(de) FdA-Gruppen: Wir haben keine Wahl! Für die Anarchie… von libertäre gruppe karlsruhe
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Sun Mar 13 16:11:55 CET 2016
Wo leben wir eigentlich? Diese Frage stellen wir Anarchist*innen uns in diesen Tagen des
Öfteren. Und ehrlich gesagt hätten wir die ein oder andere politische und
gesellschaftliche Entwicklung so nicht für möglich gehalten. Obwohl uns durchaus bekannt
war, welche Herausforderungen Krieg und Krise mit sich bringen, bereiten uns die
derzeitigen Entwicklungen in Deutschland große Sorgen und machen uns wütend. ---- Am
13.03.2016 sollen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt neue
Landesparlamente gewählt werden und die Masse der Deutschen hofft auf Veränderung durch
ihr Kreuz auf dem Stimmzettel. Doch was soll sich durch diese Wahlen eigentlich ändern?
---- Wie sieht es aus in der Bundesrepublik ? Refugees Welcome ? ---- “Es brennt in
Deutschland” 1 Titelt Die Zeit am 03.12.2015. Gemeint sind die Angriffe auf Geflüchtete
und ihre Wohnorte.
Im Jahr 2015 gab es 924 Anschläge 2 auf Flüchtlingsheime in Deutschland. Eine Bilanz, die
zeigt wie es um die Weltoffenheit in der Bundesrepublik steht. Im Internet werden
Hasstiraden gegen Geflüchtete geschwungen und die AfD surft auf der Welle des
Nationalismus, Antifeminismus und der kriegerischen Propaganda in den Umfragen nach oben.
Frauke Petry und Beatrix von Storch wollen die Grenzen des Nationalstaates mit
Waffengewalt verteidigen. Ein Aufschrei geht durch die Reihen der “Anständigen”. SPD
Fraktionschef Oppermann spricht gar davon, dass Petry sich “politisch verirrt” hätte. Ihre
Partei sei “inhuman, verroht und antidemokratisch”, so Jan Korte, Fraktionsfize der
Linkspartei 3.
Die gesitigen Brandstifter der AfD schaffen klare Verhältnisse und verwenden Slogans
extrem rechter Straßenbewegungen wie der Identitären Bewegung. Im Wahlprogramm fordern sie
Erziehung, Kunst und Medien auf, die Ausbildung der deutschen Identität ins Zentrum ihrer
Bemühungen zu stellen 4. Nationalismus als Kern der Bildung, das Austauschen der Worte
Rasse und Identität ändert am Inhalt nichts! Da wird uns schlecht und wir erinnern uns an
die vielen Geschichtsbücher im Regal.
Menschen fühlen sich von der Poltik verlassen und missverstanden, ausgegrenzt und
missachtet. Ihre sogenannten Sorgen verkünden sie im Internet oder hetzen andern Orts
gegen Menschen, die in der Konkurrenz der wirtschaftlich Schwachen noch schlechter
abgeschnitten haben als sie selbst. Die Endsolidarisierung der Gesellschaft innerhalb
Europas und die Entfremdung des/der Einzelnen ist weiter fortgeschritten denn je. Wer noch
etwas Empathiefähigkeit und Solidarische Energie in sich trägt, ist wohl in der
freiwilligen Flüchtlingshilfe anzutreffen oder betätigt sich im Kampf um eine bessere
Gesellschaft für alle Menschen.
Vielerorts sprießen rassistische und nationalistische Bewegungen aus dem Boden.
Rassismus, Sexismus, Nazis und die Mitte der Gesellschaft
Wie Albert Memmi es ausdrückt dient Rassismus dazu, tatsächliche oder fiktive Unterschiede
als absolut zu erklären, um die eigenen Privilegien oder die eigene Aggression zu
rechtfertigen oder zu verteidigen. Zum Schaden des Opfers und zum Nutzen des Anklägers 5.
