(de) fda-ifa: Wir lassen uns für Rassismus nicht instrumentalisieren – Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus! von LB Quadrat

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Mon Mar 7 11:08:40 CET 2016


Mit diesem Text wollen wir Folgendes klarstellen: ---- Wir solidarisieren uns mit den 
Betroffenen von sexualisierter Gewalt ---- Wir positionieren uns gegen Rassismus und die 
Instrumentalisierung sexualisierter Gewalt ---- Wir fordern eine kritische und 
differenzierte Auseinandersetzung über Sexismus und sexualisierte Gewalt ---- Wir fordern 
die Umsetzung angemessener Präventions- und Interventionsmöglichkeiten --- 1. Solidarität 
mit den Betroffenen ---- In der Silvesternacht auf 2016 waren in Köln und anderen 
deutschen Städten viele Frauen sexualisierter Gewalt an öffentlichen Plätzen ausgesetzt. 
Wir erkennen das schreckliche Ausmaß dieser Gewalttaten an und solidarisieren uns mit den 
Betroffenen der Silvesternacht. Ebenso stehen wir zu allen weiteren Betroffenen, die 
sexualisierte Gewalt erfahren oder erfahren haben. Das Erleben sexualisierter Gewalt kann 
für Betroffene gravierende Auswirkungen haben: Für viele wird das Vertrauen in Sicherheit 
und zwischenmenschliche Beziehungen erschüttert. Ein sexueller Übergriff ist eine massive 
Verletzung der körperlichen und sexuellen Integrität. Wir fordern, dass den Betroffenen 
jetzt alle Unterstützung und Hilfe zukommt, die sie benötigen.

2. Instrumentalisierung und Rassismus

Konsequentes Handeln gegen sexualisierte Gewalt ist notwendig und unabdingbar. Wenn aber 
feministische Anliegen dazu instrumentalisiert werden, rassistische Ressentiments zu 
schüren und die Asylgesetzgebung zu verschärfen, schaden die Debatten einer 
weiterführenden emanzipatorischen Praxis. Genau das passiert leider gerade in den 
öffentlichen Auseinandersetzungen und Forderungen nach der Silvesternacht in Köln und 
anderen Städten.

Sexualisierte Gewalt darf nicht nur dann thematisiert werden, wenn die Täter keine weißen, 
„deutschen“ Männer sind. Sie darf auch nicht nur dann Aufmerksamkeit finden, wenn die 
Betroffenen (vermeintlich) weiße Frauen sind. Das Problem der aktuellen 
Auseinandersetzungen ist die Fokussierung über die vermeintlichen Herkunftsländer und 
Kulturzugehörigkeiten der Täter, anstatt auf das Erlebte der Betroffenen, nämlich die 
sexualisierte Gewalt einzugehen. So entsteht der Eindruck, dass „nichtdeutsche“ junge 
Männer das Problem und die Urheber sexualisierter Gewalt seien. Forderungen zur 
Verschärfung des Asylrechts und des Bleiberechts werden laut, die Erhöhung und Anpassung 
des lückenhaften Strafrechts bei sexualisierter Gewalt bleibt ungefordert. Es werden viele 
Menschen, denen ein anderes Herkunftsland zugesprochen wird, unter Pauschalverdacht 
gestellt. Im gleichen Zug sprechen sich die Angehörigen der weißen Mehrheitsgesellschaft 
von Sexismus frei. Das hieße die vermeintlich „anderen“ bringen geschlechtsspezifische 
Gewalt und Frauenverachtung mit sich, die es so in Deutschland nicht gibt und auch nicht 
mit den Werten in Deutschland oder gar Europa vereinbar ist. Ähnlich verhält es sich aus 
diesem verzerrten Blickwinkel mit anderen Ausgrenzungs- und Diskriminierungsformen: Als 
gäbe es hier keine Anfeindungen gegen Homosexuelle, Juden und Jüdinnen.

