(de) Anarchosyndikalistischer Jahresrückblick der FAU Berlin

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Fri Jan 1 15:13:54 CET 2016


Auch das Jahr 2015 war ereignisreich und von vielen großen und kleinen gewerkschaftlichen 
Kämpfen, Konflikten und Aktivitäten geprägt. Weiterhin bekommt die FAU Berlin Zulauf und 
die Zahl der Kämpfe und Konflikte stieg auf ein neues Level. Dies bedeutete auch, dass 
sich die FAU Berlin nach neuen Räumlichkeiten umsehen musste. Die alten waren einfach zu 
klein geworden. Im neuen Jahr wird die FAU Berlin ihre neuen Räume im Bezirk Wedding 
beziehen (Grüntaler Str. 24, 13357 Berlin) ---- Bessere Grundlagen für die 
Betriebsgruppenarbeit, Verbesserung der Streikinfrastruktur, eine zusätzliche 
gewerkschaftliche Beratung an der Technischen Universität Berlin durch die 
Bildungssektion, eine Beratung zu Sexismus am Arbeitsplatz durch die Gender-AG der FAU 
Berlin und eine gewerkschaftliche Beratung für Kollektivbetriebe – viele neue 
Entwicklungen trugen zu einer Stärkung der FAU Berlin bei. Auch bundesweit gab es 
Neuerungen zu vermelden vom Bundeskongress, der dieses Jahr mitten in Berlin stattfand.

Eine neue Sektion im Bereich Gesundheit und Soziales gründete sich im März und kann 
mittlerweile Betriebsgruppen und Betriebsarbeit in verschiedenen Betrieben vorweisen. Auch 
die Diskussion um eine Föderation von Kollektivbetrieben, welche einen gewerkschaftlichen 
Anspruch und Anschluss verfolgen, hat viele Fortschritte gemacht. Hier wird es im neuen 
Jahr sicher spannende Neuigkeiten geben. Blicken wir also trotz aller Widrigkeiten in 
dieser Zeit mit einem Blick zurück nach vorne!

... Basisgewerkschaft

Die Mall of Shame – Ausbeutung par excellence

Die FAU Berlin startete mit einer Aktion bei Andreas Fettchenhauer, Geschäftsführer der 
ehemaligen Generalübernehmerin der Mall of Shame. Der Kampf um die Löhne geprellter und 
ausgebeuteter Arbeiter an der Mall of Shame begann im November 2014 und läuft nunmehr seit 
über einem Jahr. Zweifellos war dies der intensivste Kampf der FAU Berlin in ihrer 
Geschichte - ein Kampf, der alles zu bieten hatte, was für einen guten Krimi von Nutzen 
wäre. Auch das Mittel der einstweiligen Verfügung gegen die FAU Berlin wurde wieder einmal 
angestrengt, als diese einem Akteur empfindlich zu nah kam. Monate später erst war es 
wieder vom Tisch. Aufgrund des Sumpfes, der sich an der Mall of Shame auftat, richtete die 
FAU Berlin ihre Kritik auch an die verantwortliche Landespolitik, die außer den gewohnten 
Bekundungen untätig blieb. Dass der DGB versuchte, den Kampf der FAU Berlin zu 
instrumentalisieren, ist angesichts der Chronik dieses Arbeitskampfes fast schon vergessen.

So gängig solcherlei Ausbeutung auch im Baugewerbe ist, so unfassbar bleibt der Fall 
dennoch. Mit gezielter Pressearbeit konnten wir eine breite Berichterstattung über den 
Konflikt erwirken, die seit den ersten Protesten Ende 2014 die Entwicklung des Konfliktes 
auch kontinuierlich weiter begleitet. Daneben konnten Interessierte und UnterstützerInnen 
über eine gezielte Information auf der Webseite berlin.fau.org/mall und auf einer eigenen 
Facebook-Seite zum Konflikt erreicht werden. In diesem Konflikt wurde das Allgemeine 
Syndikat zudem durch viele andere Syndikate der FAU sowie durch NGOs und Einzelpersonen 
aus unterschiedlichen Kontexten materiell und ideell unterstützt – unter anderem durch die 
Amaro Foro, Hans-Böckler-Stiftung, die Eberhard-Schultz-Stiftung für soziale 
Menschenrechte, das SO36-Kiezbingo, der radikalen linken | berlin und weitere Solipartys 
und SpendengeberInnen. Derzeit sind acht Klagen gewonnen und zwei verloren. Zuletzt wurden 
die Klagen gegen das Subunternehmen Metatec gewonnen, bei dem das Gericht keinen Zweifel 
hatte, dass es die klagenden Arbeiter beschäftigt hat. Berufungstermine stehen an. Auch im 
nächsten Jahr lässt die FAU Berlin nicht locker. Wenn bei den dubiosen Subunternehmen 
nichts zu holen ist, wird der Gang zum selbstherrlichen Investor Harald Huth der nächste 
Schritt sein. Moralisch sowieso in der Verantwortung, wird die FAU Berlin ihn dann auch 
juristisch zur Kasse bitten.