Und genau damit haben wir es zu tun. Nicht nur Montagsabends in Dresden oder Dienstags
abends in Karlsruhe, nein, ständig und überall. Im Fernsehen und in Schulbüchern, beim
Sport oder dem Essen. Staat und weite Teile der Gesellschaft treten rassistisch auf und
handeln auch so. Mal im positiven mal im negativen Kontext. Mal macht der Italiener die
beste Pizza, mal ist der Nordafrikaner per se ein Sexist. Eine Debatte über
Totschlagargumente und Vorurteile hinaus möchte jedoch kaum Jemand führen. Gerade am
Beispiel Köln wird vor allem Eines klar: Feinde ausmachen und (rhetorisch)vernichten,
Inhalte überwinden und Tatsachen ignorieren so kommt er daher der neue Rassismus der
deutschen Mitte. Immernoch spricht kaum jemand über Sexismus in der Mitte der
Gesellschaft, die ganz nebenbei bei den Übergriffen zugeschaut und allseits erstmal nichts
unternommen hat, oder gar in Teilen selbst zur Tätern wird, etwa jährlich bei den
Oktoberfesten der Republik 8. Ein Diskurs über all diese menschenverachtenden
Einstellungen bleibt weitestgehend aus. Die Verantwortlichen sollen sich mit den Problemen
beschäftigen und Lösungen finden. Denn Verantwortung ist für viele etwas das anderen
übernehmen sollen. Für die Poltitker*innen. Für die Polizist*innen oder das Militär.
Während die extreme Rechte mit der AfD in Deutschland nach aktuellen Umfragen in Teilen
Deutschlands bis zu 17 % Prozent erreicht 9, verhandeln eben diese sogenannten
Verantwortlichen aus der guten “Mitte”, also die Regierenden der Bundesrepublik, mit
autoritären Despoten wie Erdogan. Erdogan, der seit Monaten freiheitliche Kräfte im ganzen
Land und darüber hinaus bombardiert und töten lässt 6. Erdogan hat der PKK und damit auch
großen Teilen der kurdischen Bevölkerung den Krieg im eigenen Land erklärt. Als
Verhandlungspartner macht ihn dass scheinbar aber nicht uninteressant. Vielmehr ist
wahrscheinlich, dass die autoritären Kräfte in Europa und darüber hinaus, egal welcher
Partei, sich über die Angriffe auf freiheitliche Projekte wie die Region Rojava im stillen
Kämmerlein freuen.
Den Coup, den Erdogan mit der Aufkündigung des Friedens mit den Kurden organisiert hat,
will keiner gesehen haben. Lediglich eine HDP in der Nähe von Terrorist*innen macht es ihm
Möglich seine autoritären Ziele umzusetzen. Politische Machterhaltung funktionierte bei
den autoritären Kräften schon immer, wenn nicht anders, dann mit Krieg, Folter und Gewalt.
Und als autoritäre und herrschende Klasse, begreifen wir die deutschen Paralmente ebenso
wie Erdogans AKP oder den Islamischen Staat. Unterschiede gibt es natürlich was den
wirtschaftlichen Zustand, den legitimierenden Überbau und die Art der Gewaltausübung angeht.
Die Probleme der Weltbevölkerung und nicht zu vergessen, der Erde selbst, sind groß und
komplex. Mit einfachen Antworten wie es rechte Kräfte, religiöse Fundamentalist*innen oder
die neoliberalen Verteidiger absoluter Marktfreiheit tun, ist diesen Problemen sicher
nicht beizukommen. Um einen Kommunisten zu bemühen hier mal wieder ein Paar Worte von Marx
die treffend und mahnend sind "Es ist vielmehr der Mensch, der wirkliche, lebendige
Mensch, der das alles tut, besitzt und kämpft“. 7 Es sind die Regierenden und andere
Gruppen mit politischem Machtanspruch die bevormunden, zerstören, unterdrücken und ausbeuten.
