(de) Fau-Iaa Direct Action #232 NOV/DEZ 2015: (K)eine gute Alternative -- Waldorfpädagogik – Hübsche Fassaden mit Nichtecken

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Wed Apr 6 09:52:48 CEST 2016


Waldorfschulen und die Waldorfpädagogik sind vielen als Alternative zu staatlichen Schulen 
bekannt. Waldorfschulen sind begehrt und beliebt. Doch welche Ziele verfolgte ihr 
Begründer Rudolf Steiner, als er 1919 für die Kinder der ArbeiterInnen der 
Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik die erste Waldorfschule gründete? ---- Das Goetheanum von 
Süden ---- Waldorfschulen eilt der Ruf voraus, dass dort angstfrei und in Freiheit gelernt 
wird. Es gibt keine Noten und kein Sitzenbleiben, es werden die Talente gefördert, die 
jedes Kind mitbringt. Das Image besagt, dass die Schulen offen und nicht nur an 
Wissensvermittlung orientiert sind. Die Lehre ist musisch-künstlerisch ausgerichtet, das 
Kind wird nicht als bloßes Objekt der Inhaltsvermittlung betrachtet, sondern als Subjekt 
eines Reifungsprozesses und selbst die Architektur erscheint pädagogisch durchdacht. So 
ist auch im Leitbild der deutschen Waldorfschulen zunächst von Respekt vor der Würde des 
Kindes und Wertschätzung menschlicher und kultureller Vielfalt zu lesen, als Grundlage für 
die gesunde, individuelle Entwicklung der SchülerInnen. Der Bund der Freien Waldorfschulen 
erläutert in 21 Fragen die Grundzüge von Waldorfschulen und Waldorfpädagogik. Dort steht, 
dass intellektuelle, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten 
gleichermaßen entwickelt werden sollen. Deshalb lernen WaldorfschülerInnen von Beginn an 
zwei Fremdsprachen, stricken, nähen und schneidern in Handarbeit und sägen, hämmern und 
feilen gemeinsam im Werkunterricht. In Klasse 8 und 12 wird ein anspruchsvolles 
Theaterstück einstudiert und in einer Jahresarbeit ein Thema in Theorie und Praxis 
behandelt. Hinzu kommen ausgiebige Praktika und spezielle Fächer wie Eurythmie und 
Formenzeichnen.

SCHÖNE WORTE UND KRITIK

Trotz dieser schönen Worte und tollen Angebote gibt es immer wieder Kritik an 
Waldorfschulen und Waldorfpädagogik. In verschiedenen Büchern und Artikeln werden negative 
Erfahrungen und Vorkommnisse berichtet. Von offizieller Waldorf-Seite werden diese als 
„Einzelfälle“ behandelt. Ob sie das wirklich sind oder nicht, ist müßig zu diskutieren. 
Stattdessen das Waldorfsystem als Ganzes zu betrachten, hinter die Fassade zu blicken, das 
ist nötig.

Was also macht die Waldorfpädagogik aus, was sind ihre Grundlagen? Auch hier lohnt ein 
Blick in das Leitbild der Waldorfschulen, der erste Punkt gibt nämlich auch darüber 
Auskunft. Die pädagogischen Impulse Rudolf Steiners bilden die Grundlage und die 
anthroposophische Menschenkunde und Erziehungskunst sind die Basis. Das spiegelt sich dann 
in Ablauf und Inhalten der Ausbildungsseminare für Waldorflehrpersonal. Der Tag beginnt 
mit der Lektüre grundlegender Werke Rudolf Steiners, wie zum Beispiel Geheimwissenschaft 
im Umriss oder Allgemeine Menschenkunde. Außerdem wird anthroposophische Didaktik und 
Methodik gelehrt, sowie spezielle „Waldorf-Fächer“ wie Formenzeichnen, Eurythmie, 
Sprachgestaltung und Bothmer-Gymnastik. Zu den Inhalten gehören ebenfalls Reinkarnation 
und Karma. Das nach dieser „Einführung in die Anthroposophie“ selbige an sich nie 
Gegenstand des Unterrichts ist, wie vom Bund der Freien Waldorfschulen betont wird, mag 
stimmen. Aber sie wirkt durch Methodik und Didaktik, ganz im Sinne ihres Erfinders Rudolf 
Steiner. Der meinte, dass Anthroposophie nicht vermittelt, sondern nur vorgelebt werden 
kann. Ein Grund mehr zu fragen, wer Rudolf Steiner war und genau hinzusehen, was es mit 
der anthroposophischen Menschenkunde auf sich hat.