Schwedische Schule – Das elfte Gebot: Du darfst nicht Mitglied einer Gewerkschaft sein

Im neuen Jahr endete auch der Konflikt in der kirchlichen Schwedischen Schule in Berlin. 
Hier wurde die gesamte Belegschaft im Jahr zuvor zuerst entlassen, und anschließend je 
nach Treueverhältnis zur Geschäftsführung zu unterschiedlichen Konditionen 
wiederangestellt, bzw. - im Fall zweier organisierter Gewerkschafter - gar nicht wieder 
eingestellt. Im Jahr zuvor wurde mit vielerlei öffentlichen Protest versucht, die Schule, 
die eng an die Kirche gebunden ist, zur Wiedereinstellung zu bewegen. Letztlich scheiterte 
die FAU vor Gericht mit einer Kündigungsschutzklage, da dieser in Kleinbetrieben nicht 
greift. Doch insbesondere durch die Solidarität unserer syndikalistischen 
Schwestergewerkschaft in Schweden konnte dort ein enormer öffentlicher Druck und 
Imageschaden erzeugt werden. Ein Rückblick der Betroffenen macht deutlich, dass auch eine 
punktuelle Niederlage den gewerkschaftlichen Kampfgeist in einer solidarischen 
Gewerkschaftsbewegung nicht brechen kann.

Heinrich-Böll-Stiftung – Dasselbe in Grün

Bereits seit Mitte 2013 stand das Allgemeine Syndikat Berlin für seine Mitglieder im 
Berliner Hauptsitz der Heinrich-Böll-Stiftung im Konflikt um prekäre Beschäftigung in der 
grünen Partei-Stiftung. Die gerichtliche Klärung der Konditionen der aufgrund unerlaubter 
Arbeitnehmerüberlassung an die HBS zustande gekommenen Arbeitsverhältnisse konnte die 
Stiftung jedoch in die Länge ziehen, sodass das letzte Verfahren erst im Herbst 2015 mit 
einem Vergleich abgeschlossen werden konnte. Der offensive Kampf der FAU Berlin ebnete 
dennoch erst den Weg für Veränderungen in der Böll-Stiftung, die sich angesichts einer 
störenden kleinen Gewerkschaft genötigt sah, mit ver.di in Verhandlungen um einen 
Haustarifvertrag einzutreten.

Haustarifvertrag von Unten

Neben zähen Kämpfen konnte die FAU Berlin jedoch im Juni mit dem Abschluss eines 
Haustarifvertrages in einem Online-Versandhandel auch Erfolge verbuchen. In dem Betrieb, 
in dem alle Angestellten sich der FAU anschlossen, konnten letztlich auf dem 
Verhandlungsweg verschiedene Forderungen durchgesetzt werden. Die Stellung der 
Betriebsgruppe im Betrieb ist dabei in dem Tarifvertrag festgeschrieben und geregelt und 
trägt eine klare syndikalistische Handschrift.

Hartz IV – Klassenkampf von oben

Das Allgemeine Syndikat Berlin unterstützte im vergangenen Jahr ein Mitglied, das von 
finanziellen Sanktionen des Jobcenters betroffen war, sich aber gegen diese Sanktionen mit 
einem Überbrückungsdarlehen wehrte. Ein entsprechender Darlehens-Fonds wurde eingerichtet 
und steht für weitere ähnliche Fälle zur Verfügung, um auch im Feld der Sanktionen Kämpfe 
führen zu können. Des Weiteren wurden Kolleginnen und Kollegen über ihre Rechte gegenüber 
dem Jobcenter beraten und auf kollektive Handlungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht.

(Nicht) unter dem Radar

Auch wenn nur wenige „Splitter“ neben den dominierenden Kämpfen wie Mall of Shame an die 
Öffentlichkeit drangen, so sind sie dennoch Alltag in der FAU Berlin. Es sind gerade die 
dutzenden kleinen Fälle von fehlenden Löhnen, Arbeitsunterlagen oder anderen Ansprüchen um 
die sich die FAU Berlin fortwährend erfolgreich kümmert. Insbesondere die Fälle im 
Gastronomiegewerbe nahmen zu – auch unsere gewerkschaftliche Beratung verbuchte den 
Bereich Gastro mit den meisten Beratungsgesprächen.

Beispielhaft seien hierfür die Fälle des Restaurants Cancun, wo auf direkten Weg, sprich 
direkter Aktion, der Lohn beim Chef abgeholt wurde, oder der neue Konflikt mit dem 
Gastrobetrieb Barist genannt. Diese Fälle zeigen, dass auch bei vermeintlich „kleinen“ 
Fällen die FAU Berlin den Weg in die Öffentlichkeit nicht scheut, um für die Interessen 
und Rechte ihrer Mitglieder zu kämpfen. Dem Sektor Gastronomie wird im nächsten Jahr von 
der FAU Berlin besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

... ist natürlich auch …

Solidarität!