Krieg, Krise und Kapital
Verantwortung an Repräsentanten abgeben heißt immer auch mit der Suppe, die sie kochen
klar kommen zu müssen. Gerade im Verlauf der letzten großen Krise des Kapitalismus, der
sogenannten Finanz und Eurokrise wurde ersichtlich, dass nicht die “Herrschaft des Volkes”
(Demokratie) den Lauf der Welt bestimmt. Vielmehr entscheidet der erbitterte
Konkurrenzkampf des Kapitals, und die Programme der kapitalistischen Staaten was wo und
wie passiert. Nationalistische Bewegung und die Armeen tuen ihr übriges. Das
Verbundenheitsgefühl zur Nation ist dieser Tage wieder wichtig geworden für Staaten wie
Deutschland. Denn wer Sozialabbau, horente Mieten, Kurzarbeit, Steuerlast und so weiter
ertragen soll braucht einen Grund der das Ertragen möglich macht. Fühle ich mich einer
Blutsgemeinschaft zugehörig, so sehe ich es als selbstverständlich an den Gürtel auch mal
enger schnallen zu müssen um den Fortbestand zu sichern. Diejenigen jedoch, die die Krisen
verursachen, haben kein Heimatland und werden einen Teufel mit ihrem Gürtel tun.
Der oder die Einzelne zählen kaum im Kampf um Rohstoffe und ganze Erdteile. Weder
Staatsbürger noch Geflüchtete. Und gewählte Vertreter*innen werden daran nichts ändern
können. Alex Tsipras kann dass dieser Tage sicher bestätigen.
Nicht die Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder Hunger fliehen, sind ursächlich
verbunden mit den Problemen in Deutschland. Sondern diejenigen, die mit der sogenannten
“Macht des Volkes” in der Welt umher bombardieren, Bodenschätze und Bevölkerungen
ausbeuten und die Erde zu Grunde richten.
Und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst. “Nach” der sogenannten Wirtschaftskrise
jetzt die “Flüchtlingskrise”. Und nebenbei fühlen sich die Menschen in ihrer sozialen
Situation und den damit verbundenen Problemen von “der Politik” allein gelassen, oder
ungerecht behandelt. Die erwähnte Endsolidarisierung der Gesellschaft trägt Früchte.
Diejenigen, die die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit mit Programmen wie Hartz IV
zementieren, übernehmen keine soziale Verantwortung. Vielmehr teilen sie Geflüchtete wie
auch die eigene Bevölkerung in nützlich und nutzlos, verwertbar und wertlos.
Warum Wahlen daran nichts ändern – Eine kleine Kritik am Parlamentarismus aus
Anarchistischer Sicht
Wir glauben nicht, dass Wahlen in der Lage sind den derzeitigen Zustand der Gesellschaft
grundlegend zu verändern. Da die Verwertbarkeit von Bevölkerung in der Regel mehr Einfluss
auf Entscheidungen der Gewählten hat, als die Bedürfnisse der wählenden Bevölkerung. Die
Machtmittel sind sehr ungleich verteilt und weiter wird sich jede (Landes)regierung eher
früher als später abwenden von ihren ursprünglichen Zielen und sich einfügen in all die
Sachzwänge der kapitalistischen Logik. In Baden-Württemberg erleben wir etwa Wienfried
Kretschmann von den Grünen als den besseren Konservativen. Generell sind die Grünen ein
gutes Beispiel, wie aus (links)politischen Bewegungen im parlamentarischen Alltag, dem
Kapital höhrig, zu Fähnchen im Winde werden. Schnell wird Einfluss und das Ziel der
Machterhaltung gegen humanistische und ökologische Ziele getauscht.
Weiter liegt jeder Wahl von Repräsentant*innen die Idee zugrunde, dass diese Wissen was
ich und mein direktes Umfeld brauchen, um ein gutes Leben verwirklichen zu können. Studien
und Expert*innen sollen diese Informationen liefern. Repräsentant*innen sollen diese
verwerten und Politik der dritten Person machen. Die Betroffenen haben kaum Einfluss, sie
treten diesen am Wahltag ab. Die Bürger*innen werden nicht entmündigt, sie tun dies
selber, geben Einfluss und Verantwortung ab und lassen sich repräsentieren. Dieses Volk,
das da wählt macht auch immer nur einen Teil der Bevölkerung aus, die sogenannten
Wahlberechtigten. Nicht jeder Mensch, der sich innerhalb der Grenzen eines Nationalstaates
wie Deutschland aufhält oder innerhalb diesem lebt, darf Wählen. So herrscht die Mehrheit
angeblich über die Minderheiten. Die Regierung selbst repräsentiert ihrerseits selbst
jedoch ebenso eine Minderheit, allerdings eine sehr Mächtige und gut situierte. Diese
Clique der Auserwählten verfolgt als politische Klasse erstmal ihre eigenen und dann meist
die Ziele derer, die ihnen Nutzen bringen.
