(de) Anarchist Group Freiburg: Rasthaus für Alle! Für ein Soziales Zentrum im alten DGB-Haus! -- Warum Soziales Zentrum für Alle?

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Tue Feb 23 15:50:45 CET 2016


Freiburg braucht einen Ort, an dem Menschen unabhängig von ihrer Herkunft 
selbstorganisiert und solidarisch tätig sein können: Ein Soziales Zentrum für Alle. Das 
heißt: Einen Ort der Begegnung und solidarischen Unterstützung, ohne staatliche 
Einmischung, ohne vom politischen Willen eines Trägers abhängig zu sein, ohne Angst vor 
rassistischen Übergriffen haben zu müssen. ---- Ein Raum für Deutschkurse, für 
Informationsveranstaltungen, für rechtliche Beratung und medizinische Unterstützung, für 
kulturelles Schaffen und um sich zu begegnen. Ein Raum, um unterzukommen und sich selbst 
ein Essen zu kochen. Ein Ort ohne Gängelung durch Behörden und restriktive Hausordnungen. 
Ein Haus, in dem Frauen, Homosexuellen und Trans*menschen ein Ort zur Entfaltung geboten 
wird. Ein Ort, an dem über Fluchtursachen gesprochen und Bündnispartner gefunden werden 
können.

Wo Fluchterfahrungen ernst genommen werden. Ein Ort, an dem Menschen mit und ohne 
Fluchterfahrung ihre Kämpfe und Bedürfnisse politisch verknüpfen und erweitern können – 
das ist umso wichtiger in Zeiten, wo häufig unterschiedliche sozial benachteiligte Gruppen 
gegeneinander ausgespielt werden. Praktische Solidarität statt rassistischer Spaltung – 
dieser Satz soll mehr werden als eine Parole. Wir laden jede*n, der sich damit anfreunden 
kann, dazu ein, sich am Projekt für ein Sozialen Zentrums für Alle in Freiburg zu 
beteiligen und mit den je individuellen Erfahrungen einzubringen!

Warum braucht’s das hier und jetzt?

In Freiburg gibt es seit vielen Jahren die Initiative, ein Rasthaus für Geflüchtete zu 
schaffen – das Mini-Rasthaus auf dem Grether-Gelände platzt als prekäre Übergangslösung 
längt aus allen Nähten. Das Ziel eines Rasthauses war und ist bis heute, einen Ort/ein 
Haus der praktischen Solidarität zu schaffen, bei dem keine Fragen nach Pass, Herkunft 
oder dem Aufenthaltsgrund gestellt werden. Dieser Ort soll eine konkrete Antwort auf eine 
ausgrenzende Politik darstellen. All das ist jetzt wichtiger denn je. Flüchtlinge werden 
oft in Sammellagern untergebracht, was Ausgrenzung, bedrückende Enge und räumliche 
Isolation bedeutet. In vielen der Unterkünfte fehlt es am nötigsten: Keine Privatsphäre, 
keine Rückzugsräume, keine Infrastruktur um sich zu organisieren und zu informieren, teils 
nicht mal Möglichkeiten um selbst zu kochen. Es braucht Räume der Begegnung und Orte, an 
denen Geflüchtete sich selbst verwirklichen können, anstatt als Objekt staatlicher 
Verwaltung die Gewalt der Verhältnisse erdulden zu müssen!

In Freiburg ist Wohnraum notorisch knapp. Nicht nur gibt es für Geflüchtete quasi keine 
Möglichkeit, eine Wohnung zu finden. Das EX-DGB-Haus könnte Menschen verschiedener 
sozialer Herkunft zusammenbringen und schwerpunktmäßig denen Raum bieten, die es in 
Freiburg schwer haben, eine Wohnung zu finden. Ein soziales Zentrum könnte auch für 
Nicht-Geflüchtete ein Anlaufpunkt bei Problemen mit hohen Mieten, Zwangsumzügen oder 
Zwangsräumungen sein. Ein Ort also, an dem man zusammen für die eigenen Interessen kämpft, 
statt sich gegeneinander ausspielen zu lassen.

Wir wollen mit dieser Initiative nicht den Staat aus seiner Verantwortung entlassen – 
deshalb ist die Kampagne für ein soziales Zentrum eingebettet in die politische Forderung 
nach sicheren Aufenthaltstiteln, einem Ende der elenden Abschiebepolitik, materieller 
Sicherheit für Geflüchtete und dem seit Jahrzehnten überfälligen Ausbau des sozialen 
Wohnungsbaus. Solange diese Gesellschaft nationalstaatlich organisiert ist, müssen wir in 
diesem und gegen diesen Staat für das Recht derer streiten, denen es aufgrund ihrer 
Herkunft entzogen wird – unter anderem dafür braucht es Räume abseits staatlicher 
Verwaltung, um ebendiese Kämpfe und die dafür notwendigen Begegnungen und Netzwerke zu 
stärken.

