(de) fau berlin: „Integrations“-Kurse: Gegen prekäre Arbeitsbedingungen! Für eine solidarische Bildungspraxis!

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Wed Mar 9 12:37:40 CET 2016


Veröffentlicht am 06.03.2016 — Kategorien: Bildung Kundgebung Antirassismus
Die Bildungssektion der FAU Berlin unterstützt den Aufruf zu einer Kundgebung von Berliner 
DaF/DaZ-Dozent*innen unter dem Motto „Prekär ist nicht fair! - Gegen schlechte Arbeits- 
und Lernbedingungen in Integrationskursen“. ---- Die Kolleg*innen verstehen als Ziel ihrer 
Arbeit, durch Sprachvermittlung die Teilnahme an allen gesellschaftlichen Bereichen zu 
erleichtern. Sie stellen klar, dass diese Arbeit mehr wert ist als die gegenwärtigen 
Hungerlöhne und prekären Arbeitsbedingungen den Anschein vermitteln. 
Scheinselbstständigkeit, keine Honorarfortzahlung im Krankheitsfall, Verdienstausfall in 
Ferienzeiten, hohe Sozialabgaben, kein Kündigungsschutz sind nur der Anfang einer langen, 
unschönen, für viel zu selbstverständlich gehaltenen Liste. Aktuell wird zusätzlich die 
Kursqualität durch die Erhöhung der Teilnehmerzahl pro Kurs verringert und die Arbeit 
durch Aussetzung von Qualifikationsanforderungen deprofessionalisiert.

Wir finden: Solch prekäre Arbeitsbedingungen sorgen auch dafür, dass eine kämpferische und 
klassenbewusste Organisierung der mehr als 20000 Dozent*innen bei rund 1450 
Bildungsträgern in Deutschland erschwert wird. Und sie verhindern, gemeinsam mit den 
Kursteilnehmer*innen über so hässliche Wörter wie „Integration“ nachzudenken und 
Bildungsarbeit als eine solidarische Praxis jenseits von Paternalismus, Nationalismus und 
Rassismus zu etablieren.

Die Kolleg*innen fordern „flexiblere Kursformate und unbürokratischen Kurszugang auch für 
Geflüchtete“ und „fachliches Mitspracherecht der Dozent*innen bei Einstufungen, 
Kursinhalten und Prüfungen“. Die zentrale Forderung halten wir für zu bescheiden: Für ihre 
wertvolle Arbeit fordern die Kolleg*innen ein angemessenes Honorar „oder“ einen 
„tarifgebundenen Angestelltenstatus wie von Sprachlehrer*innen an staatlichen Schulen“, 
also sichere, „normale“ Arbeitsverhältnisse. Beides muss drin sein!

Wir finden gut, dass die Kolleg*innen sich unabhängig von großen Gewerkschaften selbst 
organisieren, dass sie nicht nur für die eigenen Arbeitsbedingungen, sondern auch für die 
Lernbedingungen der Kursteilnehmer*innen auf die Straße gehen und dass sie ein „sogenannt“ 
vor das Unwort „Integrationskurse“ setzen.
Denn was „Integration“ in den Augen der Herrschenden bedeutet, wird deutlich, wenn wie 
gegenwärtig menschenfeindliche Forderungen laut werden, den aufenthaltsrechtlichen Status 
noch rigider an die Teilnahme an solchen Kursen zu knüpfen, für die noch nicht einmal 
angemessene Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Deshalb: Unterstützt die Kolleg*innen und kommt zur Kundgebung!

Kundegebung:
Mittwoch 9. März 2016, 14 Uhr
vor dem Bundesministerium des Innern, Alt-Moabit 140, 10557 Berlin (Nähe Hauptbahnhof)

https://berlin.fau.org/news/integrations-kurse-gegen-prekaere-arbeitsbedingungen-fuer-eine-solidarische-bildungspraxis


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