(de) Antirassistische Winterthur: Bald Schluss mit günstigem Wohnraum?

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Thu Mar 17 17:45:23 CET 2016


In der Stadt Winterthur wird die Gentrifizierung weiter voran-getrieben. Besonders die 
Immobilien der Terresta AG sind begehrte Aufwertungsobjekte. Etliche Mietwohnungen und 
besetzte Häuser, wie die „GISI“, sind aufgrund dieser Situation bedroht. ---- Die Stadt 
ist Lebensmittelpunkt von vielen Menschen, die den Ort mit verschiedenen Ideen lebendig 
halten. Ein lebendiger Ort soll Platz haben für die Bedürfnisse von Menschen 
verschiedenster Couleur, auch von solchen, die keine Karriere machen können oder wollen. 
Dem gegenüber steht die kapitalistische Logik, gemäss derer auch Grundbedürfnisse wie 
Wohn- und Lebensraum mess- und bewertbar sind. So wird die Stadt zum unermesslichen 
Spielplatz für die Meistbietenden. Das Phänomen, dass Menschen ihren Wohnraum wegen 
finanziellen Interessen verlassen müssen, ist nichts Neues und wird allgemein unter dem 
Begriff Gentrifizierung zusammengefasst. Wie so oft sind es dabei die ohnehin schon 
Marginalisierten, die von dieser Politik am stärksten betroffen sind. Wer nicht ins 
Hochglanz-Stadtbild der Marketingbüros passt stört und muss weg.

Viele Häuser, in denen bis anhin wenig luxuriös aber günstig gewohnt wurde, gehören zur 
Immobiliensammlung des mittlerweile an Demenz erkrankten Bruno Stefanini, der nur sehr 
spärlich Häuser renovieren liess. Zur Freude der Stadtregierung treibt nun die Verwaltung 
von Stefaninis Terresta AG die Aufwertung munter voran. Beispiele für Renovationen mit 
damit verbundener massiver Verteuerung der Miete gibt es genügend. Die Verwaltung lässt 
sich in den Medien dahingehend zitieren, dass der Fokus vorerst auf die Altstadt gerichtet 
sein wird.

Mittlerweile wurde bekannt, dass auch für die Liegenschaft an der General-Guisan-Strasse 
31 am Rande der Altstadt konkrete Baupläne zur Sanierung existieren und jederzeit mit 
einer Räumungsankündigung gerechnet werden muss. Das als „Gisi“ oder „GGS31“ bekannte Haus 
ist das älteste besetzte Haus der Stadt und seit bald 20 Jahren ein zentraler Ort 
subversiver Kultur und radikaler linker Politik. Es ist ein Raum und Treffpunkt in dem 
versucht wird D.I.Y. (Do It Yourself) zu leben; für eine kollektive, selbstverwaltete 
Lebensweise und widerständig gegen die herrschenden, unterdrückerischen Verhältnisse. Im 
Keller finden jährlich um die dreissig Non-Profit- oder Soli-Konzerte statt, mit jungen 
wie alten Bands, von hier und aus aller Welt.

Ein Versuch diesen Raum zu nehmen und der gängigen Markt- und Gesellschaftslogik zu 
unterwerfen wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht zufällig, da die Gisi der Stadtverwaltung 
schon lange ein Dorn im Auge ist und mit einem Umbau die Rendite des Hauses auf ein 
Vielfaches gesteigert werden könnte.

Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass die General-Guisan-Str. 31 das letzte lukrative 
Objekt im Portfolio der Terresta AG darstellt. Betroffen sind nicht nur weitere politische 
und kulturelle Besetzungen, sondern auch eine grosse Zahl von Mietwohnungen/-häusern. 
Viele Mieter_Innen dieser Objekte sind existenziell auf tiefe Mietzinse angewiesen. Darum 
ist es absolut notwendig dieser Offensive von Oben unseren Widerstand von Unten 
entgegenzustellen.

Mit dieser Mitteilung wollen wir über die Vorgänge rund um die Gisi informieren, aber 
genauso wollen wir zum Widerstand gegen die Stadtexklusivierung und Vertreibung aufrufen. 
Es sind alle gefragt, die ihre Kreativität und ihre Energie aufwenden wollen, um diesen 
Angriff auf uns alle abzuwehren.

Ob Miethaus oder Squat
Wir bleiben die Stadt!

http://ch.indymedia.org/de/2016/01/96653.shtml


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