(de) fau berlin, Mindestlohn? Nicht in der Bildungsarbeit...

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Wed Mar 23 11:11:05 CET 2016


Der reale Stundenlohn von Bildungsarbeiter_innen bewegt sich nach aktuellen Recherchen oft 
unter dem Mindestlohn. Auch die DGB-Jugend Berlin-Brandenburg bezahlt demnach ihre freien 
Mitarbeiter_innen miserabel. ---- Das Netzwerk Prekäres Wissen hat vereinbarte und 
effektive Stundenlöhne verglichen ---- Während sich SPD, DGB und Co auf ihre 
Funktionärsschultern klopfen, weil der Mindestlohn seinen ersten Geburtstag nahezu 
unbeschadet überstanden hat, suchen Arbeitgeber_innen in allen Bereichen nach 
Möglichkeiten die gesetzlichen Reglements zu unterwandern und die Stundenlöhne weiter zu 
drücken. Eine Vorreiterrolle kommt dabei seit eh und je dem Wissenschaftsbetrieb und der 
Bildungsarbeit zu. Hier arbeiten besonders viele Selbstständige, bei denen gängige Tarife 
einfach zu umgehen sind: Vereinbarte Stundenlöhne, die eigentlich akzeptabel scheinen, 
werden immer häufiger durch ausbeuterische Reglements des Honorarwesens erodiert. Nicht 
nur ist der Arbeitsaufwand fast immer viel höher als vereinbart, meist müssen dann noch 
große Teile des Lohnes selbst versteuert werden und gehen für die Krankenversicherung 
drauf. Am Ende bleibt oft kaum noch was zum leben.

Unsere Freund_innen vom Netzwerk Prekäres Wissen haben sich nun die Mühe gemacht, die 
letztlich ausgezahlten Honorare selbstständiger Bildungsarbeiter_innen auf die geleisteten 
Arbeitsstunden hochzurechnen. Entstanden ist eine Honorartabelle, die die real gezahlten 
Brutto-Stundenlöhne aufschlüsselt. In ihrem Report kann man die erschreckend miserablen 
Ergebnisse nachlesen: In den meisten Fällen bleibt deutlich weniger als der Mindestlohn.

Diese Entwicklung zieht sich durch alle gängigen Tätigkeitsbereiche: von Museen über 
Volkshochschulen bis in die Universitäten. Doch auch ein großer Teil der erfassten 
Auftraggeber_innen "sind ausgerechnet Gewerkschaften oder gewerkschaftsnahe 
Bildungseinrichtungen, die nicht nur in größerem Ausmaß über Eigenmittel verfügen, sondern 
die auch politisch daran interessiert sein sollten, die Bildungsarbeiter_innen, die 
selbstständig für sie tätig sind, angemessen zu bezahlen".

Exemplarisch für diese Gruppe steht die DGB-Jugend Berlin-Brandenburg. Hier bleibt den 
Arbeiter_innen den Recherchen nach oft nur ein Brutto-Stundenlohn um die sechs Euro 
(Report S. 16). Damit gerät dieser Auftraggeber erneut in die Negativschlagzeilen. Denn 
bereits im Januar wurde einem freien Mitarbeiter nach gewerkschaftlichen Aktivitäten der 
Rahmenvertrag durch die DGB-Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin gekündigt (wir 
berichteten). Gerade für einen gewerkschaftlichen Träger sind solche Zustände mehr als 
peinlich!

Für uns ist klar, dass sich in diesem Bereich etwas ändern muss. Die Bildungssektion der 
FAU Berlin setzt sich weiter für faire und pünktliche Bezahlung der Bildungsarbeiter_innen 
in Berlin ein.

Lasst euch solche Praktiken nicht länger gefallen. Organisiert euch!

Weitere Links:

https://prekaereswissen.wordpress.com/honorartabelle-prekare-beschaftigung/

https://berlin.fau.org/news/dgb-kuendigt-honorarkraft-nach-gewerkschaftlichen-aktivitaeten

https://berlin.fau.org/strukturen/bildung

https://berlin.fau.org/news/mindestlohn-nicht-in-der-bildungsarbeit


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