Betrachten wir aber die Äußerungen, die außerhalb der Debatte um Silvester in Köln und 
anderen Städten, von der AfD, den „Besorgten Eltern“, der NPD, weiteren 
rechtspopulistischen Organisationen und Gruppierungen und des Öfteren auch Vertreter*innen 
der renommierten bürgerlichen Parteien getätigt werden, kommen wir zu einem anderen 
Schluss (siehe Abschnitt 3.): Es geht in weiten Teilen der aktuellen öffentlichen 
Auseinandersetzung nicht in erster Linie darum, dass Phänomene menschenverachtender 
Einstellungen wie Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus aktiv kritisiert, analysiert 
und angegangen werden müssen. Es geht weniger um den Inhalt einer Äußerung oder einer Tat, 
als um die Frage danach, welche Person mit welchem angenommenen Backround selbige verübt 
hat. Das sind für uns deutliche Anzeichen von Rassismus und Nationalismus.

3. Über den Erhalt der Geschlechterungleichheit und geschlechtsspezifischer Gewalt
Die Aufrechterhaltung der zugesprochenen Rollen und Verhaltensmuster für Männer und Frauen 
mitsamt den altherkömmlichen Familienhierarchien, der ungleichen Arbeitsaufteilung, 
Repräsentation in der Öffentlichkeit und der Mitbestimmung ist eine Erhaltung und 
Fortsetzung von Ungleichheit, von Macht und Ohnmacht. Kurz und bündig: Die Reproduktion 
von Patriarchat und Sexismus, wobei sexualisierte Gewalt eine besonders widerwärtige 
Erscheinungsform dieser Unterdrückung darstellt. Sexualisierte Gewalt hat viele Gesichter 
und ist allgegenwärtig. Durch anzügliche Blicke, sexistische Werbung, verbale Äußerungen, 
Witze, Aufdrängen in der S-Bahn, Vergewaltigungsszenen sexy eingebettet in die Filmstory, 
sexuelle Belästigung, Angrapschen, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung.

Statistiken zufolge sind in über 95% der Fälle Männer die Täter bei sexualisierter Gewalt. 
Sexualisierte Gewalt lässt sich demnach auf entsprechende gesellschaftliche Rollenmuster 
zurückführen und auf die damit verbundene Durchsetzung von Macht zum Erhalt der 
Ungleichheit in den Geschlechterverhältnissen. Bildung und sozialer Status der Täter sind 
laut Studien nicht ausschlaggebend, auch die Herkunft spielt eine untergeordnete Rolle. 
Besonders häufig von sexualisierter Gewalt betroffen sind Asylbewerberinnen, inhaftierte 
Frauen, Prostituierte und Frauen mit Behinderungserfahrungen. Das sind diejenigen Frauen, 
die neben Sexismus weiteren Diskriminierungsformen ausgesetzt sind. Die entweder nicht 
dieselben Rechte und Möglichkeiten haben und dadurch schnell in Abhängigkeit geraten 
können (gesetzliche Diskriminierung, kein Zugang zum Hilfesystem, Verständigungsprobleme), 
risikoreichen Situationen ausgesetzt sind (Pflegebedürftigkeit, Inhaftierung, Flucht, 
Ungenügender Schutz in Sammelunterkünften, Zwangsprostitution) oder die gesellschaftlich 
ausgegrenzt und nicht anerkannt sind.

Dass sexualisierte Gewalt seit Jahren nicht mal im Ansatz zur Genüge thematisiert und 
angegangen wurde, beweisen die bisher erhobenen Statistiken: 2014 ergab eine Erhebung der 
Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA), dass mehr als die Hälfte aller 
Frauen bereits sexuell belästigt wurde und ein Drittel sexualisierte und/oder physische 
Gewalt erlebte. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist jährlich mehr als 7.300 
angezeigte Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen in Deutschland aus, das sind zwanzig 
jeden Tag.

Die größte Gefahr bei geschlechtsspezifischer Gewalt besteht für Frauen in ihren „eigenen 
vier Wänden“. Ein Großteil der Täter sind Beziehungspartner, Bekannte und 
Familienangehörige. Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher als die Daten der 
Polizeistatistiken. Hier sind wir wieder bei den Schuldzuweisungen nach außen: Es ist 
notwendig zu begreifen, dass sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem 
ist. Dabei sind Übergriffe in der Öffentlichkeit wie an Silvester seltener. Am häufigsten 
findet die Gewalt im privaten Umfeld statt, wo sie viel zu oft verschwiegen, hingenommen 
(von Bekannten, in der Familie), kleingeredet, die Schuld der Frau gegeben, geleugnet und 
nicht angezeigt wird. Hierfür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Einer davon ist, dass 
diese häusliche Ausübung der Gewalt nicht in das bekannte Schema, das in der Gesellschaft 
weit verbreitet ist, passt: Dunkler Park, ein fremder vermummter Mann, viel physische 
Gewalt, Vergewaltigung. Das sind Mythen, die Frauen daran hindern sich Unterstützung zu holen.