ANTHROPOSOPHISCHE MENSCHENKUNDE

Ein guter Waldorflehrer müsse gar nicht unbedingt über ausgeprägtes Fachwissen verfügen, 
so Georg Hartmann, ein Anthroposoph und Steinerkenner. Stattdessen soll er (oder sie) ein 
guter Anthroposoph sein, in der Temperamentenlehre bewandert sein, mit der 
psychologisch-physiognomischen Menschenkunde vertraut sein und das karmisch-medizinische 
Nachschlagewerk zur Hand haben. Psychologisch-physiognomisch heißt: Man kann vom Äußeren 
des Menschen auf seinen Charakter schließen. Ein ausgeprägter Hinterkopf deutet etwa auf 
ein starkes Triebleben hin und kann ein Hinweis auf einen zu kleinen Gehirnlappen sein. 
Diese Menschen haben nach Steiner eine Veranlagung, zum Mörder/zur Mörderin zu werden. 
Doch wenn die ErzieherInnen davon wissen, können sie das verhindern. Karmisch-medizinisch 
bedeutet, dass sich alle auftretenden Krankheiten auf schlechte Taten in einem der 
Vorleben zurückführen lassen. Wer es schafft, bei sich alle schlechten Neigungen 
„auszumerzen“, bereitet für sich einen guten kräftigen Körper für das nächste Leben vor.

Vorsicht ist auch bei einem triebhaft ausgebildeten Erwerbssinn geboten. Der zeigt sich im 
nächsten Leben als Veranlagung zu Infekten. Und wer zu viel arbeitet, wird im nächsten 
Leben LinkshänderIn sein. Ob SchülerInnen Schreib- oder Rechenschwierigkeiten haben 
werden, erkennen ein gute LehrerInnen bereits an deren Gebiss. Und die Kopfgröße eines 
Menschen ist nicht etwa erblich bedingt, sondern liegt in der Verantwortung der Mutter. 
Wenn diese sich während der Schwangerschaft scheußlich langweilt, wird ihr Kind vermutlich 
einen Wasserkopf bekommen. Mulatten gibt es laut Steiner, wenn sie während der 
Schwangerschaft „Neger-Romane“ liest. Wer schöne Kinder will, muss schöngeistige Literatur 
lesen. Welches Temperament das Kind hat, erkennen die LehrerInnen bereits am Gang, der 
Physiognomie (Gestalt) oder der Augenfarbe. Helfen können bei der Temperamentbestimmung 
auch die astrologischen Tierkreiszeichen. Weil die zu starke Ausprägung eines 
Temperamentes ungünstig ist, sollen die LehrerInnen durch die richtige Sitzordnung für 
Harmonisierung sorgen. Selbst durch einen „temperamentvollen“ Rechenunterricht sollen die 
SchülerInnen einen moralischen Schliff erhalten. Damit die Erziehung gelingt, muss 
natürlich das Elternhaus mitwirken und bekommt dafür entsprechende Richtlinien. Da wird 
dann die Farbe der Kleidung, die Zusammensetzung des Mittagessens und das zu erlernende 
Musikinstrument empfohlen. Ziel dieses Aufwandes ist ein genormtes Seelenleben und 
-verhalten. Spätestens hier stellt sich die Frage, wie weit her es mit Freiheit und 
individueller Entwicklung der Kinder ist.

Wer noch weitere Denkanstöße braucht, kann bei Steiner nachlesen, welchen Einfluss das 
Rechnen auf die Moral, die Gesundheit oder die Verhinderung des Bolschewismus in Europa hat.

Das solch merkwürdige Methoden, wenn sie offenkundig werden, durchaus zu Problemen mit 
SchülerInnen und Eltern führen können, schien Steiner durchaus bewusst.

FAZIT

Waldorfpädagogik und Waldorfschule sind feste und zentrale Bestandteile der Anthroposophie 
Rudolf Steiners. Diese stellt ein umfassendes System dar, das mit Demeter-Landwirtschaft, 
anthroposophischer Medizin und Christengemeinschaft in weitere Lebensbereiche ragt. 
Unwidersprochene Grundlage aller Ausrichtungen sind Lehre und „Erkenntnis“ Rudolf 
Steiners, die mit mystischen, okkulten und esoterischen Elementen und Hintergründen 
angefüllt sind. Inwieweit sich darin auch noch rassistische Ideen finden lassen, kann hier 
nicht dargestellt werden. Dafür sei auf die umfassende Verfügbarkeit Steinerscher 
Schriften im Internet verwiesen. Aber Vorsicht, da wartet keine leichte Kost, genauso 
wenig wie die Waldorfpädagogik eine gute Alternative zu herkömmlichen Kindergärten oder 
Schulen ist. Vielmehr sei davor gewarnt, denn die schicke Fassade verbirgt recht gut einen 
altertümlichen, autoritären und fragwürdigen Kern.

