikt befriedet, indem sie im Anschluss an ein von der 
FAU Dresden organisiertes Gespräch einen Teil der ausstehenden Löhne ausgezahlt hatte. Die 
restlichen Arbeiter brauchten zu dringend Jobs, bei denen sie tatsächlich bezahlt werden, 
oder sahen keinen Erfolg darin, sich zu wehren.

SYSTEMATISCHE AUSBEUTUNG AUF DEM BAU: MIT IHRER KAMPAGNE KÄMPFT DIE FAU DRESDEN NICHT NUR 
FÜR DEN EINZELFALL.

STAATLICHE INSTANZEN AUF ARBEITGEBERSEITE

Als die Polizei die Protestierenden auf der Demo am 29. November an einer Kreuzung vor den 
Firmenräumen der City Aktiv stoppt, ist sie nicht die einzige staatliche Instanz, die der 
Durchsetzung der Lohnforderung von Vladimir im Weg steht. Das Dresdner Arbeitsgericht 
hatte den Fall des Bauarbeiters bis August 2015 verschleppt, um im Anschluss daran die 
Klage abzuweisen, ohne die angegebenen Zeugen zu hören. Vladimirs Schilderung der Zustände 
auf der Baustelle tat das Gericht mit der Begründung ab, diese sei nicht verwertbar, da es 
sich nicht um eine tagesgenaue Auflistung seiner Tätigkeiten handele. Stattdessen maß das 
Gericht der Aussage Genchevs mehr Wert bei, der argumentiert hatte, Vladimir wäre nach 
einem Tag Probearbeit entlassen worden. Die bereits erfolgte Zahlung von 1.200 Euro, die 
per Quittung nachgewiesen werden konnte, gab der Chef der City Aktiv einfach als Darlehen 
aus, dass er dem Kollegen für seine Rückreise geliehen hätte. Diese vermeintlich 
zuvorkommende Haltung Genchevs schien am Gericht niemanden zu verwundern – schließlich 
verleihen Chefs gerne mal so hohe Summen ohne Versicherung!

GEWERKSCHAFTLICHE KAMPAGNE

In Absprache mit Vladimir, den persönliche Gründe inzwischen zur Rückreise genötigt 
hatten, beschloss die FAU Dresden den Kampf für den ausstehenden Lohn nun außergerichtlich 
weiterzuführen und zog eine bereits beantragte Revision zurück. Dies soll ein Zeichen an 
alle Unternehmer, vor allem aber an alle Beschäftigten in der Branche sein. Denn gerade 
ArbeiterInnen ohne deutsche Staatsangehörigkeit haben besonders hohe Hürden zu nehmen, 
wenn sie um ihren Lohn betrogen wurden und den juristischen Weg beschreiten wollen. 
Geringe Sprach- und Rechtskenntnisse, die unsicheren finanziellen Verhältnisse, die der 
Status als WanderarbeiterIn mit sich bringt, sowie die meist ungenügende Dokumentation von 
Arbeitsstunden machen den Gang zum Anwalt, geschweige denn vor Gericht oft nahezu unmöglich.

Stattdessen sieht sich die City Aktiv GmbH nun einer gewerkschaftlichen Kampagne 
ausgesetzt, die den Druck auf sie durch diverse außergerichtliche Mittel erhöht. Nachdem 
der erste Protest über den Telekommunikationsweg ebenfalls nicht zur Zahlungsbereitschaft 
der Firma führte, machte die FAU mittels der Demonstration vor den Geschäftsräumen im 
November im direkten Umfeld auf den Fall aufmerksam. Auch die Kontaktaufnahme mit 
potenziellen Partner-Firmen und Auftraggebern schließt die Gewerkschaft nicht 
aus.Gleichzeitig soll der Fall nicht isoliert betrachtet werden. Die FAU Dresden plant 
daher eine bundesweite Kampagne, die die Ausbeutung von WanderarbeiterInnen auf dem Bau 
thematisieren soll. Die Verhältnisse, die Vladimir vorfand, unterscheiden sich kaum von 
den miserablen Bedingungen, denen die Arbeiter der „Mall of Shame“ in Berlin ausgesetzt 
waren oder denen, gegen die sich die polnischen Kollegen zusammen mit der FAU Freiburg wehren.

Alice M., FAU Dresden

https://www.direkteaktion.org/233/unsere-eigentliche-staerke


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