Rape Culture bezeichnet eine Kultur, die Vergewaltigungen verharmlost (beispielsweise 
als»Sex-Attacken«beschreibt), Frauen eine Mitschuld gibt und Vergewaltiger ermutig. Sie 
findet sich auch in Deutschland wieder und muss aktiv bekämpft werden. Sich nicht auf die 
Seite der Täter zu stellen liegt in der Verantwortung eines/einer jeden einzelnen – und 
zwar immer, ausnahmslos, auf jede Erscheinungform sexualisierter Gewalt bezogen und nicht 
nur dann, wenn es um Übergriffe außerhalb des eigenen sozialen Gefüges (Familie, Freundes- 
und Kollegenkreis, Klasse…) geht.

4. Forderungen:

Es braucht aufmerksamkeitsstarke Kampagnen im öffentlichen Raum, die deutlich machen, dass 
die Grenzen anderer Personen und deren sexuelle Integrität unantastbar sind. In der 
Familie, in der Beziehung, auf der Arbeit, in der Disco, auf dem Volksfest, in der 
Öffentlichkeit. Die (potenziellen) Täter haben Verhaltenstipps nötig, nicht die 
(potentiellen) Betroffenen. Und es bedarf einer gesellschaftlichen Debatte über das 
Geschlechterverhältnis. Gebraucht wird Aufklärung und Sensibilisierung, die im 
Kindergarten beginnt und sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche zieht. 
Unterstützungsangebote für Betroffene, wie Fachberatungsstellen und Frauenhäuser leisten 
solche Sensibilisierung seit mehr als 30 Jahren, weitgehend unterbezahlt und prekär. Auch 
hier ist die Politik gefordert, die aktuell angemahnte Bekämpfung dieser Gewalt mit 
finanziellen Mitteln zu unterlegen. Die Maßnahmen dürfen sich nicht auf kurzfristige 
Reaktionen auf gemeldete Übergriffe beschränken. Denn sexualisierte Gewalt ist ein 
gesellschaftliches Problem und muss gesamtgesellschaftlich bekämpft werden.

Wir schließen uns #ausnahmslos in den folgenden Abschnitten an:
“Alle Menschen sollen sich von klein auf, unabhängig von ihrer Ethnie, sexuellen 
Orientierung, Geschlechtsidentität, Religion oder Lebensweise, sicher fühlen und vor 
verbalen und körperlichen Übergriffen geschützt sein: egal ob auf der Straße, zu Hause, 
bei der Arbeit oder im Internet. Ausnahmslos. Das sind die Grundlagen einer freien 
Gesellschaft.

Für diese politischen Lösungen setzen wir uns ein:
1. Die Arbeit der Beratungsstellen muss gestärkt und ihr Angebot ausgebaut werden, 
einschließlich Therapiemöglichkeiten und besserem, schnelleren Zugang zu Therapieplätzen. 
Auch die Arbeit von Frauenhäusern muss gestärkt und vor allem finanziell ausreichend 
abgesichert werden. Alle Beratungsstellen und -angebote müssen barrierefrei sein.
2. Die Gesetzeslage muss angepasst werden: Sexuelle Belästigung ist in Deutschland immer 
noch keine eigenständige Straftat. Und ob eine Vergewaltigung als strafbar gilt, wird zum 
Beispiel auch daran festgemacht, ob sich die betroffene Person ausreichend zur Wehr setzte.

3. Mehr öffentliche Aufklärungsarbeit hilft, Gewalt zu vermeiden, und signalisiert den 
Betroffenen, dass sie sich Hilfe holen und mit gesellschaftlicher Unterstützung rechnen 
können. Wir möchten dafür sensibilisieren, dass die Gefahr, Sexismus und sexualisierte 
Gewalt zu erleben, im engen sozialen Umfeld besonders groß ist und in allen 
gesellschaftlichen Gruppen vorkommt.