Uwe Flurschütz

Viele Texte Rudolf Steiners finden sich mittlerweile im Internet, z. B. im Rudolf Steiner 
Online Archiv (anthroposophie.byu.edu/) oder als Link im AnthroWiki 
(anthrowiki.at/Rudolf_Steiner_Gesamtausgabe).

An kritischer Literatur gibt es u.a. das Schwarzbuch Anthroposophie von Guido und Michael 
Grandt, den Bericht aus einem Waldorfseminar von Christine Treiber in der Zeitschrift Päd. 
Forum Nr. 6, Ausgabe 12/97, Aus der Waldorfschule geplaudert von S.-Ch. Jacob und D. 
Drewes oder von Peter Bierl Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister.

WER WAR RUDOLF STEINER?

Rudolf Steiner um 1905

Geboren am 25. Februar 1861 in Karaljevec/Österreich nahe der ungarischen Grenze, 
bezeichnet sich Steiner als „Fremdling im Elternhaus“. Als Vierjähriger hat er eine erste 
Geist-Erscheinung, mit zehn Jahren findet er sein Glück im Geometriebuch und bei der 
Kulthandlung des Priesters. Okkultes und mystisches Wissen erhält er von einem 
Kräutersammler und lernt von diesem „Eingeweihten“ einen „geistigen Dialekt“. Ein 
Lehramtsstudium bricht er ab, findet aber eine Anstellung als Hauslehrer. Aus der 
angeblichen oder wirklichen Wasserköpfigkeit seines Zöglings und seinem Erfolg bei der 
Ausbildung des Kindes leitet Steiner den passenden Unterrichtsstoff für „Groß- und 
Kleinköpfige“ ab. Danach nimmt er ein Angebot des Goethe-Schiller-Archivs in Weimar an und 
gibt Goethes naturwissenschaftliche Schriften mit einer eigenen Einleitung neu heraus. 
Nach sieben Jahren in Weimar geht er nach Berlin. Dort gibt Steiner ein Magazin heraus und 
hält Vorträge über Okkultismus und Mystizismus. Er gründet die Deutsche Sektion der 
Theosophischen Gesellschaft (TG), deren Generalsekretär er wird. In der gleichen Zeit 
kommt er mit Freimaurern in Kontakt und wird Hochgrad-Bruder des okkulten und esoterischen 
Ordo Templis Orientis (O.T.O.).

Steiner und einige seiner AnhängerInnen verlassen die TG und gründen die Anthroposophische 
Gesellschaft, deren okkulter Führer Steiner ist. Er lässt in Dornach in der Schweiz einen 
Kult- und Mysterientempel ganz aus Holz bauen – das erste Goetheanum.Gegen Ende des Ersten 
Weltkrieges entwickelt Steiner seine soziale Dreigliederung der Gesellschaft. Weil die 
Idee in der Bevölkerung keinen Anklang findet, sucht er einen anderen Weg, seine Lehren 
(„göttlichen Eingebungen“) durchzusetzen. Steiner und FreundInnen gründen eine Schule der 
anthroposophischen Bewegung, die Freie Waldorfschule. In der Silvesternacht 1923 brennt 
das hölzerne Goetheanum ab und die alte Anthroposophische Gesellschaft findet ihr Ende. 
Ein Jahr später gründet Steiner selbst die Anthroposophische Gesellschaft neu und lässt 
ein zweites Goetheanum aus Beton bauen. Dieses wird Sitz der „Freien Hochschule für 
Geisteswissenschaft“, die moderne Form der altertümlichen Mysterienschulen. 1924 erkrankt 
Steiner an Magenkrebs, hält aber weiterhin Vorträge und verfasst Manuskripte. Er stirbt am 
30. März 1925. In der NS-Zeit wird die Anthroposophische Gesellschaft verboten, obwohl die 
Anthroposophie in vielen Punkten der NS-Ideologie ähnelt. Eine Veränderung der 
grundlegenden Lehre der Waldorfschulen und -pädagogik ist seither nicht eingetreten. So 
berufen sich auch Arbeiten zur heutigen Praxis der Schulen stets auf Steiner. Er gilt als 
Inkarnation okkulten Wissens und niemand hat je seine Stufe der anthroposophischen 
Erkenntnis erreicht. Steiner ist das „Evangelium“, er ist noch immer der Inspirator und 
Gesetzgeber der Schule.

https://www.direkteaktion.org/232/k-eine-gute-alternative


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