Natürlich ist auch die Solidarität ein wichtiger Grundpfeiler im Jahr 2015 gewesen. Nicht 
nur Solidaritätserklärungen wie mit dem Streik im Babyon, den Bahnstreikenden im Mai, der 
Verurteilung der Einschränkung des Streikrechts im Fall der Piloten im September, der 
Spendensammlung der FAU Berlin für Air-France-Beschäftigte, die wegen der Attacken auf 
ihre Manager nun angeklagt werden oder jüngst der Solidarisierung mit den 
Hungerstreikenden in der JVA Butzbach und der Gefangenengewerkschaft GG/BO; Nein, auch 
direkte Unterstützung wie in dem Fall unseres Schwestersyndikates aus Dresden, welches im 
Konflikt mit einem Berliner Arbeitgeber ist, gehörte zu den Aktivitäten den FAU Berlin im 
Jahr 2015.

Emanzipation!

Sexismus ist nachwievor virulent. Mit unserem Flyer zu Sexismus am Arbeitsplatz beteiligte 
sich die FAU Berlin daher auch am Frauenkampftag im März um zu verdeutlichen, das Sexismus 
(nicht nur) am Arbeitsplatz niemals okay ist. Zudem bietet die Gender-AG eine monatliche 
Beratung zu Sexismus am Arbeitsplatz oder im Jobcenter an und ist auch für Mitglieder in 
der FAU Berlin ansprechbar wenn es Probleme gibt. Im September rief die Gender-AG der FAU 
Berlin ebenfalls zur Beteiligung an der Demo gegen den sogenannten „Marsch für das Leben“ 
von fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen auf und machte sich für die 
Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das Recht auf eine frei zugängliche, sichere 
und legale Abtreibung für alle, ohne wenn und aber, stark.

Internationalismus!

Schlussendlich war auch der internationale Austausch im Jahr 2015 intensiver als die Jahre 
zuvor. Mitglieder der FAU Berlin waren in diesem Jahr für die Bundes-FAU oder die FAU 
Berlin auf verschiedenen internationalen Konferenzen und Treffen mit 
Schwestergewerkschaften wie beispielsweise in Schweden, Spanien, Finnland, Polen oder 
Portugal. Dabei knüpften sie Kontakte und tauschten sich zu Kämpfen aus, informierten sich 
über die Verhältnisse vor Ort und leisteten praktische Hilfe beim Aufbau von Strukturen.

Antirassismus!

Im Antlitz von grassierendem und brandstiftenden Rassismus und Nationalismus bezog die FAU 
auch im Jahr 2015 Stellung und unterstützte den Aufruf gegen die Asylrechtsverschärfung. 
Auch solidarisierte sie sich mit der direkten Aktion der Fluchthilfe durch die Aktion der 
OpenBorderCaravan im September. Während der Staat versagt, zeigten ganz allgemein gerade 
selbstorganisierte Ansätze der vielfältigen Unterstützung von Geflüchteten Wirkung, die 
nun von Entscheidungsträgern gerne herangezogen werden, um das nationale Image in dem Land 
aufzupolieren, in dem es aktuell mehr Brandanschläge und Terror gegen Flüchtlinge gab als 
in den dunklen 1990er Jahren.

Bildungsarbeit!

Daneben fanden im vergangenen Jahr weiterhin Arbeitsrechts- und Organizer-Trainings sowie 
unsere Einführungsveranstaltungen statt – vermehrt auch in englischer Sprache. Auch 
Beratungen zu Möglichkeiten, eigene Rechte im Betrieb mit gewerkschaftlichen Mitteln 
durchzusetzen, zur Praxis in Kollektivbetrieben, zu Sexismus und Genderthemen sowie zu 
Mietrechtsfragen wurden weiter regelmäßig für alle Interessierten und Betroffenen 
angeboten; die Sektion Bildungswesen führte eine eigene gewerkschaftliche Beratung an der 
TU Berlin ein. Verschiedene Veranstaltungen behandelten im Laufe des Jahres Wohnungsnot 
und MieterInnenproteste, die Geschichte der FAU und ihrer Konflikte und Arbeitskämpfe – zu 
unserem Konflikt im Berliner Kino Babylon in den Jahren 2009/10 wurde etwa eine 
einführende Broschüre veröffentlicht –, Sorgearbeit, Migration, 
Sozialversicherungssanktionen gegen Lohnabhängige sowie Aspekte und Momente sozialer 
Bewegungen in anderen Teilen Europas und der Welt.

... kämpferisch im neuen Jahr 2016!

https://berlin.fau.org/news/anarchosyndikalistischer-jahresrueckblick-der-fau-berlin


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