(de) a-s-j bonn: Bildung und Wissen im Kapitalismus

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Sun Apr 3 13:01:24 CEST 2016


Das Tagesseminar findet am 09.04.2016 von 12 bis ca. 19 Uhr statt. Bitte meldet euch unter 
asjbonn[at]riseup.net für die Veranstaltung an, den Veranstaltungsort erhaltet ihr dann 
per Mail. ---- Die Vermittlung von Wissen an die nachfolgende Generation gilt gemeinhin 
als die Aufgabe von Schule und Hochschullehre. Wir meinen dem ist nicht so. Das primäre 
Ziel des Bildungswesens scheint vielmehr eine selektive Wissensvermittlung und die 
Selektion der Bevölkerung anhand dieser Wissensvermittlung zu sein. Wie das vonstattengeht 
und welche Gründe dafür vorliegen soll Inhalt des ersten Teils des Seminars sein. Es soll 
geklärt werden, wie vom Bildungswesen erfolgreiche und nicht erfolgreiche Schüler_innen 
und Student_innen geschaffen werden und warum sich – trotz all der Paukerei – keine 
Garantie ergibt, nicht doch noch zu den „Bildungsverlierern“ zu gehören.

Desweiteren soll diskutiert werden, was eigentlich über die Klassenlage ausgesagt werden 
kann, wenn man derartig auf eine erfolgreiche Bildungskarriere angewiesen ist. Was 
bedeutet es, die Disziplinierung in der Schule, die Büffelei, den ständigen 
Konkurrenzkampf und den permanenten Leistungsdruck als Chance sehen zu müssen?
Im zweiten Teil soll es um die geistige Verarbeitung der diskutierten Verhältnisse gehen. 
Diejenigen, bei denen sich der schulische und berufliche Erfolg nämlich einfach nicht 
einstellen mag, beginnen sich zu fragen, was denn die Gründe für ihr Scheitern sind. Dabei 
kommen sie regelmäßig zu Überzeugungen, die nicht selten einige Grausamkeiten gegen sich 
oder andere zur Folge haben und dann eine Armee von Sozialarbeiter_innen und 
Psycholog_innen beschäftigen.

Ausgangspunkt des dritten Teils ist die Beobachtung, dass Kapitalismus der allgemeinen 
gesellschaftlichen Vermehrung von Wissen letztlich entgegenarbeitet. Wissen wird nicht 
einfach erzeugt und zur Verfügung gestellt. Es wird nicht benutzt um allen ein angenehmes 
Leben, möglichst frei von Krankheiten, Hunger und langer Arbeit zu ermöglichen. Vielmehr 
ist das Gegenteil der Fall: Überall lässt sich feststellen, dass Kapitalismus für die 
meisten Menschen bedeutet, von Wissen ausgeschlossen zu sein. So sind frisch erzeugtes 
Wissen und Entdeckungen nicht allgemein zugänglich. Sie sind urheberrechtlich geschützt 
oder sogar patentiert und dürfen nicht ohne weiteres von anderen verwendet werden – egal 
wie notwendig sie es bräuchten. Auch lässt sich feststellen, dass Wissen gerade in Schule 
und Hochschule zum Konkurrenzmaterial degradiert ist. Beim Lernen weicht das Interesse am 
Material der Frage „was einem der Stoff bringt“. Und weil das Nicht-Wissen der anderen der 
eigene Vorteil ist, fehlen dann schon mal Seiten in den relevanten Büchern in der Unibib. 
Und der Gipfel der Absurdität wird dann erreicht, wenn diejenigen, die die schlechtesten 
Noten haben, also angeblich am wenigsten wissen, die Schulzeit nach neun Jahren 
zwangsweise verlassen müssen. So macht Kapitalismus dumm.

Zusammenfassend soll betont und aufgezeigt werden, dass die beschriebenen Umstände nicht 
auf ausbleibende Reformen oder das Versagen von Politiker_innen, Eltern, Lehrer_innen 
zurückzuführen sind. Vielmehr ergeben sie sich aus den Zwecken und Kalkulationen einer 
kapitalistischen Ökonomie.

http://asjbonn.blogsport.de/2016/03/28/bildung-und-wissen-in-kapitalismus/#more-262


More information about the A-infos-de mailing list