Wer macht da bislang mit?

Die Initiative ging vor einigen Monaten aus dem Freiburger Recht-auf-Stadt-Netzwerk und 
dem Rasthaus hervor, bald kamen Menschen aus dem Freiburger No-Lager-Bündnis und 
verschiedenen linken Gruppen hinzu. Mit dabei sind alle Gruppen des Mini-Rasthauses, die 
sich seit Jahren für die Anliegen Geflüchteter starkmachen: Das Medinetz bietet 
medizinische Unterstützung auch ohne sicheren Aufenthaltstitel, SAGA leistet 
Rechtsberatung bei Aufenthaltsfragen, Aktion Bleiberecht setzt sich politisch für ein 
bedingungsloses Bleiberecht und gegen diskriminierende Verhältnisse ein, die Deutschkurse 
bieten fast täglich kostenlosen Deutschunterricht und das Freiburger Forum aktiv gegen 
Ausgrenzung widmet sich insbesondere der Situation der in Freiburg lebenden Roma und den 
drohenden Abschiebungen.

Der Kampf für „Soziale Zentren für Alle“ ist dabei weit größer: In vielen Städten in 
Deutschland gibt es derzeit ganz ähnliche Kampagnen. In Göttingen besteht nun schon seit 
einigen Monaten ein soziales Zentrum – ebenfalls in einem Haus, das dem DGB gehört. In 
Frankfurt hat das „Project Shelter“ mehrfach Immobilien besetzt und zwischen genutzt. In 
Berlin, Leipzig und Bremen wird ebenfalls seit Monaten für ein #SocialCenter4All gekämpft. 
Das alles gibt uns Mut! Denn es ist wichtig, in die Offensive zu kommen – und endlich 
praktische Alternativen zum alltäglichen Rassimus und der staatlichen Ausgrenzungspraxis 
zu schaffen.

Warum das alte DGB-Haus?

Damit ein Soziales Zentrum tatsächlich mehr sein kann als bloßer Wohn- und 
Aufenthaltsraum, muss es im Zentrum der Stadt, gut erreichbar und vielseitig nutzbar sein. 
Dafür gibt es in Freiburg selten gute Möglichkeiten. Nun steht aber ein großes Gebäude 
direkt in der Innenstadt leer. Dass dieses außerdem dem DGB gehört, einer Organisation 
also, von der wir denken, dass sie die Idee von Interessenvertretung und praktischer 
Solidarität unterstützen sollte, macht den Ansporn, an einer sozialen Umnutzung des alten 
DGB-Hauses festzuhalten, umso größer. Der DGB-Ortsverband Freiburg und der 
Verdi-Ortsverband unterstützen das Konzept. Über die weitere Nutzung entscheidet aber der 
DGB-Bundesverband, und dieser blockiert bislang. Doch dabei werden wir es nicht belassen! 
Wir laden den DGB-Bundesvorstand nach Freiburg ein, um mit uns die Möglichkeiten der 
sozialen Nutzung des Hauses zu besprechen. Anstatt auf dem regulären Immobilienmarkt den 
höchsten Gewinn herauszuschlagen, erwarten wir, dass der DGB sich gesprächsbereit zeigt 
und wir eine Lösung finden, die das Haus vorübergehend oder langfristig einer 
solidarischen und sozialen Nutzung zuführt.

Wie geht’s weiter und was kannst du tun?

Am 27. Februar laden wir zu einer Kundgebung vor dem EX-DGB-Haus in der Freiburger 
Hebelstraße ein. Die beteiligten Gruppen werden sich vorstellen, es gibt Essen, Getränke, 
Musik. Dort wollen wir mit allen Interessierten diskutieren, wie ein #SocialCenter4All in 
Freiburg möglichst schnell Wirklichkeit werden kann. Kommt vorbei! Kämpft mit uns gegen 
die Perspektivlosigkeit Geflüchteter hierzulande, gegen den Hass auf Flüchtlinge, die 
alltägliche Erniedrigung und Ausgrenzung und für einen neuen Ort der Begegnung!

Bist du in einer DGB-Gewerkschaft? Dann lade deine Kolleginnen und Kollegen ein und macht 
zusammen gegenüber dem Bundesvorstand deutlich, dass ein soziales Zentrum im alten 
Freiburger DGB-Haus in eurem Gewerkschaftsinteresse ist!

Kundgebung am alten Gewerkschaftshaus in der Hebelstraße // 27. Februar // 14:00 Uhr

http://www.ag-freiburg.org/cms/aufrufe/rasthaus-fuer-alle-fuer-ein-soziales-zentrum-im-alten-dgb-haus-2


More information about the A-infos-de mailing list