(de) fda-ifa: Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos von evibes

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Tue Jan 19 10:54:55 CET 2016


Auch wir unterstützen den Text Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. 
#ausnahmslos: ---- In der Silvesternacht auf 2016 waren in Köln und anderen deutschen 
Städten viele Frauen sexualisierter Gewalt an öffentlichen Plätzen ausgesetzt. Diese Taten 
müssen zügig und umfassend aufgeklärt werden. Die Schutzlücken im Straftatbestand der 
sexuellen Nötigung/Vergewaltigung müssen endlich geschlossen werden. ---- Wir fordern, 
dass den Betroffenen jetzt alle Unterstützung und Hilfe zukommt, die sie benötigen. Wir 
stehen solidarisch mit all denjenigen, die sexualisierte Gewalt und Belästigung erfahren 
und erfahren haben. ---- Wer wir sind ---- Als Feminist_innen1 aus verschiedenen 
gesellschaftlichen Bereichen setzen wir uns seit vielen Jahren für Gerechtigkeit zwischen 
den Geschlechtern und für eine offene und faire Gesellschaft ein, engagieren uns gegen 
Sexismus und sexualisierte Gewalt. Dabei haben wir gelernt, wie wichtig es ist, auch gegen 
Rassismus und andere Formen von Diskriminierung zu stehen.

Dafür setzen wir uns ein

Der konsequente Einsatz gegen sexualisierte Gewalt jeder Art ist unabdingbar und von 
höchster Priorität. Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von 
Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, 
wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird.

Sexualisierte Gewalt darf nicht nur dann thematisiert werden, wenn die Täter die 
vermeintlich „Anderen“ sind: die muslimischen, arabischen, Schwarzen oder 
nordafrikanischen Männer – kurzum, all jene, die rechte Populist_innen als „nicht deutsch“ 
verstehen. Sie darf auch nicht nur dann Aufmerksamkeit finden, wenn die Opfer 
(vermeintlich) weiße Cis2-Frauen sind. Der Einsatz gegen sexualisierte Gewalt muss jeden 
Tag ausnahmslos politische Priorität haben, denn sie ist ein fortwährendes Problem, das 
uns alle betrifft. 2014 ergab eine Erhebung der Agentur der Europäischen Union für 
Grundrechte (FRA), dass mehr als die Hälfte aller Frauen bereits sexuell belästigt wurde 
und ein Drittel sexualisierte und/oder physische Gewalt erlebte. Die polizeiliche 
Kriminalstatistik weist jährlich mehr als 7.300 angezeigte Vergewaltigungen und sexuelle 
Nötigungen in Deutschland aus3, das sind zwanzig jeden Tag. Die Dunkelziffer liegt weitaus 
höher.

Alle Menschen sollen sich von klein auf, unabhängig von ihrer Ethnie, sexuellen 
Orientierung, Geschlechtsidentität, Religion oder Lebensweise, sicher fühlen und vor 
verbalen und körperlichen Übergriffen geschützt sein: egal ob auf der Straße, zu Hause, 
bei der Arbeit oder im Internet. Ausnahmslos. Das sind die Grundlagen einer freien 
Gesellschaft.

Für diese politischen Lösungen setzen wir uns ein:

1. Die Arbeit der Beratungsstellen muss gestärkt und ihr Angebot ausgebaut werden, 
einschließlich Therapiemöglichkeiten und besserem, schnelleren Zugang zu Therapieplätzen. 
Auch die Arbeit von Frauenhäusern muss gestärkt und vor allem finanziell ausreichend 
abgesichert werden. Alle Beratungsstellen und -angebote müssen barrierefrei sein.

2. Die Gesetzeslage muss angepasst werden: Sexuelle Belästigung ist in Deutschland immer 
noch keine eigenständige Straftat. Und ob eine Vergewaltigung als strafbar gilt, wird zum 
Beispiel auch daran festgemacht, ob sich die betroffene Person ausreichend zur Wehr setzte.