Was wir vorschlagen zu tun…. Selbstorganisation und Freiheitsdrang statt Abschieben von
Verantwortung
Aus aktuellem Anlass stellt sich zur kommenden Landtagswahl natürlich die ein oder andere
Frage: Ist ungültig Wählen und aktiver Wahlboykott wirklich die richtige Entscheidung bei
dieser Wahl? Ist nicht alles besser als die AfD? Wenn alle ungültig wählen, dann ensteht
doch Chaos?!
Ob aktiver Wahlboykott in Verbindung mit dem ungültig Wählen bei der anstehenden Wahl das
richtige Mittel ist, um seine Ablehnung auszudrücken, ist nicht leicht zu beantworten.
Grundsätzlich: Ja! Doch aus gegebenen Anlass, nämlich dem erstarken rechter Kräfte in
Deutschland kann eine Wahl gegen rechts auch nicht vollkommen als falsch bewertet werden.
Doch eines gibt es sicher zu bedenken. Der Parlamentarismus im Land hat ein rechtes
Monster, wie die AfD nicht nur zugelassen, er hat es ermöglicht.
Was meint in diesem Zusammenhang besser als? Bewertet man die landläufigen Parteien nach
ihrem Inhalt ist so ein Vergleich möglich. Schaut man aber nach, welche der
Wahlmöglichkeiten nach einem guten Leben für alle, Freiheit und Gleichstellung aller
Menschen strebt, so fehlt auf einmal die Auswahl. Wir wollen nicht weniger Zerstörung
unserer Erde und damit unserer Zukunft, wir wollen nicht weniger Kapitalismus oder eine
grünere Form sondern nichts davon und diese Option ist nicht Wählbar, sie kann es im
bürgerlichen Staat und seinen Parlamenten auch nicht werden.
Die Frage nach dem Chaos lässt sich vielleicht so beantworten; Fällt etwas bekanntes weg,
muss etwas neues entstehen. Das Wissen was da kommen kann und praktische Erfahrungen etwa
im Finden eines Konsens sind Voraussetzung. Doch die Kapatzitäten sind ja vorhanden.
Hallen, Büros, Expert*innen, Universitäten, Schulen und andere Räume zum Lernen, Orte um
zu produzieren, Orte um Waren zu lagern und zugänglich zu machen. Anders genutzt werden
müssten diese allerdings.
Wenn auch die derzeitige Lage nicht danach aussieht als sei die Zeit der befreiten
Gesellschaft nahe und der Anarchismus erlebe eine Hochphase, halten wir es trtozdem oder
gerade deswegen für wichtig an Ideen wie dem Anarchismus festzuhalten. Denn sterben die
Utopien und Ideen von einer befreiten und gleichberechtigten Gesellschaft nach dem Ende
des Kapitalsimus, dann stirbt ein Stück weit die Zukunft. Wir wollen an diese Zukunft aber
keine Fragen stellen sondern Forderungen.
1www.zeit.de/politik/deutschland/2015-11…
2de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Angriff…
3www.sueddeutsche.de/politik/grenzsicher…
4www.sachsen-anhalt-waehlt.de/wahlprogra…
5www.fb4.fh-frankfurt.de/whoiswho/gaitan…
6www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-…
7books.google.com/books?isbn=3658057572
8www.tagesschau.de/kommentar/kommentar-s…
9 http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/
Zum Originalbeitrag
Schlagworte: AfD, Anarchie, anrchy, Antikapitalismus, fckzns, kapitalsimus, landtag,
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