(de) fda-ifa gai dao #63 - Beitrag zur Debatte um die sexuellen und sexualisierten Übergriffe in der Silvesternacht Von: Libertäre Gruppe Karlsruhe

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Sat Mar 26 12:32:35 CET 2016


Wie wahrscheinlich schon langläufig bekannt sein sollte kam es in der Silvesternacht am 
Kölner Hbf zu einer Vielzahl von sexueller und sexualisierter Gewalttaten, zu anderen 
Angriffen auf die körperliche Unversehrtheit von Menschen und zu Diebstählen. An die 1000 
oder mehr Männer mit angeblich „nordafrikanischem“ und „arabischem“ Hintergrund, die sich 
in Gruppen zusammenschlossen, bewarfen und beschossen andere anwesende Menschen, die den 
Jahreswechsel feiern wollten, mit Feuerwerkskörpern, trennten Frauen von ihrer Familie 
oder ihren Freund*innen ab, belästigten sie und nutzten die Pein der Betroffenen um sie zu 
bestehlen. ---- Auch wenn diese Darstellung schon einige Ungenauigkeiten aufweist und ein 
Grund zum genaueren Hinschauen sein müsste, scheint sich diese Darstellung in allen Medien 
zu bestätigen. Was sich nun im Einzelnen abgespielt hat und ob es
Fehler beim Polizeieinsatz vor Ort
gegeben hat soll im Folgenden
weniger eine Rolle spielen. Uns, die
Verfasser*innen dieses Textes, geht es
vielmehr um Sexismus, Rassismus und
die Diskussionen, welche die Vorfälle
in Köln ausgelöst haben.

Für falsch halten wir die Fokussierung
auf die Täter und nicht auf das Erlebte
der Betroffenen. Denn so entsteht der
Eindruck, dass „nichtdeutsche“ junge
Männer das Problem seien. Klar er-
kennen wir das schreckliche, unver-
gleichliche Ausmaß der Gewalt, be-
sonders an Frauen in dieser Nacht und
unsere Solidarität gilt zu allererst un-
eingeschränkt den Betroffenen von
Übergriffen. Doch wundern wir uns
aus welcher Ecke der politischen Landschaft sich derzeit das Entsetzen
mit am lautesten zeigt. Oder sollte uns das wirklich überraschen? Kon-
servative bis offen rechte Kreise, ob Menschen nahe der CSU, CDU oder
der Pegida-Bewegung und der AfD, aber auch bekennende Nazis ent-
decken plötzlich ihr Interesse für Frauen- und Menschenrechte.

Frauenverachtung sei importiert und mit den Werten in Deutschland
oder gar Europa unvereinbar. Ähnlich verhält es sich mit anderen, älte-
ren Themen. So gäbe es hier keine Anfeindungen Homosexueller, Juden
und Jüdinnen gegenüber. Auch diese Problematiken seien von Musli-
men nach Europa eingeführt worden. Betrachten wir aber die Äußer-
ungen, die außerhalb der Debatte um Silvester in Köln und anderen
Städten, der genannten Gruppierungen und ihrer Mitglieder getätigt
werden, oder beschäftigten uns mit dem Familienbild bzw. den Rollen,
die Mann und Frau ihrer Meinung nach naturgegeben zu spielen haben,
wird schnell klar, dass es hier darum geht, dass „Nichtdeutsche“ sich
falsch verhalten haben. Nicht Sexismus und Homophobie, auch nicht
Antisemitismus ist für sie das Problem. Sondern wer diese Einstell-
ungen an den Tag legt. Eindeutiger kann Rassismus und Nationalismus
nicht sein.

Aber jetzt zum eigentlichen Thema: Sexuelle und sexualisierte Gewalt
geht hauptsächlich von Männern aus. Egal ob in Europa, Afrika oder
sonst wo. Es ist also ein Männerproblem! Diebstahl und Gewalt im
Allgemeinen ist hingegen vermehrt in sozial schwächeren Schichten
verbreitet.

Weiter lässt sich sagen, dass je kon-
servativer das Frauenbild (stark von
der Religiosität einer Gesellschaft,
egal ob muslimisch, christlich oder
sonst wie, abhängig) in einer Gesell-
schaft ist, umso verbreiteter ist sexu-
elle und sexualisierte Gewalt. In vie-
len Ländern geht es konservativer zu
als in Deutschland. So zum Beispiel
in vielen arabischen Ländern oder
z.B. auch in Indien. Es verwundert
also nicht, dass es dort im Durch-
schnitt häufiger zu Übergriffen
kommt.

