(de) FDA-IFA, Gai Dao #61 - Anarchistische Perspektiven auf die Wissenschaft in Hamburg Von: Ale Dumbsky

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Sat Jan 9 11:01:06 CET 2016


Vom 20. - 22. November fand an der Universität Hamburg der Kongress “Anarchistische 
Perspektiven auf die Wissenschaft“ statt. Für die Vorbereitungsgruppe (mit 
Akademiker*innen als auch Nichtakademiker*innen erfreulich heterogen besetzt), war es ein 
kleiner Blindflug, gab es unseres Wissens nach bisher noch keinen Kongress im 
deutschsprachigen Raum, der sich explizit der Wissenschaft unter anarchistischen 
Gesichtspunkten widmete. An wen richtete sich also das Wochenende: An Anarchist*innen? An 
Wissenschaftler*innen? An anarchistische Wissenschaftler*innen? An wissenschaftliche 
Anarchist*innen? An studentisch Interessierte? An gegen-wissenschaftliche 
Wissenschaftler*innen? An gegen-studentische Anarchist*innen?

Weder noch. Beziehungsweise an alle. Die anarchistische
Herangehensweise gibt es genau so wenig, wie es die Wissenschaft gibt,
bzw. geben kann - ein Umstand, der sich im Programm widerspiegelte.

So wurde ein weiter Bogen gespannt, der von (unter anderen) Vorträgen
über anarchistische und marxistische Staatskritik, die Mujeres Libres im
spanischen Bürgerkrieg (von Vera Bianchi), die Arbeitsgesellschaft ohne
Arbeit (Simon E.), Herrschaftsinstitution Hochschule (schwarze Ruhr-
Uni) bis hin zu Facetten libertärer Literatur (Michael Halfbrodt, Ralf
Burnicki) gespannt wurde.

Am Kongress-Samstag wurden die Vorträge mit Workshops zu
“Ökonomie ohne Staat und Markt“, “Die Heimkampagne und ihre
Auswirkungen“, “Direkte Aktion in der Hochschulpolitik“ ergänzt.
Das nach dem Kongress gezogene Fazit war ein positives: Zu einigen
Vorträgen waren bis zu 150 Leute da; auch diese, wie das
Organisationsteam selbst, gemischt zusammengesetzt. Die Uni als
Örtlichkeit war nicht nur theoretisch dem Thema angemessen, sondern
auch praktisch: Ein Hörsaal, verschiedene Seminarräume und ein
glasbedachtes Foyer, für die Büchertische, waren durch kurze Wege
miteinander verbunden und sorgten für ausreichend Platz und gute
Atmosphäre.

Mindestens genauso gelungen wie die Raumverteilung war die
Kinderbetreuung durch die Rotznasen und die nahrungstechnische
Versorgung: Die Leute aus dem ehemals besetzten, jetzt unter Asta-
Verwaltung stehenden und direkt neben dem Hörsaal gelegenen Cafe
Knallhart zauberten Veganes, das von allen Teilnehmern auf Teller
gefüllt und für sehr lecker befunden wurde.

Falls der Kongress 2016 ein zweites Mal (Stand jetzt: wahrscheinlich),
stattfinden sollte, gilt es an der thematischen Ausrichtung zu feilen.

Eine Erfahrung, die uns dieser Kongress brachte, war, dass wir jetzt
besser wissen, auf welchem inhaltlichen Level die Besucher*innen sind
- nämlich einem höheren als vermutet. Aufgrund des oben erwähnten
Blindfluges waren wir vorsichtig (vielleicht auch zu vorsichtig), über
das, was wir voraussetzen hätten können - nun wissen wir mehr und
werden das für einen eventuell zweiten Kongress berücksichtigen.
Wohlan.

Weitere Infos und eine angekündigte Dokumentation findet ihr hier:

http://www1.userblogs.uni-hamburg.de/anarchie/


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