(de) Fau Berlin: [Mall of Shame] Briefkastenfirma kommt erstmals davon
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Sat Sep 19 14:31:13 CEST 2015
Zwei weitere der insgesamt zehn Klagen von sieben FAU-Mitgliedern und ehemaligen
Bauarbeitern bei der Mall of Berlin wurden heute vor dem Arbeitsgericht behandelt. Die
Richter haben nicht bezweifelt, dass die beiden Arbeiter auf der Baustelle der Mall of
Berlin gearbeitet haben, aber dass sie gerade für das Subunternehmen openmallmaster tätig
gewesen waren, war für sie nicht schlüssig genug. Die Klagen wurden somit vom Gericht
abgewiesen. Für die FAU Berlin ist dies unschlüssig und unverständlich. ---- Alles nur
ausgedacht? ---- Das Subunternehmen konnte nicht leugnen, das Alexander „Sascha” P., einer
derjenigen, die nach Aussagen der Arbeiter u.a. für die Einweisung der Bauarbeiter
zuständig war, mit der Firma zumindest zusammenarbeitete. Nach Aussagen der Gegenseite war
Sascha jedoch als „Übersetzer” für das Subunternehmen tätig und ließ sich auf eigenen
Wunsch von der Firma BV & M Bauvertrieb und Management GmbH abrechnen. Der Geschäftsführer
der Briefkastenfirma openmallmaster wurde im Juni 2016 ebenso Geschäftsführer eben jener
weiteren Kleinstfirma. Auch dass die Arbeiter den Bauleiter der Firma Wiktor K. benennen
konnten – angeblich der einzige Mitarbeiter dieses ominösen Subunternehmens – spielte
keine große Rolle.
Rechnung der Ausbeuter ging auf
Damit zeigt sich die Effektivität der ebenso vom Gericht attestierten ”komplexen”
Situation auf der Baustelle, wobei undurchsichtig und ausbeuterisch die noch treffenderen
Adjektive wären. Ein Wunder war diese Entscheidung daher nicht, da es schwer zu beweisen
ist, welches Subunternehmen oder Sub-sub-subunternehmen denn genau für die Ausbeutung
welcher von hunderten von Wanderarbeitern auf solch einer riesigen Baustelle haftet. Denn
die entscheidende Tatsache sind eben jene fehlenden Dokumente wie Arbeitsverträge, die den
Arbeitern niemals ausgestellt wurden. An der Spitze dieser Sub-Sub-Sub-Kette stand die
kurz nach der Fertigstellung insolvent gegangene Fettchenhauer Controlling & Logistics
GmbH (FCL) mit ihrem damaligen Geschäftsführer Andreas Fettchenhauer und der Investor
Harald Huth, der mehrheitlich über eine Holding an der FCL beteiligt war.
Ausbeutung? Kapitalistischer Normalzustand
Die ”Mall of Shame” ist bei weitem kein Einzelfall. Neben der Baubranche sind auch immer
mehr die Gastro- und Pflegearbeit hochprekär, die Beschäftigten nicht selten
nicht-deutsche EU-BürgerInnen, die meist noch weniger über ihre Rechte wissen als
ArbeiterInnen aus Deutschland. Zudem werden Sprachbarrieren bewusst ausgenutzt. Und auch
wenn die Arbeiter in diesen zwei Fällen vor Gericht verloren haben, haben sie dennoch so
einiges erreicht: Dadurch, dass sie sich organisiert haben und sich Unterstützung durch
eine tatkräftige Gewerkschaft geholt haben, haben sie das Thema auf die öffentliche
Tagesordnung in Berlin und ganz Deutschland gebracht. Sie konnten sich ihre Würde
erkämpfen und können ein Beispiel für andere ArbeiterInnen sein, dass es auch für
WanderarbeiterInnen ohne Deutschkenntnisse nicht unmöglich ist, sich gegen Ausbeutung zu
wehren.
Die FAU Berlin wird nun rechtlich prüfen, wie sie mit diesen Urteilen umgehen wird.
Gewerkschaftlich wird sie alle beteiligten Akteure weiter in die Pflicht nehmen, dem
Leugnen der Unternehmen, Ignoranz städtischer Verantwortlicher und auch einstweiliger
Verfügungen zum Trotz.
Mall of Shame – Bezahlt die Arbeiter!
Es stehen noch fünf weitere Fälle um dem Komplex ”Mall of Shame” an, jeweils am 8.10.2015
und 28.10.2015 vor dem Arbeitsgericht Berlin.
https://berlin.fau.org/news/mall-of-shame-briefkastenfirma-kommt-erstmals-davon
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