Das bedeutet aber nicht, dass ein In-
der oder ein Muslim nicht weniger
sexistisch sein kann als z.B. ein Deut-
scher. Gerade wenn wir uns die Ge-
schichte des Christentums anschau-
en, sollte allen schnell klar werden, dass es bestimmt nicht die emanzi-
patorische Religion ist.

Trotzdem scheint neben dem Geschlecht der Täter von Köln auch ihre
Herkunft eine Rolle gespielt zu haben. Was bedeutet das nun für einen
Rechtsstaat wie Deutschland? Als allererstes sind alle Menschen vor
dem Gesetz gleich und wollen wir nicht hinter bürgerliche „Freiheiten“
und „Rechte“ zurückfallen ist es ziemlich egal, ob die Tätergruppe nun
christlich deutsch oder muslimisch „nordafrikanisch“ war. Spielt das
Milieu doch eine Rolle, ist es notwendig auf dessen Eigenheiten einzu-
gehen, um die Problematik zu analysieren und bekämpfen zu können.

Da wir das bürgerliche Rechtssystem ohnehin eher für einen Teil des
Problems halten, erscheinen uns die Herstellung von sozialer Sicherheit,
Aufklärung und Schutz von Betroffenen als die geeigneteren Maßnah-
men gegen gesellschaftliche Probleme wie Sexismus.

Auch wenn wir die alte NPD-Parole „Kriminelle Ausländer raus“ heute
auch aus der „bürgerlichen Mitte“ hören, ist Abschiebung für Straftaten
bis 3 Jahre Haft nicht vorgesehen. Wenn gefordert wird, dass wer keinen
Respekt vor Frauen hat, aus Deutschland ausgewiesen werden sollte,
müsste man das auch auf deutsche Täter anwenden.

Zwar sollte für uns jeder Mensch dort leben können, wo er oder sie
will, doch gilt in Deutschland zumindest: Asyl bekommt wer Verfolgt
wird oder vor Kriegen flieht und nicht weil er oder sie ein guter
Mensch ist.

Das, was auf der
Domplatte geschah, hat
für uns einen Namen und
wir nennen das, was da-
hinter steckt Sexismus
und erkennen im Aus-
üben der sexualisierten
Gewalt in Verbindung mit
den Diebstählen ein auto-
ritäres Muster. Menschen
üben Macht über andere
Menschen aus. Sie nutzen
ihre privilegierte Stellung,
in diesem Fall die des
Mannseins aus um andere
Menschen, in diesem Falle
Frauen, zu erniedrigen.

Ähnlich schreckliche Erfahrungen machen Frauen seit Jahren in den
Bierzelten des Oktoberfestes oder hinter verschlossenen Türen in ganz
Deutschland. Die Tätergruppe eint oftmals eins; es handelt sich um
Männer. Die Betroffenengruppe eint ähnliches; sie sind Frauen. In einer
Gesellschaft, in der durch strukturellen Sexismus und strukturelle
Gewalt tagtäglich Menschen erniedrigt werden, etwa durch ungleiche
Bezahlung oder biologisch begründete Rollenverteilung, wird die ei-
gentliche Problematik nicht erkannt.

Nicht die strukturellen Probleme in der deutschen Gesellschaft, aber
auch nicht die Übergriffe und die Erniedrigungen der Frauen bilden die
Grundlage der Debatte, es ist die Tätergruppe.

Was ist also zu tun? Als erstes sollten Betroffene von sexualisierter und
sexueller Gewalt ernst genommen werden. Egal woher die Täter zu
kommen scheinen. Es sollte ihnen erst einmal geglaubt werden und ein
„Nein“ sollte auch als „Nein“ anerkannt werden. Im deutschen Rechts-
system reicht ein Nein nicht als ausreichendes Zeichen, dass Frau
keinen Sex haben oder in
Ruhe gelassen werden
will. So zählt es nicht als
Vergewaltigung, wenn
Frau sich nicht körperlich
wehrt. Dabei wird nicht
bedacht, dass z.B. Angst
vor mehr Gewalt die be-
troffene Person davon ab-
halten könnte sich zu
wehren.

Zweitens ist es gesamt-
gesellschaftlich notwen-
dig durch Bildung, Kultur
und soziale Angleichung
ein emanzipatorisches
Frauenbild zu vermitteln
und zu stärken. Das sollte
schon in der Kita beginnen. Natürlich muss auf bestimmte Milieus be-
sonders eingegangen werden. Dazu zählen aber nicht nur junge
Muslime aus Problemvierteln, sondern auch christliche Vereine,
deutsche Stammtische oder die AfD.


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