4. Auch eine geschlechtersensible Pädagogik kann (sexualisierter) Gewalt vorbeugen. Dazu 
zählt nicht zuletzt die Aufklärung über Geschlechterstereotype und die Bedeutung von Sprache.

5. …

Für diese gesellschaftlichen Lösungen setzen wir uns ein:

6. Die Debatte über sexualisierte Gewalt muss offen, kritisch und differenziert geführt 
werden. Dazu gehört die Analyse, Aufarbeitung und Bekämpfung von soziokulturellen und 
weltanschaulichen Ursachen von Gewalt. Dringend muss auch über Auswirkungen 
gesellschaftlicher Stigmatisierung von Betroffenen sexualisierter Gewalt gesprochen werden.

7. Betroffene sexualisierter Gewalt müssen ernst genommen werden. Es darf keine 
Täter_innen-Opfer-Umkehrung, wie in Form von Verhaltensregeln für Betroffene, und keine 
Verharmlosung geben.

8. Sexismus und Rassismus sind nicht Probleme „der Anderen”: Wir alle sind von 
struktureller Diskriminierung geprägt und müssen erlernte Vorurteile erst einmal 
reflektieren, um sie abzulegen.

9. Wer Zeug_in von sexualisierter Gewalt und Sexismus wird, sollte nicht wegschauen, 
sondern eingreifen – von Hilfe und Beistand bei sexualisierten Übergriffen bis zum 
Einspruch gegen sexistische Sprüche, „Witze“ oder Werbung.

Für diese medialen Ansätze setzen wir uns ein:

10. Die mediale Berichterstattung über sexualisierte Gewalt darf die Opfer nicht verhöhnen 
und die Taten nicht verschleiern. Täter sollten nicht als „Sex-Gangster” oder „Sex-Mob” 
beschrieben – da sexualisierte Gewalt nichts mit Sex zu tun hat – und häusliche Gewalt 
nicht als „Familien-” oder „Beziehungsdrama” verharmlost werden.

11. Sexismus und andere Diskriminierungsformen müssen als Nährboden für sexualisierte 
Gewalt verstanden und als reale und bestehende Probleme anerkannt werden. Es muss ernst 
genommen werden, wie die mediale Darstellung u.a. weiblicher Körper als Lustobjekte mit 
sexualisierter Gewalt verknüpft ist. Sexismus darf weder im Alltag noch in der Werbung und 
in den Medien Platz haben.

12. Das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt darf nicht „islamisiert“ und 
damit pauschal einer Religion und ihren – häufig vermeintlichen – Angehörigen 
zugeschrieben werden. Damit werden mindestens 5 Millionen Menschen in Deutschland unter 
Generalverdacht gestellt. Redaktionen sollen reißerische und stigmatisierende Deutungen 
vermeiden, denn diese ziehen konkrete negative Folgen für Mitglieder unserer Gesellschaft 
nach sich.

13. Die Bildsprache ist frei von rassistischen und sexistischen Klischees zu halten. 
Bilder wirken unterbewusst und können selbst eine differenzierte Berichterstattung 
torpedieren.

14. Redaktionen müssen vielfältiger werden. Nach wie vor sind nur ein Bruchteil der 
Journalist_innen in Deutschland nicht-deutscher Herkunft und Berufswege stehen vor allem 
Menschen mit formal hoher Bildung offen. Männlich, heterosexuell und weiß dominierte 
Chefredaktionen tragen dazu bei, dass Themen, die andere Geschlechter, Ethnien und 
Minderheiten betreffen, nicht mit ausreichend Raum und Kompetenz behandelt werden.“

5. Für diesen Text herangezogene Quellen und Seiten zum Weiterlesen:
frauen-gegen-gewalt.de: Stellungnahme zu den Übergriffen in der Silvesternacht
ausnahmslos.org/
lka.tumblr.com/: Beitrag zur Debatte um die sexuellen und sexualisierten Übergriffe in der 
Silvesternacht

Der Beitrag Wir lassen uns für Rassismus nicht instrumentalisieren – Gegen sexualisierte 
Gewalt und Rassismus! erschien zuerst auf Libertäres Bündnis Ludwigsburg (LB)².

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