3. Mehr öffentliche Aufklärungsarbeit hilft, Gewalt zu vermeiden, und signalisiert den 
Betroffenen, dass sie sich Hilfe holen und mit gesellschaftlicher Unterstützung rechnen 
können. Wir möchten dafür sensibilisieren, dass die Gefahr, Sexismus und sexualisierte 
Gewalt zu erleben, im engen sozialen Umfeld besonders groß ist und in allen 
gesellschaftlichen Gruppen vorkommt.

4. Auch eine geschlechtersensible Pädagogik kann (sexualisierter) Gewalt vorbeugen. Dazu 
zählt nicht zuletzt die Aufklärung über Geschlechterstereotype und die Bedeutung von Sprache.

5. Polizei und Justiz müssen geschult werden, damit es überhaupt zur Strafverfolgung kommt 
und in diesen Prozessen sensibel und respektvoll mit Betroffenen umgegangen wird.

Für diese gesellschaftlichen Lösungen setzen wir uns ein:
6. Die Debatte über sexualisierte Gewalt muss offen, kritisch und differenziert geführt 
werden. Dazu gehört die Analyse, Aufarbeitung und Bekämpfung von soziokulturellen und 
weltanschaulichen Ursachen von Gewalt. Dringend muss auch über Auswirkungen 
gesellschaftlicher Stigmatisierung von Betroffenen sexualisierter Gewalt gesprochen werden.

7. Betroffene sexualisierter Gewalt müssen ernst genommen werden. Es darf keine 
Täter_innen-Opfer-Umkehrung, wie in Form von Verhaltensregeln für Betroffene, und keine 
Verharmlosung geben.

8. Sexismus und Rassismus sind nicht Probleme „der Anderen”: Wir alle sind von 
struktureller Diskriminierung geprägt und müssen erlernte Vorurteile erst einmal 
reflektieren, um sie abzulegen.

9. Wer Zeug_in von sexualisierter Gewalt und Sexismus wird, sollte nicht wegschauen, 
sondern eingreifen – von Hilfe und Beistand bei sexualisierten Übergriffen bis zum 
Einspruch gegen sexistische Sprüche, „Witze“ oder Werbung.

Für diese medialen Ansätze setzen wir uns ein:
10. Die mediale Berichterstattung über sexualisierte Gewalt darf die Opfer nicht verhöhnen 
und die Taten nicht verschleiern. Täter sollten nicht als „Sex-Gangster” oder „Sex-Mob” 
beschrieben – da sexualisierte Gewalt nichts mit Sex zu tun hat – und häusliche Gewalt 
nicht als „Familien-” oder „Beziehungsdrama” verharmlost werden.

11. Sexismus und andere Diskriminierungsformen müssen als Nährboden für sexualisierte 
Gewalt verstanden und als reale und bestehende Probleme anerkannt werden. Es muss ernst 
genommen werden, wie die mediale Darstellung u.a. weiblicher Körper als Lustobjekte mit 
sexualisierter Gewalt verknüpft ist. Sexismus darf weder im Alltag noch in der Werbung und 
in den Medien Platz haben.

12. Das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt darf nicht „islamisiert“ und 
damit pauschal einer Religion und ihren – häufig vermeintlichen – Angehörigen 
zugeschrieben werden. Damit werden mindestens 5 Millionen Menschen in Deutschland unter 
Generalverdacht gestellt. Redaktionen sollen reißerische und stigmatisierende Deutungen 
vermeiden, denn diese ziehen konkrete negative Folgen für Mitglieder unserer Gesellschaft 
nach sich.

13. Die Bildsprache ist frei von rassistischen und sexistischen Klischees zu halten. 
Bilder wirken unterbewusst und können selbst eine differenzierte Berichterstattung 
torpedieren.

14. Redaktionen müssen vielfältiger werden. Nach wie vor sind nur ein Bruchteil der 
Journalist_innen in Deutschland nicht-deutscher Herkunft und Berufswege stehen vor allem 
Menschen mit formal hoher Bildung offen. Männlich, heterosexuell und weiß dominierte 
Chefredaktionen tragen dazu bei, dass Themen, die andere Geschlechter, Ethnien und 
Minderheiten betreffen, nicht mit ausreichend Raum und Kompetenz behandelt werden.

http://fda-ifa.org/gegen-sexualisierte-gewalt-und-rassismus-immer-ueberall-ausnahmslos/


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