(de) fau berlin: „Gratisarbeit“ für die Rosa-Luxemburg-Stiftung: Historikerin um über 3.000 € Honorar geprellt

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Fri Jul 1 19:02:56 CEST 2016


Eine Berliner Journalistin und Historikerin wurde vom Direktor des Regionalbüros der 
Rosa-Luxemburg-Stiftung in São Paulo mit einem Rechercheprojekt beauftragt, er hat das 
fertige Projekt abgenommen und redigiert - aber sobald es um das Honorar ging, will keiner 
es gewesen sein. Der Direktor in São Paulo sagt, er bekäme kein Geld aus Berlin, die 
Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin sagt, der Direktor hätte keine Vollmacht, einen solchen 
Auftrag zu erteilen. Die Journalistin bleibt sitzen auf unbezahlter Arbeit für über 3.000 
€. Das Muster ist uns bekannt: Unternehmer scheuen die Verantwortung für unbezahlte Löhne 
und beschuldigen sich gegenseitig. Ein „linkes“ Image wie bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung 
macht hier keine Ausnahme.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung wirbt mit Kätzchen für die Weltrevolution - aber wie 
revolutionär ist der eigene Betrieb? (Bildquelle: Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) ist eine parteinahe Stiftung der Linkspartei, die zu den 
privaten Trägern politischer Bildungsarbeit gehört. Bundesweit beschäftigt sie hunderte 
MitarbeiterInnen, und hat Regionalbüros weltweit, so auch in São Paulo, Brasilien.

Einer auf Lateinamerika spezialisierten Journalistin und Historikerin wurde Ende April 
2015 vom Direktor des Regionalbüros in São Paulo ein Projekt für die RLS angeboten. Das 
Ergebnis sollte zum 40. Jahrestag der sogenannten „Operation Condor“ im November 2015 in 
Paraguay vorgestellt werden. In Emails und Skype-Telefonaten wurde von der Journalistin 
und von dem Direktor eindeutig bestätigt, dass sie das Rechercheprojekt nur beginnt, wenn 
es tatsächlich vergütet wird, entsprechend dem in ihrer Projektbeschreibung genannten 
Tagessatz.

Im September 2015 übersandte die Journalistin das Rechercheergebnis mit einer Rechnung 
über ca. 3.000 €. Der Direktor redigierte den Text sofort und schickte ihn ihr zurück. 
Eine Woche später teilte er ihr aber zu ihrer großen Verwunderung mit, dass weder die RLS 
sie für das Projekt beauftragt hätte, noch könne er sie für die erbrachte Arbeit 
entlohnen, da ihm leider keine Mittel aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche 
Zusammenarbeit und Entwicklung bereitgestellt würden.

Als die Journalistin den Direktor an die Vereinbarung erinnerte, schickte er ihr per Email 
plötzlich einen Honorarvertrag mit Briefkopf der RLS von 900 € für ein Projekt zu einem 
völlig neuen Thema. Das schon fertige Projekt zur Operation Condor blieb aber unbezahlt.
Weitere Mahnungen und Zahlungsaufforderungen seitens der Journalistin wie auch der 
Rechtschutzstelle der Gewerkschaft Ver.di blieben unbeachtet. Die Journalistin hat nun 
eine Klage gegen die RLS eingereicht. Der Prozess wird am 7. Juli, um 9.15 Uhr im 
Amtsgericht Tempelhof, Möckernstr. 130, Zimmer 258 stattfinden. Die Mediensektion der FAU 
Berlin ruft auf zur Unterstützung.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung setzt sich für Arbeitnehmerrechte und soziale Gerechtigkeit 
ein, und gegen Sexismus und Rassismus - aber vielleicht nur dem Anschein nach? Der Fall 
der um ihr Honorar geprellten Lateinamerikanistin ist offenbar nicht das erste Mal, dass 
die Stiftung auf die Rechte ihrer eigenen MitarbeiterInnen pfeift. 2012 wurde etwa, wie in 
der Presse berichtet wurde, im New Yorker Büro der RLS einer Mitarbeiterin gekündigt, 
nachdem sie gewerkschaftlichen Protest gegen den fehlenden Kündigungsschutz organisiert 
hatte. Wie sich zudem herausgestellt hat: Unter den vier ProjektmanagerInnen des New 
Yorker Büros hatten die Frau und ihr schwarzer Kollege ein niedrigeres Einstiegsgehalt als 
die beiden weißen, männlichen Kollegen erhalten.

Auch mit einem vorgetäuschten „linken“ Image sieht der Kapitalismus letzten Endes doch 
immer gleich aus.

https://berlin.fau.org/news/gratisarbeit-fuer-die-rosa-luxemburg-stiftung-historikerin-um-ueber-3-000-euro-honorar-geprellt


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